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Ungetrübter Badespaß: Blaualgen-Warnung im Seenland aufgehoben

Badewarnungen aber noch am Obernzenner See und bei Baiersdorf - 11.08.2020 19:20 Uhr

An etlichen Seen müssen jeden Sommer Warnschilder aufgestellt werden, weil im Wasser Blaualgen wachsen. Diese können bei Badenden schwere gesundheitliche Probleme verursachen.

11.08.2020 © Sina Schuldt/dpa


"Aphanizomenon" heißt die Blaualgen-Gattung, die den Touristikern am Altmühlsee gerade die Schweißperlen auf die Stirn treibt. Die landläufig "Blaualgen" genannten Organismen, die eigentlich Cyanobakterien sind, wachsen dort im Sommer nämlich so vortrefflich, dass für das Seezentrum Muhr am See zuletzt eine Badewarnung ausgesprochen werden musste.

Wer bei Blaualgen-Befall ins Wasser geht, sollte unbedingt seinen Kopf über der Oberfläche halten und auf keinen Fall Wasser schlucken. Weil sie öfter größere Mengen Wasser schlucken, sind Kleinkinder und Hunde besonders gefährdet. Wer mit Blaualgen durchsetztes Wasser konsumiert, kann danach an Übelkeit, Erbrechen oder Durchfall leiden. Auch Hautreizungen können auftreten.

Nur noch vereinzelt Blaualgen im Altmühlsee

Blaualgen-Konzentrationen werden in vier Stufen eingeteilt. Ab Stufe drei wird eine Badewarnung ausgesprochen. Sie bedeutet, dass "reichlich" Cyanobakterien gefunden wurden, wie zuletzt in Muhr am See (die vierte Stufe ist gleichbedeutend "massenhaft"). In den beiden anderen Altmühlsee-Seezentren Schlungenhof und Wald wurden nur vereinzelt Blaualgen gefunden (dies entspricht der Stufe zwei). Am Dienstagnachmittag kam nun auch für Muhr am See die Entwarnung: Die aktuelle Messung ergab auch hier nur vereinzelt Blaualgen. Das Baden ist nun laut Gesundheitsamt auch für Kinder unbedenklich.

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"Die Situation kann sich sehr schnell verändern. Deshalb sollte man jedes Gewässer immer ganz genau ansehen, bevor man hineingeht. Blaualgen erkennt man ja sehr gut an der blaugrünen Färbung des Wassers", sagt Dr. Johannes Rank vom Gesundheitsamt in Weißenburg.

"Vor einigen Wochen hat es auch optisch schlimm ausgesehen. Jetzt sieht das Wasser wieder deutlich besser aus", verdeutlicht Daniel Burmann, Geschäftsleiter des Zweckverbandes Altmühlsee. "Wir werden doppelt bestraft: Manche Gäste bleiben wegen der Blaualgen weg, andere weil sie denken, dass es hier völlig überfüllt ist", meint Burmann.

Biergarten und Strand am Altmühlzuleiter

Dabei sind die Parkplätze an den Wochenenden zwar bestens gefüllt, aber nicht komplett belegt wie etwa am Großen Brombachsee. "Hier kann man ein schönes, entspanntes Wochenende verbringen", wirbt Burmann. Eine gute Ausweich-Möglichkeit für Altmühlsee-Besucher seien auch die beiden Freizeitanlagen Gern und Mörsach, die mit Biergarten und Strand an den Altmühlzuleiter locken. "Hier hatten wir noch nie Blaualgen", betont Burmann.

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Den Altmühlsee plagt die Blaualgen-Problematik seit seiner Entstehung. Wegen der häufigen Westwinde trifft es das Seezentrum Schlungenhof am Ostende des Sees besonders oft. Viel wurde schon getan, um die Situation zu verbessern. Tonnenweise Weißfische werden jedes Jahr abgefischt. Seit 2015 entfernen zudem Spezialbagger jedes Jahr etwa 15.000 Kubikmeter nährstoffreicher Sedimente. Bis 2021 sollen zudem endgültig alle Kläranlagen im Einzugsgebiet über eine Phosphat-Fällung verfügen, 14 von 17 tun dies schon jetzt.


Altmühlsee: "Wir werden die Blaualgen nicht los"


Durch all diese Maßnahmen hat sich zumindest die Sichttiefe des Altmühlsees auf knapp einen Meter annähernd verdoppelt. Auch wachsen mittlerweile mehr Unterwasserpflanzen. Doch trotz aller Bemühungen: Die Blaualgen kehren bislang verlässlich immer wieder zurück. "Wir haben aber eben auch zunehmend wärmere und länger anhaltende Hitzeperioden", meint Helga Pfitzinger-Schiele vom Wasserwirtschaftsamt Ansbach.

Großer Brombachsee bislang verschont

Zwar deutlich seltener als am Altmühlsee, aber doch immer wieder gibt es auch am Kleinen Brombachsee Badewarnungen wegen Blaualgen. Am Großen Brombachsee gab es solche Warnungen noch nie - obwohl sich in allen drei Seen letztlich dasselbe Wasser befindet. Dieses wird nämlich bei Hochwasser aus der Altmühl in den Altmühlsee geleitet und gelangt dann über den Altmühlüberleiter in den Kleinen und schließlich auch in den Großen Brombachsee.

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"Die Blaualgen wandern dabei schon auch mit. Aber vor allem durch das viel größere Volumen des Großen Brombachsees können sie sich da kaum vermehren. Durch die Größe gibt es auch einen viel besseren Wasseraustausch innerhalb des Sees", betont Rank.

Während es am Altmühlsee Entwarnung gab, gilt am Obernzenner See (Landkreis Neustadt/Aisch-Bad Windsheim) weiterhin eine Badewarnung wegen Blaualgen. Warnschilder wurden auch an Au- und Angersee bei Baiersdorf (Landkreis Erlangen-Höchstadt) aufgestellt.

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