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Center-Parcs-Kritiker nach Bürgerentscheid: So geht es nun weiter

31.5.2021, 14:04 Uhr
4000 Gäste sind zu viel: Diese Meinung vertritt offensichtlich die Mehrheit der Pfofelder, wie der Bürgerentscheid gezeigt hat. Die Kritiker des Projekts wollen nun nicht in Häme verfallen, sondern konstruktiv mitarbeiten, wie es in Langlau weitergehen kann.

4000 Gäste sind zu viel: Diese Meinung vertritt offensichtlich die Mehrheit der Pfofelder, wie der Bürgerentscheid gezeigt hat. Die Kritiker des Projekts wollen nun nicht in Häme verfallen, sondern konstruktiv mitarbeiten, wie es in Langlau weitergehen kann. © Foto: Uwe Mühling

Sie haben monatelang gekämpft, demonstriert, debattiert und gehofft, nun ist die Überraschung dennoch groß bei den Gegnern der Center-Parcs-Ansiedlung. "Ich war mir sicher, dass es eng wird, aber ich dachte, dass es zugunsten der Befürworter ausgeht", erklärt Felix Goldhorn, Kreisrat für Die Linke und engagiertes Mitglied der Bürgerinitiative (BI) "Seenland in Bürgerhand".


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Am Tag nach dem Bürgerentscheid glaubt er zu wissen, was das Projekt letztlich zu Fall gebracht hat: "Die Unterstützer waren sich ihrer Sache sehr sicher, sind in den vergangenen Wochen zu sehr vorgeprescht."

Vor allem, dass verantwortliche Politiker wie Bürgermeister Huber und Landrat Westphal in den Werbebroschüren des Ferienparks auftauchten, stellte aus Goldhorns Sicht einen Wendepunkt dar. "Das ist von einigen sehr schlecht aufgenommen worden."

BI-Vorstand Johannes Riedl führt das Abstimmungsergebnis auch auf die stundenlange und unermüdliche Arbeit der Bürgerinitiative zurück. "Ohne uns wären viele kritische Fragen vielleicht gar nicht gestellt worden." Bei der BI geht man nun davon aus, dass Center Parcs sein Versprechen einlöst und sich aus dem Projekt zurückzieht.

Schadenfreude oder Siegestaumel?

Erledigt ist das Thema damit für die Ehrenamtlichen aber nicht. "Als Verein wollen wir aber trotzdem weiterhin bestehen, schließlich stellt sich jetzt die Frage: Wie geht‘s weiter? Gemeinsam mit dem Landkreis und den Tourismusvertretern würden wir hier gerne die Zukunft gestalten", erklärt Riedl.


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Das steht auch für Karl-Heinz Schork vom Bund Naturschutz im Landkreis fest. "Von meiner Seite aus gibt es weder Schadenfreude noch Siegestaumel", erklärt er. Freilich sei er froh über das Abstimmungsergebnis und die Rettung des Muna-Waldes. Dass dieser wertvoll sei, habe schließlich auch Center Parcs selbst in seinem Gutachten erkannt, so Schork.

So sieht der Masterplan von Center Parcs aus: Die Bebauung konzentriert sich im Zentrum des Muna-Geländes, ein großes Areal im Nordosten bleibt unangetastet, weitere geschützte Gebiete liegen im Süden und westlich des kleinen Sees.

So sieht der Masterplan von Center Parcs aus: Die Bebauung konzentriert sich im Zentrum des Muna-Geländes, ein großes Areal im Nordosten bleibt unangetastet, weitere geschützte Gebiete liegen im Süden und westlich des kleinen Sees. © Center Parcs

Aber nun gehe es darum, Ideen und Konzepte für das Gelände zu entwickeln, natürlich gemeinsam mit den Touristikern. Ein Waldschulungszentrum etwa hält der Umweltschützer für möglich. "Ich habe da einiges schon in der Schublade, aber solche Vorschläge wollte in den vergangenen Wochen und Monaten keiner hören."

Er hoffe, dass Center Parcs wie angekündigt das Votum der Pfofelder Bürger akzeptiert und in der Region erst einmal Ruhe einkehrt. Denn noch ärgert er sich über das "Nachtreten" einiger enttäuschter Befürworter. Und freilich seien auch vonseiten einiger Center-Parcs-Kritiker im Internet Kommentare abgelassen worden", "hinter denen wir nicht stehen", räumt Schork ein.

Sobald sich die Gemüter beruhigt haben, möchte sich der Bund Naturschutz "ganz nüchtern und entspannt" der Diskussion über die Zukunft der Muna und der touristischen Weiterentwicklung im Landkreis stellen. "Wir hatten ja nichts gegen Center Parcs", sagt Schork. "Sondern es ging um die Frage, ob das hier, in dieser Dimension, der richtige Platz dafür ist."


Center-Parcs-Vertreter wollen Projekt erneut vorlegen


Auch die Grünen im Landkreis sind vom Ergebnis der Abstimmung am Sonntagabend "angenehm überrascht" worden, erklärt Kreissprecher Winfried Kucher. Er vermutet, dass die Bürgerinnen und Bürger letzten Endes doch für die Themen
Walderhalt, Klima- und Umweltschutz sensibilisiert werden konnten. Zudem seien einige Unklarheiten – etwa in Bezug auf die Verkehrserschließung – dann wohl das Zünglein an der Waage gewesen.

Nun müsse man sich aber die Fragen stellen: Wie geht es weiter? Was macht Center Parcs? Hier sollten sich die Gemeinde Pfofeld und der Landkreis gemeinsam mit der Bima um eine Lösung bemühen, findet Kucher. "Da gibt‘s durchaus Optionen." Den Grünen ist bewusst, dass es im Fränkischen Seenland Probleme gibt. Man müsse sich deshalb nun unabhängig von Center Parcs zusammensetzen und Konzepte entwickeln. "Und ich hoffe, dass das Miteinander sich wieder normalisiert und die ganze Region wieder zueinander findet."

Reinhard Ebert, Kreisrat und Kreisvorsitzender der ÖDP, sieht in dem Abstimmungsergebnis der Pfofelder eine "Trendwende" in Bezug auf Natur- und Umweltschutz und führt als weitere Beispiele den Treuchtlinger Wasserstreit und die Umgehung bei Schlungenhof an.

"Die Menschen erkennen, dass naturzerstörerische Großprojekte es vielleicht nicht wert sind", glaubt er. Auch die mangelnde Kommunikation seitens der Politik könnte ausschlaggebend gewesen sein. "Man kann Politik heute nicht mehr so machen, man muss ehrlich und offen sein von Anfang an."

"Der Ball liegt im Feld"

In den Kreistag will er nun einen entsprechenden Antrag einbringen, das Muna-Gelände für Ausgleichsflächen herzunehmen, bevorzugt für Bauvorhaben von Gemeinden aus dem Landkreis. "Wir wollen, dass der Wald so erhalten bleibt, wie er ist." In jedem Fall muss eine Diskussion her, findet Ebert: "Der Ball liegt im Feld."


Die vertane Chance im Seenland


Angestoßen wurde der Ball nun gestern Mittag unerwarteterweise erneut von Center Parcs. Projektleiter Jan Janssen verkündete gegenüber unserer Zeitung, das Abstimmungsergebnis sei noch nicht das endgültige Aus.

Linken-Kreisrat und BI-Mitglied Felix Goldhorn meldete sich daraufhin umgehend noch einmal zu Wort: "Ich hatte Herrn Janssen vor zwei Wochen beim Bezirkstag als Lügner bezeichnet. Das möchte ich nun höchst offiziell noch einmal bestätigen."

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