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Über drei Millionen Euro: Aktion "Freude für alle" zieht Rekord-Bilanz

Erstmals Sprung über die Drei-Millionen-Marke geschafft - 02.02.2021 07:53 Uhr

Im Blindeninstitut Rückersdorf wird die Unterstützung aus "Freude für alle" vor allem für zusätzliche Hilfen in der Sehschulung benötigt; hier übt Nadine Dilling (li.) mit einer Jugendlichen an einem Spezial-Tablet.  

01.02.2021 © Masha Tuler


Schon der bis Weihnachten erreichte Spendeneingang von gut 2,6 Millionen Euro bedeutete einen neuen Höchststand. Über den Jahreswechsel gingen dann auf den vier Aktionskonten bei den Sparkassen Nürnberg, Fürth und Erlangen sowie der Postbank noch mal fast 700.000 Euro ein. Ergibt stolze 3,294 Millionen Euro.

Zu dem wiederum überaus erfreulichen Ergebnis haben – wie auch die in loser Folge veröffentlichten Spendernamen veranschaulichen - einige tausend Leserinnen und Leser aus dem gesamten Verbreitungsgebiet dieser Zeitung beigetragen (und einige mutmaßliche Exilfranken aus anderen Regionen). Dass viele von ihnen der Aktion schon seit Jahren und Jahrzehnten die Treue halten, ist vielleicht noch mehr zu würdigen als die blanke Zahl auf Rekordniveau.

Ein kleines i-Tüpfelchen setzten am Ende übrigens Mitarbeiter der Handwerkskammer Nürnberg für Mittelfranken: Weil sie ihre "Freud- und Leidkasse" auflösten, stifteten sie die zuletzt dort noch verwahrten exakt 3446,52 Euro der Weihnachtsaktion.

Wie aber kommt es zu dem angesichts der Corona-Pandemie kaum erwartbaren Erfolg? Wer warum und wieviel spendet, ist kaum zu erfassen. Aber verschiedene Gespräche, Briefe und E-Mails legen, auch wenn sie nicht repräsentativ sind, eine Antwort nahe: Corona bewegt nicht nur die Gemüter, sondern offenkundig auch die Herzen von Leserinnen und Leser. So unterstützten viele die NN-Aktion wieder oder neu - und das womöglich großzügiger als im Vorjahr.

Viele Spenden für das "Bündnis für Kultur"

Ins Gewicht fällt auch ein Corona-bedingter Sonderfaktor: zweckgebundene Spenden für Notleidende aus der Kreativwirtschaft und für das "Bündnis für Kultur". Neben vielen privaten Gaben gingen dafür auch vier- und fünfstellige Beträge von Unternehmen und Vereinigungen ein – gewissermaßen über das "gewöhnliche" Spendenaufkommen für Mitbürger in Not hinaus.

Ein Dreh- und Angelpunkt ist "Corona" freilich auch auf der Seite der Spendenempfänger. Wie ein roter Faden zog sich durch viele Anträge von Sozialdiensten der Hinweis darauf, dass die Klienten ihren Minijob eingebüßt, in Kurzarbeit geschickt oder gar ihre Anstellung komplett verloren haben. Es traf und trifft, wie sich längst herumgesprochen hat, vor allem Menschen in prekärer Beschäftigung, die ohnehin nur schwer über die Runden kommen.

Aktion unterstützte Familien bei der Laptop-Beschaffung

Und weil die staatlichen Hilfen auf sich warten lassen und die Schulen kaum über genügend Leihgeräte verfügen, hat "Freude für alle" einigen hundert Familien bei der Anschaffung von Laptops für das Homeschooling unter die Arme gegriffen. insgesamt konnten bisher im gesamten Verbreitungsgebiet knapp 6400 Haushalte mit - einschließlich der Sammelförderungen über Einrichtungen - insgesamt 2,3 Millionen Euro unterstützt werden.

Von den eingegangenen Spenden waren knapp 176.000 Euro zweckgebunden für die zwischen 14. November und 23. Dezember vorgestellten 34 Einzelschicksale und sozialen Dienste bestimmt. Die Summen wurden für jeden Einzelfall jeweils leicht aufgerundet - schon um noch nachträglich eingehende Beträge mit einzubeziehen.

Unterstützung für Jugendliche

Bei mehreren, beispielhaft aufgegriffenen Schicksalen war es möglich, mehrere Bedürftige mit ähnlichen Problemen mitzuberücksichtigen. So etwa bei der Unterstützung eines Auszubildenden, der in einer ländlichen Region seinen Betrieb kaum mit öffentlichen Verkehrsmitteln erreichen kann. "Freude für alle" verhilft - zumindest finanziell - nicht nur ihm zu einem Führerschein. Sondern mit entsprechend hohen Zuschüssen noch vier weiteren jungen Erwachsene, die das aus unterschiedlichsten Gründen eigener Kraft nicht schaffen könnten und deshalb von Sozialdiensten vorgeschlagen wurden.

Zudem stellt "Freude für alle" im Rahmen der Berichte und Reportagen traditionell auch Einrichtungen wie die Tafeln, die Hängematte oder die Caritas-Straßenambulanz vor. Hier kommen die Spenden letztlich Dutzenden und Hunderten von Klienten zugute. Allein an die Straßenambulanz konnte die Weihnachtsaktion fast 32.000 Euro weiterleiten, große Resonanz fand auch der Aufruf für die Kinder und Jugendlichen im Rückersdorfer Blindeninstitut.

Die angestrebten Ziele wurden, soweit sachlich möglich, in allen vorgestellten Einzelfällen erreicht. Musterbeispiel sind der junge, vom heimtückischen Gasbrand-Erreger getroffene Elektroniker (Fall 12) und die inzwischen 15-jährige Clara (Fall 19). Für beide sind wegen ihrer schweren Behinderung aufwändige Haus- und Wohnungsumbauten erforderlich - deren Finanzierung nun als weitgehend gesichert gelten darf.

"Freude für alle" - und Grenzfälle

Schwerfälliger gestaltet sich die Unterstützung für die Geschädigte von drei schweren Bränden in Großgründlich, Mögeldorf und der Nürnberger Südstadt - schon wegen der Beschaffung der erforderlichen Angaben. Zudem kann die Weihnachtsaktion hier nur begrenzte Ersthilfe leisten, aber fehlende Hausratversicherungen natürlich nicht ersetzen.

Nur stichpunktartig erwähnt seien schließlich einige Nöte, die vielen Bedürftigen als "Dauerbrenner" zu schaffen machen: der Mangel an günstigem wie auch an barrierefreiem Wohnung, Unstimmigkeiten zwischen verschiedenen Leistungsträgern wie Jobcenter, Rentenkasse oder Bafög-Amt und fehlende Unterstützung für wichtige Anschaffungen.

Zu guter Letzt bittet das Aktionsbüro um Nachsicht für manche Panne und Verzögerung. Dank einem Notfonds-Polster können Sozialdienste auch im Jahresverlauf Hilfen in besonderen Krisensituationen beantragen - gerade auch bei von Corona verursachten Nöten.

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