Bayern will an Maßnahmen festhalten

Virologe über Masken und Tests an Schulen: "Sinn für Realität verloren"

Tobi Lang
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21.2.2022, 08:12 Uhr
In Mecklenburg-Vorpommern müssen Schüler ab Anfang März keine Masken mehr im Unterricht tragen. Bayern wird an der Pflicht wohl festhalten. 

© Hans-Joachim Winckler, NN In Mecklenburg-Vorpommern müssen Schüler ab Anfang März keine Masken mehr im Unterricht tragen. Bayern wird an der Pflicht wohl festhalten. 

Über Sinn und Unsinn, sagt Klaus Stöhr, werde am Ziel entschieden. Das sei auch bei Pandemiemaßnahmen nicht anders. "Wer glaubt, die natürliche Infektion bei Kindern verhindern zu können, hat den Sinn für die Realität verloren", sagt der Virologe. "Denn die wird kommen." Auch strikte Maskenpflicht und ein strenges Testregime an den Schulen änderten daran nichts. "Durch das zeitliche Verschieben nimmt man nur den zusätzlichen Druck der Kinder in Kauf."

Damit stimmt der Virologe im Gespräch mit unserer Redaktion in den Tenor von gleich vier Fachgesellschaften ein. Unter anderem der Berufsverband der Kinder- und Jugendärzte forderte in einem Appell ein Ende der anlasslosen Massentests in den Schulen, auch die Maskenpflicht sei überholt. Sie leiste "keinen erkennbaren Beitrag zur Eindämmung der Pandemie", sagen die Experten.

Virologe: "Endergebnis der Infektionen bleibt gleich"

Auch der Virologe Stöhr sieht das so. "Masken und Tests in Schulen und Kindergärten ändern nichts an der finalen Krankheitslast, die die Kinder bis zum Ende der Pandemie tragen müssen", sagt er. "Das Endergebnis der Infektionen, der schweren Verläufe und auch der Menschen auf den Intensivstationen bleibt gleich." Das Ziel, Ansteckungen zu verhindern, sei vielleicht nobel - aber eben auch illusorisch.

Die Staatsregierung sieht das anders. Erste Bundesländer haben die Maskenpflicht zumindest im Klassenzimmer abgeschafft. Der Freistaat plant das nicht. Man wolle "dauerhaften Präsenzunterricht" mit "größtmöglicher Sicherheit und Planbarkeit", sagt ein Sprecher des Gesundheitsministeriums auf Anfrage. Mit den Maßnahmen "können Infektionsketten unterbrochen, eine weitere Verbreitung des Virus verhindert und letztlich der Schulbetrieb gesichert werden". Die Regierung prüfe permanent, ob Regeln weiter erforderlich seien. Zu Tests und Masken, heißt es, gebe es aktuell aber keine Alternativen.

Stöhr widerspricht. "Der ZeroCovid-Gedanke für die Kinder in der Schule ist genauso wie in der restlichen Bevölkerung zero-realistisch und ein Zeichen der grottenschlechten Krisenkommunikation der Bundesregierung", sagt der Virologe.

Was Stöhr und die Staatsregierung zur Gefahr der Durchseuchung, dem Nutzen der Impfung für junge Kinder und konkreten Maßnahmen sagen, lesen Sie in unserer Bezahlversion des Artikels:

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