Ex-Club-Profi ist involviert

Dauerelend "Wohnpark am Fränkischen Meer": Das große Schweigen in Pleinfeld

6.8.2021, 16:35 Uhr
Wohnpark am Fränkischen Meer: Seit 2015 hat sich bei dem Immobilienprojekt des Ex-Club-Profi Timmy Simons nichts mehr getan. Jetzt laufen mal wieder Verhandlungen, um die peinliche Dauerbaustelle aus der Welt zu schaffen.

Wohnpark am Fränkischen Meer: Seit 2015 hat sich bei dem Immobilienprojekt des Ex-Club-Profi Timmy Simons nichts mehr getan. Jetzt laufen mal wieder Verhandlungen, um die peinliche Dauerbaustelle aus der Welt zu schaffen. © Jan Stephan, NN

Die Gegenwart schaut weniger luxuriös aus. Ein Musterhaus und zwei halbfertige Bauruinen sind das Ergebnis der großen Ambitionen. Diese Baustellenromantik begrüßt seit sechs Jahren die Urlauber, die von Norden her in die Gemeinde fahren. Mindestens ebenso lang dauert die Geschichte der gescheiterten Verhandlungs- und Rettungsmissionen.

Unter dem zurückgetretenen Bürgermeister Markus Dirsch (CSU) soll man einmal knapp vor einer Einigung gewesen sein, berichten Insider. Dann aber scheiterte der Deal an Kleinigkeiten. Der Bürgermeister ging zurück ins Rathaus und der ehemalige Club-Profi Timmy Simons, der als Investor hinter dem Immobilienprojekt steht, rauschte verärgert ab.

Bürgermeister bleibt vage

Es folgte Bürgermeister-Rücktritt, Neuwahl, Antritt von Stefan Frühwald (CSU) und dann Corona . . . Das Ergebnis: Die Ruinen stehen immer noch und sind den Pleinfeldern ein Dorn im Auge. Das wird langsam auch für den neuen Bürgermeister ein Problem, hatte der im Wahlkampf doch betont, dass eine Lösung im Wohnpark-Projekt für ihn höchste Priorität habe. Das ist nun aber auch bereits mehr als zwei Jahre her. Auf Anfrage unserer Zeitung äußert er sich ebenso knapp wie vage zu dem Projekt.

Einzig, dass man mit Simons verhandle, bestätigt Frühwald. Ansonsten heißt es oft: „Hierzu kann keine Aussage getroffen werden. Verhandlungen werden in viele Richtungen geführt.“ Sehr zielführend klingt das nicht. Vergleichsweise ausführlich ist lediglich die Auskunft, dass der Bürgermeister bei Grundstücksverhandlungen lediglich ausführendes Organ des Gemeinderats ist und dessen Beschlüsse vollzieht.

Eine Argumentation, die inhaltlich nicht falsch ist, aber ein ziemlich bescheidenes Amtsverständnis zur Grundlage hat. So hört man Rathauschefs eher selten von der Verantwortlichkeit des Gemeinderats schwärmen, wenn es in Immobiliengeschäften Erfolge zu feiern gilt.

Zielgerade oder Startblock?

Ob man in puncto Wohnpark demnächst mal in die Gefahr eines Verhandlungserfolgs kommt, ist fraglich. Die Beurteilung des Verhandlungsstands hängt ganz davon ab, mit wem man in Pleinfeld spricht. Die einen reden von Zielgeraden, die anderen fürchten, dass man eigentlich gerade erst aus dem Startblock gestolpert ist.

Immerhin, worüber verhandelt wird, scheint klar, auch wenn das der Bürgermeister auf Nachfrage nicht bestätigen will. Die Marktgemeinde will die seit fast zehn Jahren brach liegenden Flächen zurückkaufen und dort ein eigenes Wohngebiet entwickeln. Damit würde man sich Applaus bei den Pleinfeldern sichern. Denn auch in der Rezatgemeinde mit kurzem Weg nach Nürnberg und guter Bahnanbindung sind Bauplätze Mangelware.

Wenig verwunderlich, dass nahezu alle Parteien im Pleinfelder Wahlkampf in der ein oder anderen Variante diesen Plan im Programm stehen hatten. Das Problem ist nur, man hat die Dinge nicht komplett in der Hand. Denn Simons strebt einen Deal an. Er will gerne größere Teile der Fläche an die Gemeinde abgeben, allerdings unter Bedingungen.

Simons hat Bedingungen

Die Variablen sind: 1. der Preis für den Quadratmeter, 2. Simons hätte gerne einen Teil der Fläche behalten, um eine neue Planung in kleinerem Umfang umzusetzen. Mit der will der ehemalige Club-Profi versuchen, mit so wenig Minus wie möglich aus dem Pleinfeld-Abenteuer herauszukommen. Ein paar Blöcke mit Eigentumswohnungen könnten beim aktuellen Immobilienmarkt das passende Trostpflaster sein.

Die Interessensfelder sind soweit abgesteckt, aber die Einigung lässt auf sich warten. Es ist ein bisschen wie High Noon samt der Frage: Wer zieht als Erster? Und einer muss es tun, denn weder die Gemeinde noch Simons können ihre Probleme ohne die andere Seite lösen. Dem früheren Mittelfeldspieler gehört der Grund, den die Gemeinde bebauen will, aber er kann damit nichts anfangen. Weil er seinen Wohnpark nicht in der vereinbarten Zeit fertigstellte, wurde der Bebauungsplan ungültig.

Im Grunde gehören Simons damit ein paar erschlossene Wiesen. Ohne die Hilfe der Gemeinde kann er dort vor allem Schafzucht betreiben. Die Gemeinde hat zwar den Hebel des Baurechts in der Hand, der aus Wiesen wieder Baugrundstücke machen kann, aber kommt ohne die Zustimmung von Simons nicht an die Flächen heran. Ohne Kompromiss werden beide nicht bekommen, was sie wollen.

Exitplan Rückfallklausel

Wobei die Gemeinde noch einen Exitplan hat. Stichwort Rückfallklausel. Die war ursprünglich vereinbart worden, um genau das zu verhindern, was nun passiert ist. Sollte Simons Pläne nicht im vorgesehenen Zeitraum zu Ende gebracht werden, sollte die Fläche zurück an die Gemeinde gehen. Allerdings traut man im Pleinfelder Rathaus wohl der eigenen Klausel nicht so recht. Es gebe da immer Spielraum für Interpretationen, heißt es. Und auf ein mehrjähriges Gerichtsverfahren mit unklarem Ausgang freut sich auch im Gemeinderat keiner so richtig.

Die Verhandlungslösung hat Priorität, aber das sagt man nun auch schon seit mehreren Jahren. Ohne dass man öffentlich den Eindruck macht, es gäbe nennenswerte Fortschritte. Ist es am Ende also auch eine Frage der Ausdauer der beiden Verhandlungsseiten? Das wäre schlecht für Pleinfeld. Simons galt als Profifußballer als Laufwunder und spielte bis zu seinem 40. Lebensjahr. Ein Problem mit mangelnder Ausdauer hat dem Belgier noch keiner nachgesagt.

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