Denkmalprämierung 2020: Das sind die Preisträger aus dem Landkreis Weißenburg-Gunzenhausen

17.3.2020, 13:30 Uhr
Am ehemaligen Benediktinerkloster Heidenheim konnte 2019 ein großangelegtes Sanierungs- und Wiederbelebungsprojekt abgeschlossen werden. 752 wurde dieses „fränkische Urkloster“ vom angelsächsischen Missionar Wunibald – dem Bruder von Walburga und Willibald – gegründet. Es gilt als Keimzelle der Christianisierung Mittelfrankens. Über das Aussehen des Ursprungsbaus ist nichts überliefert. Das Münster wurde erst ab 1185 erbaut. 
Die vierflügelige Anlage entstand in den 1480er Jahren. Doch schon wenige Jahrzehnte später schien das Kloster nicht nur wirtschaftlich im Niedergang gewesen zu sein. Sein Ende besiegelte der Übertritt des Ansbacher Markgrafen zur Reformation, in dessen Besitz die Liegenschaft anschließend überging. Ihr heutiges Erscheinungsbild verdankt sich Umbauten im 17. und 18. Jahrhundert, als West- und Ostflügel zu Ansbacher Amtshäusern umgewidmet wurden. Seit bayerischer Zeit wurde die Anlage als Amtsgericht, Finanzamt oder Postamt genutzt. Ab etwa 1960 waren Wohnungen hier untergebracht. Text: Julia Krieger
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Heidenheim, Ringstraße 8: Kloster Heidenheim

© Julia Krieger

2004 ging ein Aufschrei durch die Region, als der Freistaat Bayern als bisheriger Eigentümer das sanierungsbedürftige Denkmal verkaufen wollte. Daraufhin haben sich verschiedene Menschen und Institutionen zusammengefunden, um gemeinsam einen Plan zu erarbeiten, wie das Gebäude in öffentlicher Hand gehalten und ihm eine sinnvolle Nutzung gegeben werden kann. Ihre Überlegungen mündeten 2006 in der Gründung eines Zweckverbands, dessen Ziel es war, das Bauwerk instandzusetzen und ein geistliches wie kulturelles Begegnungszentrum auf ökumenischer Basis einzurichten. Bis dieser Zweckverband 2015 die Klosteranlage in Erbpacht übernehmen konnte, waren intensive Überlegungen und lange Verhandlungen voraus gegangen. 2017 konnten die Arbeiten starten. 
Die Sanierung des West- und von Teilen des Nordflügels geschah äußerst substanzschonend und genügt höchsten denkmalpflegerischen Ansprüchen. Herauszuheben aus der kaum zu überblickenden Fülle der Einzelmaßnahmen sind archäologische und restauratorische Voruntersuchungen, die Instandsetzung des riesigen, dreistöckigen Dachstuhls, der zum Teil noch aus dem 15. Jahrhundert stammt. Wichtig fürs attraktive Erscheinungsbild waren außerdem die Erneuerung der zahlreichen Holzfenster mit Bleisprossen und die Restaurierung der gotischen Spitzbogenfenster. Im Inneren musste man zunächst Bausünden aus den 1960er/70er Jahren zurücknehmen, um die wertvollen historischen Oberflächen aufarbeiten zu können. Während im Erdgeschoss der gotische und barockzeitliche Bestand jetzt wieder prägend ist, wurden die Obergeschossräume, in denen kaum noch Bauzeitliches überliefert war, modern renoviert. Im Erdgeschoss fanden ein Klosterladen und ein Museum Platz, darüber hat man ansprechende Tagungs- und Begegnungsräume eingerichtet. Text: Julia Krieger
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Heidenheim, Ringstraße 8: Kloster Heidenheim

© Julia Krieger

Finanziert wurde die Maßnahme gemeinsam vom Zweckverband und dem Freistaat Bayern. Für alle Beteiligten war es ein großer Kraftakt, die nötigen Mittel aufzubringen bzw. einzuwerben. Unverzichtbare Unterstützung leistete dabei ein Freundeskreis, der nicht nur nennenswerte Spendensummen aquirieren konnte, sondern auch viel Eigenleistung während der Sanierungsphase einbrachte. Er unterstützt den Zweckverband auch bei der aktuellen und zukünftigen Aufgabe, den Betrieb am Laufen zu halten und ihn bekannt zu machen. 
Dadurch, dass die Verantwortlichen ihr Ziel über Jahre hinweg unbeirrbar verfolgt haben und dank des wohlwollenden Zusammenwirkens unterschiedlichster Beteiligter konnte ein ehrgeiziges Projekt erfolgreich verwirklicht werden. Ein in baulicher wie historischer Hinsicht überörtlich bedeutsames Denkmal wurde dabei vorbildlich ertüchtigt und wieder mit Leben erfüllt. Text: Julia Krieger
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Heidenheim, Ringstraße 8: Kloster Heidenheim

© Julia Krieger

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