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Montag, 17.02.2020

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Viel zu viele Autos: Fränkische A6-Brücke ächzt unter Last

Der erste Teil des Doppelbauwerks von 1967 wird ersetzt - 24.01.2020 05:57 Uhr

Auf fast 630 Metern Länge und in bis zu 43 Metern Höhe überquert die A6-Brücke den Talraum bei Unterrieden. Eigentlich besteht das Bauwerk aus zwei Teilbrücken. Von der nördlichen (hier links) sind bereits 70 Meter abgebrochen. © Jan Weisser/Autobahndirektion Nordbayern


Zentimeter für Zentimeter knabbert der Abrissbagger von der gewaltigen Autobahnbrücke ab, die sich fast 630 Meter weit über den Talraum bei Unterrieden (Landkreis Nürnberger Land) spannt. Langsam arbeitet er sich rückwärts voran, lässt Betonbrocken für Betonbrocken in die riesige stählerne Wanne fallen, die unter der Fahrbahn der A6 aufgehängt wurde.

70 Meter hat er schon geschafft in Richtung Amberg, doch bis die insgesamt 13.500 Tonnen Kubikmeter Beton und die rund 3000 Tonnen Stahl komplett abgetragen sind, wird es noch lange dauern.

Sprengung der A6-Brücke zu riskant

"Bei einer Sprengung der kompletten Brücke wäre das Risiko nicht abschätzbar gewesen", erklärt Tobias Bäumler, Leiter der Dienststelle Fürth der Autobahndirektion Nordbayern, weshalb man die Brücke nur nach und nach abreißen kann.

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Die knapp 630 Meter lange und fast 50 Meter hohe Talbrücke Unterrieden an der A6 bei Altdorf ist eines der gewaltigsten Brückenbauwerke der Region. Bei der Einweihung 1967 rechnete man nicht mit den heutigen Verkehrsmassen, weshalb der Koloss abgerissen und neu gebaut werden muss. Beeindruckende Bilder zeigen die historische Brücke, den beginnenden Abriss und die Zukunftsvision für das Bauwerk.


Das besondere Problem ist nämlich: Eigentlich sind es zwei Brücken. Auf der südlichen befinden sich die beiden Fahrspuren in Richtung Amberg, auf der nördlichen die zwei Streifen in Richtung Nürnberg. Zwischen den Bauwerken befindet sich ein nur fünf Zentimeter breiter Spalt.

"Da hätte bei der Sprengung dieser 627 Meter langen und fast 50 Meter hohen Brücke, die auch noch in einer Kurve verläuft, wirklich alles ganz exakt passen müssen, die Brücke hätte senkrecht nach unten fallen müssen", sagt Bäumler. Auch die gewaltigen Erschütterungen hätten ein großes Risiko für die zweite Brücke bedeutet.

Und die braucht man dringend: Während momentan die nördliche Brücke abgerissen wird, läuft der gesamte Verkehr auf der A6 an dieser Stelle auf dem südlichen Bauwerk. "Deshalb konnten wir die Brücken natürlich auch nicht bis zum Vollverschleiß runterfahren. Schließlich muss die Brücke diesen Verkehr während der Bauzeit noch aushalten", verdeutlicht Bäumler.

Verkehr hat sich auf A6-Brücke vervierfacht

Als die 1967 fertiggestellte Brücke gebaut wurde, ahnte man noch nicht, welche Blechlawinen hier einst in Richtung Tschechien rollen würden. Noch im Jahr 1978 passierten gerade mal 8000 Fahrzeuge am Tag das mächtige Bauwerk, 2018 waren es mit 35.000 mehr als viermal so viele, Tendenz weiter leicht steigend. Außerdem ist der Lkw-Anteil mit fast 30 Prozent enorm. 

So soll die neue Brücke aussehen: Sie hat hat nur noch zehn statt zuvor 15 Pfeiler und soll deutlich filigraner und schlanker wirken. © Leonhardt, Andrä und Partner


Ewig wäre das auf der dafür nicht ausgelegten Brücke nicht gutgegangen. Dazu kommt: In den 1960ern wurde ein Spannstahl verbaut, der unter Belastung zu Rissen neigt. Die südliche Brücke, die bis zur Fertigstellung der neuen Nord-Brücke den doppelten Verkehr tragen muss, wird deshalb momentan auf der kompletten Länge mit Lasertechnik auf Verformungen überwacht.

"Bisher gibt es keine Risse. Wenn welche auftauchen würden, müsste man aber auch nicht gleich die Brücke sperren. Dann könnte man zum Beispiel den Verkehr in jede Richtung einspurig machen oder Abstandsregelungen für Lkw einführen", sagt Bäumler.


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Noch ist nicht sicher, ob man bis Ende des Jahres mit dem Abriss der kompletten Nord-Brücke fertig wird. Doch bereits während sich der Abrissbagger weiter in Richtung Amberg vorarbeitet, soll der Bau der neuen Brücke am Nürnberger Ende begonnen werden.

Pfeiler sollen filigraner werden

Dort soll schon bald die als "Taktkeller" bezeichnete Fertigungsstätte eingerichtet werden, in der die einzelnen Brückenabschnitte nach und nach entstehen und dann ab Herbst im Taktschiebeverfahren über die schon vorher hochgezogenen ersten Pfeiler eingeschoben werden.

Überhaupt: die Pfeiler. Momentan sind das 15 klobige Stützen, etwa 40 Meter voneinander entfernt. Innen sind sie hohl. Durch eine Stahltür gelangt man ins Innere und kann dann über eine Leiter bis ganz nach oben klettern.

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Lange hatte die A6 nur untergeordnete Bedeutung. Bis 1973 endete sie noch in Schwabach, erst 1979 war sie durchgängig bis Heilbronn ausgebaut. Die Lkw-Kolonnen rollten aber erst in den 1990ern mit dem Ende des Eisernen Vorhang, seitdem nimmt der Verkehr stetig zu.


Künftig wird es nur noch zehn, 60 Meter voneinander entfernte Pfeiler geben. "Sie sind innen nicht mehr hohl, sondern massiv, weshalb man sie deutlich filigraner bauen kann. Die Brücke wird sehr viel schlanker aussehen", meint Bäumler.

Die kleineren der alten Pfeiler werden von Baggern abgerissen. Die zehn Pfeiler, die mehr als 30 Meter hoch sind, wollte man ursprünglich sprengen. "Das ist sehr gut kontrollierbar. Ganz anders, als wenn man die ganze Brücke sprengen würde", betont Bäumler. Trotzdem überlegt man nun, ob auch diese Pfeiler mit einem Bagger abgetragen werden können.

Ende 2021 soll die neue, dann 652 Meter lange nördliche Brücke fertig sein und den kompletten A6-Verkehr an dieser Stelle aufnehmen. Bei der südlichen Brücke wiederholt sich anschließend das Spiel: Sie wird abgerissen und nach demselben Prinzip von einem Neubau ersetzt. Ende 2024 soll das gesamte, 85 Millionen Euro teure Projekt beendet sein.

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