Dienstag, 10.12.2019

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Ein Weißenburger in der weiten Schauspielwelt

Julian Haberler spielt in prominenten Filmen mit, aber muss trotzdem um sein Auskommen kämpfen - 13.11.2019 09:37 Uhr

In einem Polizeiruf 110 war Julian Haberler zur besten Sendezeit am Sonntagabend in der ARD zu sehen. Als Tatverdächtiger wurde er in die JVA gebracht. Seine Agentur sieht in Julian Felix (so sein Künstlername) einen Schauspieler, der sowohl Sympathieträger als auch aggressive Charaktere spielen kann. Foto: BR/ X Filme Creative Pool Entertainment GmbH/ Hagen Keller © BR/X Filme Creative Pool Entertainment GmbH/Hagen Keller


Julian Haberler aus Weißenburg spielt in dem aktuellen Kinohit Das perfekte Geheimnis in einer Nebenrolle mit. In den Hauptrollen: Elyas M'Barek, Karoline Herfurth, Florian David Fitz, Frederick Lau, Jella Haase, Wotan Wilke Möhring und Jessica Schwarz. Die Namen sprechen für sich. Im Film geht es um ein Spiel: Jeder legt sein Handy auf den Tisch und für die Dauer des Abendessens wird jede Nachricht vorgelesen und jeder Anruf auf Lautsprecher gestellt. Dabei werden die Beziehungen der Freunde auf die Probe gestellt.

Wir erreichen Julian Haberler per Videoanruf in Brasilien. Urlaub mit seiner Freundin, Brasilianerin. Weißes Tanktop, Kette, kurze Haare. Die Mähne ist ab. „Sommerschnitt“, sagt er und grinst keck. In dem Kinofilm von Regisseur Bora Dagtekin (Türkisch für Anfänger, Fack ju Göhte) spielt er in der Einstiegsszene einen Sanitäter. Ende März wurde die Szene in Geretsried im Landkreis Bad Tölz-Wolfratshausen gedreht. „Die Szene war in zwei Stunden abgedreht. Es war kurz vor der Dämmerung, also mussten wir draufhauen“, erzählt der 27-Jährige.

Mit den Hauptdarstellern hatte er da nichts zu tun. „Die waren ziemlich am Ende nach dem ganzen Drehen.“ Dafür lernte er sie auf der Abschlussfeier kennen. Kurze Abfrage: Florian David Fitz? „Super entspannt.“ Regisseur Bora Dagtekin? „Brennt für seine Filme.“ Und Wotan Wilke Möhring? „Quatscht frei Schnauze drauf los.“ Den Film hat Haberler noch nicht gesehen. Zur Premiere konnte er nicht. Und: Er sieht sich dann selbst reden und spielen. „Oft denke ich mir, das hätte ich anders machen können.“ Wie wird man Schauspieler? Diese Frage tippte Haberler 2012 in die Suchmaschine. Nach seinem Abitur 2011 studiert er Englisch und Kommunikationswissenschaften in München, bricht nach zwei Semestern ab. „Ich habe nicht gewusst, dass man Schauspiel studieren kann. Ich dachte, entweder man wird von der Straße weggecastet oder die Eltern sind im Business.“ Er bewirbt sich an der berühmten Otto-Falkenberg-Schule. „Das Casting fühlt sich an wie bei DSDS. Du machst deine Monologe und dann heißt es: weiter oder nicht weiter.“ Als er seinen selbst geschriebenen Monolog vorträgt, hört er, wie ein Jury-Mitglied flüstert: „Das ist ja furchtbar.“ Zum Schluss singt er „I‘ll be there for you“ von Bon Jovi. Dabei hätte er eigentlich ein bayerisches Kinderlied vorsingen sollen. Als Theaterregisseurin Sigrid Herzog ihn das fragt, sagt Haberler: „Das kann ich nicht. Ich komm‘ aus Franken.“ Endlich auf der Falkenberg-Schule macht er erst einmal viel Quatsch. Was aber nicht an ihm liegt. Einmal müssen die Studenten mit Löchern in der Wand reden. „Du sollst deine Hemmungen verlieren, um auf der Bühne so frei wie möglich zu sein.“ Eine Schauspielschule sei ein „emotionales Bootcamp“.

