Hoffnung auf Schnee dahin

Überschwemmungen und orkanartige Böen: So ungemütlich wird das Wetter an Weihnachten

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Johanna Mielich

Online-Redaktion

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23.12.2022, 12:53 Uhr
Die Hoffnung auf weiße Weihnachten ist dahin: Der Heiligabend fällt in diesem Jahr in Bayern sprichwörtlich ins Wasser. 

© IMAGO/Michael Gstettenbauer Die Hoffnung auf weiße Weihnachten ist dahin: Der Heiligabend fällt in diesem Jahr in Bayern sprichwörtlich ins Wasser. 

"Wir erwarten grüne Weihnachten in Reinkultur", sagt Meteorologe Andreas Friedrich vom Deutschen Wetterdienst (DWD) am Donnerstag in Offenbach. "Wer Schnee sucht, muss in den Alpen hoch hinaus." Allerdings könnten sich in Vorpommern und Schleswig-Holstein am Heiligabend vorübergehend Schneeflocken unter den Regen mischen, "aber nach einer Schneedecke sieht es dort nicht aus".

Vor Weihnachten bleibt es vielerorts ungemütlich. Der Deutsche Wetterdienst (DWD) warnt vor teils orkanartigen Sturmböen im südlichen Oberbayern und Unwettern im Allgäu ab Freitagnachmittag. Der Dauerregen soll innerhalb von 48 Stunden bis zu 60 Liter Niederschlag pro Quadratmeter im Allgäu und 90 Liter in den Allgäuer Alpen bringen, in Staulagen sogar Mengen bis 140 Liter. Erdrutsche, Hochwasser und Überflutungen von Straßen sind laut DWD mögliche Gefahren des Dauerregens. Für die Alpengipfel erwarten die Meteorologen teils orkanartige Sturmböen, aber auch in den Hochlagen und im Flachland können Böen mit einer Geschwindigkeit von 60 bis 70 Kilometer pro Stunde auftreten.

Auch für unsere Region hat der Deutsche Wetterdienst eine Warnmeldung vor Dauerregen mit bis zu 50 Litern pro Quadratmeter herausgegeben. Diese gilt aktuell bis zum Morgen des Heiligabend.

Betroffen sind folgende Landkreise: Nürnberger Land, Kreis Ansbach, Kreis Forchheim, Kreis Bamberg, Kreis Bayreuth, Kreis Amberg, Kreis Neumarkt, Kreis Wunsiedel, Kreis Lichtenfels, Kreis Tirschenreuth, Kreis Marktredwitz

Am Freitagabend warnt der fränkische Wetter-Experte Stefan Ochs zudem vorübergehend vor starken bis stürmischen Böen. Die Temperaturen bleiben bei um die 10 Grad.

Am ersten und zweiten Weihnachtsfeiertag sollen die Regenschauer zumindest etwas nachlassen und es kühlt etwas ab - Schnee ist laut dem fränkischen Wetterochs aber nicht in Sicht.

"Rückkehr des Winters bleibt erstmal aus"

Laut den aktuellen Prognosen soll es auch nach den Festtagen mit recht ungemütlichem Wetter weitergehen. "Die Temperaturen werden etwas kühler, bleiben aber noch zu mild für diese Jahreszeit", sagt Friedrich. Für die Silvesternacht sagt der Meteorologe tendenziell Temperaturen um die fünf Grad voraus, dazu könne es immer wieder Regen und windiges Wetter geben. Und: "Eine Rückkehr des Winters bleibt erstmal aus."

Weiße Weihnachten - Mythos oder die Regel?

"Früher war es im Winter kälter und an Weihnachten lag fast immer Schnee!" - dieses Narrativ geht rund um die Feiertage häufig um, doch was ist da eigentlich dran? "Weiße Weihnachten sind schlicht ein idyllisches Idealbild. Ein weißes Fest war in Deutschland schon immer die Ausnahme. In der Regel war und ist es bei uns eher grün-grau", betont Björn Goldhausen, Pressesprecher und Meteorologe bei WetterOnline. Ursache dafür sei das sogenannte "Weihnachtstauwetter", das oft für mildes Regenwetter an den Feiertagen sorgt.

"Das Weihnachtstauwetter gehört zu den bedeutendsten Witterungsregelfällen", erklärt Goldhausen weiter. Mit bis zu 60 Prozent Eintreffwahrscheinlichkeit tritt es bemerkenswert häufig nach dem 20. Dezember auf - und das meist zwischen dem 24. und 29. Dezember. Bis in die Hochlagen der Mittelgebirge taut dann der Schnee. Rein statistisch betrachtet lägen die Chancen auf weiße Weihnacht in den meisten Regionen lediglich zwischen 10 und 30 Prozent.

"Die oft gehörte Behauptung, dass die Winter früher immer viel kälter als heute waren, ist falsch und richtig", konstatiert der Meteorologe. Auch zu Großmutters Zeiten gab es milde und fast schneelose Winter. Die Tage voll mit Eis und Schnee würden uns nur viel eindrücklicher in Erinnerung bleiben als milde Winter, konstatiert der Experte. Aber es sei auch richtig, dass es seit den 1990er Jahren weniger Schnee und Eis gibt als zuvor. "Dieser Trend wird sich aufgrund des Klimawandels wohl auch in den nächsten Jahrzehnten fortsetzen", erklärt Goldhausen.