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Unterstützung für minderjährige Flüchtlinge

02.08.2015 18:39 Uhr

Kinder, die schlimme Erlebnisse verarbeiten müssen, werden auf dem Labenbachhof bei Ruhpolding (Kreis Traunstein), schon seit Ende des vergangenen Weltkriegs betreut. Den Grundstein für diese Arbeit in Oberbayern hat seinerzeit ein Franke gelegt. Der evangelische Landwirt August Wolf aus Bayreuth hat das Anwesen 1927 als Eigentümer übernommen.

Seine Söhne, die den Hof einmal weiterführen sollten, sind im Krieg ums Leben gekommen. Den Hof schenkte der trauernde Vater deshalb den Rummelsberger Anstalten der Inneren Mission, wie der diakonische Konzern damals hieß.

Der Bauer machte zur Auflage, dass dort den vielen geschwächten und teils schwer traumatisierten Kindern im zerstörten Nachkriegsdeutschland geholfen wird. Bis Mitte der 60er kamen sie aus den deutschen Trümmerstädten dorthin. Danach betrieben die Rummelsberger dort weiter ein Freizeitheim.

Vor knapp 15 Jahren kamen wieder Kinder mit Kriegstraumata auf den Labenbachhof, diesmal aus Sarajevo, das im Konflikt auf dem Westbalkan jahrelang belagert war. Die 2003 gegründete Organisation Wings of Hope (www.wings-of-hope.de), eine Stiftung der evangelischen Landeskirche, betreute sie dort intensiv und bildete bosnische Jugendleiter aus. Später kamen irakische, israelische sowie palästinensische Jugendliche hinzu.

„Heilsames Zentrum“

Mittlerweile gibt es ein Traumahilfezentrum mit Aus- und Fortbildungen. Derzeit gehört die intensive Betreuung von unbegleiteten minderjährigen Flüchtlingen zu den Schwerpunkten. Betrieben wird außerdem ein offenes Tagungs- und Freizeithaus.

Jetzt hat Wings of Hope unter großen finanziellen Anstrengungen den lange Zeit wirtschaftlich stark angeschlagenen Labenbachhof von Rummelsberg übernommen. „Wir sehen den Verkauf eindeutig mit zwei lachenden Augen“, freute sich Andrea Heußner, Vorstandsmitglied der Rummelsberger Diakonie, bei einer Feier auf dem Labenbachhof anlässlich der Übergabe, „einen besseren Käufer als Wings of Hope gibt es nicht“. Man habe das Gefühl, dieses „heilsame Zentrum“ bleibe in der Familie. Sie würdigte dabei Peter Klentzan, den Initiator der Arbeit und heutigen Leiter des Traumahilfezentrums der Stiftung. Er habe über Jahre eine „kraftvolle Vision“ verfolgt.

Annekathrin Preidel aus Erlangen, die Präsidentin der evangelischen Landessynode, sprach von einem Ort der Hoffnung und des Seelenheils, dessen Zukunft nun gesichert sei. Von ihm gehe eine starke Wirkung aus. Die Kirche wolle mit dem Projekt einen deutlichen Akzent gegen Gewalt setzen, die oft im Namen von Religionen verübt werde.

mik

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