Hauptrolle in Australien

Mit dem Abschluss ist Haberler diplomierter Schauspieler. 2017 spielt er unter anderem in der ARD Serie In aller Freundschaft und im Polizeiruf 110. 2018 geht er nach Australien, macht dort Oper, Kurzfilme und Musical. Als er sich schon zum Surfen verabschiedet hat, kommt ein Anruf. Zweite Hauptrolle in einem Weltkriegsfilm. Mit dabei: FX-Leute und Stuntmänner, die schon Mission Impossible drehten. In Between two Lines spielt er einen jüdisch-deutschen Soldaten, der sich im Schützengraben mit einem Aborigine verbrüdert.

Julian Haberler, Künstlername Julian Felix. © Laura Orrell


Nach Australien bewirbt sich Haberler an fast allen staatlichen Theatern in Deutschland. „Leider hat da vieles nicht geklappt.“ Er beschließt, Psychologie in Würzburg zu studieren und als freier Schauspieler weiterzuarbeiten. Psychologie hat ihn schon immer gereizt. „Das liegt nicht weit auseinander. Als Schauspieler versetzt man sich in eine andere Person.“ Als freier Schauspieler ist er darauf angewiesen, dass er Drehtage bekommt. „Du kannst aber nicht nur auf diese Anrufe warten. Das wäre Wahnsinn.“ Deshalb unterrichtet er Schauspiel und Gitarre, arbeitet in Bars, gibt Nachhilfe.

2019 drehte er eine Episode von Hubert ohne Staller mit Christian Tramitz. „Den kenne ich, seit ich als kleines Kind Der Schuh des Manitu gesehen habe. Und dann stehst du da und drehst mit ihm“, erzählt Haberler, immer noch begeistert.

Wie kommt er an solche Rollen? Beispiel Das perfekte Geheimnis : Casterin Daniela Tolkien stellt eine Anfrage an Agentin Katharina Wonneberger von der Firma „Actors Manangement“. Haberler hat an dem Termin Zeit, er sagt zu.

Wonneberger präsentiert ihre Schauspieler auf ihrer Homepage. Den Namen „Haberler“ sucht man dort aber vergeblich. Julian Haberler hat einen Künstlernamen: Julian Felix, sein zweiter Vorname. „Haberler ist nicht so gut auszusprechen und verweist auf einen süddeutschen Hintergrund und damit auf einen Lokalkolorit, den er eigentlich gar nicht hat“, erklärt seine Agentin. Als „Julian Felix“ sei er für viele Rollen denkbar. Er spricht akzentfrei Englisch und istambivalent in seinen Rollen. „Er kann Sympathieträger spielen, wird aber auch oft als Schläger oder aggressiver Charakter besetzt“, erzählt Wonneberger. Der Grund: Seine maskuline Ausstrahlung. „Julian ist sehr athletisch, kraftvoll. Er ist ein kerniger Typ.“

Am Set von „Hubert und Staller“: Dass sich Julian Haberler mit seinem Kindheitsidol Christian Tramitz (links) ablichten ließ, versteht sich von selbst. © Privat


Ein Anruf bei dem Mann, der Julian Haberler zum Theater brachte. Auch wenn er selbst das nie so sagen würde. „Das ist nicht mein Verdienst, das liegt in der Sache“, sagt Jan Cumme (46). Der Deutsch- und Geschichtslehrer betreut die Theatergruppe des Werner-von-Siemens Gymnasiums in Weißenburg. 2010 spielte die Gruppe „Penthesilea“ von Heinrich von Kleist. In der Hauptrolle: Julian Haberler als Achill. „Er hat den griechischen Helden mit jugendlichem Testosteron gespielt“, erinnert sich Cumme. Er beschreibt seinen ehemaligen Schüler als „originellen, charismatischen Typ“. Er sei ein „kreativer Kopf, der Freude an der Show hat“. Cumme verfolgt seine Karriere als Schauspieler. „Ich finde es toll und mutig, wenn sich einer auf das Abenteuer einlässt.“

„Als Schauspieler bist du Überlebenskünstler“, stimmt Haberler zu. „Wenn du keine gehende Soap hast, ist es schwierig. Und eines wird der Weißenburger vermutlich ohnehin nie ganz ablegen können: die Aufregung am Set. „Bei einem Dreh stehen 50 Leute um dich rum. Wenn du verkackst, haben die alle später Feierabend.“

 

Bastian Mühling

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