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Endgültiges Aus für den Weißenburger Herrenschneider Regent

Am Samstag schließt auch der Werksverkauf. Der Markenname wurde verkauft. - 13.09.2019 14:26 Uhr

Ein Fall für die Geschichtsbücher: Am morgigen Samstag sperrt auch der Fabrikverkauf von Regent in Weißenburg zu, dann bleibt von dem Traditionsunternehmen nur noch der Markenname bestehen.

© Foto: Markus Steiner


Denn im Zuge des Insolvenzverfahrens hat Insolvenzverwalter Hartmut Krüger einen Teil des Betriebs Regent an die Regent GmbH verkauft, sodass die Regent GmbH auch in Zukunft unter der Marke Regent auftreten kann.

Ab Samstag, 14. September 2019, sind alle verbliebenen knapp 30 Mitarbeiterinnen arbeitslos. Morgen ist auch der letzte verkaufsoffene Tag im Outlet-Store in der Augsburger Straße 58. Dort gibt es bis dahin einen satten Rabatt von 50 Prozent auf alle Teile. Um 15 Uhr wird dann für immer zugesperrt.

Inzwischen wurden im Zuge der Insolvenzversteigerung auch Maschinen, Bügeltische, Fixierpressen und Büromobiliar versteigert. Die Firma, in der früher täglich in vielen Arbeitsschritten und mit mehreren Hundert Stichen Anzüge von edelster Qualität entstanden, ist ausgeräumt.

"Die Firma ist abgewickelt", bestätigt Franz Spieß, 1. Bevollmächtigter der IG-Metall-Geschäftsstelle in Schwabach, die sich während der vergangenen Insolvenzen um die gewerkschaftlich organisierten Regent-Mitarbeiterinnen und -Mitarbeiter gekümmert hat. Spieß weiß auch, dass es für die qualifizierten Fachkräfte der Manufaktur sehr schwer werden wird, wieder eine gleichwertige Stelle zu finden. "Eigentlich ist das hier in der Region so gut wie unmöglich", ist sich der Gewerkschafter sicher. Kein Wunder: Weit und breit gibt es kein vergleichbares Unternehmen, das in der heutigen Zeit noch Anzüge von Hand fertigt.

Für die spezialisierten Mitarbeiterinnen, die dem Unternehmen durch insgesamt drei Insolvenzen hindurch die Treue gehalten haben, gibt es demgemäß nur wenig Chancen, dass sie ihren erlernten Beruf auch in Zukunft ausüben können werden.

Eine Mitarbeiterin, die ihren Namen nicht in der Zeitung lesen will, sagte unserer Zeitung: "Wir werden versuchen, dass wir bei Takko, Kik oder Co. etwas finden können." Recht viel andere Optionen als Verkäuferin im Textilbereich wird es vermutlich wirklich nicht geben, glaubt auch Spieß. Vor allem die Damen, die zwischen 55 und 62 Jahre alt sind, seien für den Arbeitsmarkt in einem eher schwierigen Alter. Dennoch ist der Gewerkschafter nicht gänzlich hoffnungslos: Der derzeitige Arbeitsmarkt biete gute Beschäftigungsmöglichkeiten, zum Beispiel auch in der Produktion, die in der Regel auch gute Löhne zahlt.

Spieß verspricht, dass sich die zuletzt 27 Mitarbeiterinnen, die bereits arbeitslos gemeldet sind, gerne an die IG Metall wenden dürfen: "Wir wollen ihnen Brücken bauen und sie bei der Arbeitssuche unterstützen." Warum es trotz vieler Versuche und mit verschiedenen Investoren am Ende nicht gelang, das Traditionsunternehmen wieder rentabel zu machen? Spieß glaubt zu wissen, woran es gelegen haben könnte: "Die einst klangvolle Marke Regent und das ganze Umfeld passten am Ende nicht mehr zusammen."

Immerhin wird der Name nicht ganz vom Markt verschwinden: Nach Informationen unserer Zeitung wurde der Markenname "Regent" und auch ein großer Teil des Kundenstamms bereits verkauft. Was der Käufer damit vorhat, ist nach Informationen unserer Zeitung noch völlig unklar, zumal am Standort in Weißenburg ohne Mitarbeiterinnen und Maschinen auch nichts mehr produziert werden kann. Das Gebäude, das einem früheren Inhaber gehört, ist inzwischen komplett leer geräumt. Die Firma Regent, die einst Könige, Adlige und Promis kleidete, ist Geschichte.

Ohne Happy End

Leider eine Geschichte ohne Happy End, weil der Wertewandel auch vor maßgeschneiderten Anzügen nicht haltmacht. "Die jungen Menschen haben keinen Bezug mehr zu Anzügen, keinen Blick und kein Gefühl mehr für Qualität. Unser hochwertiges Produkt hat für sie keinen Wert mehr", hat Martin Kury festgestellt. Kury kennt die Branche wie kein anderer und war viele Jahre mit viel Herzblut als technischer Leiter beschäftigt.

Was der Marke mit dem Krönchen am Ende das Genick gebrochen hat, weiß auch Kury nicht. "Die ganze Branche ist ein Trauerspiel", hat der Ingolstädter ausgemacht, der in einer traditionellen Schneiderfamilie groß geworden ist und auch heute noch eigenhändig einen Anzug nähen könnte. Auch andere, einst klangvolle Marken wie "Escada" haben Probleme. Kury weiß auch, dass mit Regent eine Ära zu Ende geht: "So etwas wie das, was Regent gemacht hat, wird man in ganz Deutschland nicht mehr finden."

MARKUS STEINER

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