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Erkan Dinar ist zurück und sorgt für Rücktritte

Der umstrittene Politiker wurde als Bundestagskandidat der Linken nominiert - 12.10.2020 16:00 Uhr

Er ist wieder da: Erkan Dinar hat sich als Bundestagskandidat der Linken durchgesetzt. Das hat für ordentlich Wirbel in der Partei gesorgt.

11.10.2020 © Foto: Robert Maurer


Seit seiner Jugend ist er in der Stadt für unermüdlichen politischen Einsatz und stramm linke Positionen bekannt. Seit etlichen Jahren allerdings auch für persönliches Fehlverhalten. Stichworte: Kirchweih-Skandal und Pinkel-Panne . . .

Diese Ausrutscher – und nicht zuletzt sein verheerendes politisches Krisenmanagement im Nachgang – brachten ihm erbitterte Gegner ein. In der Bevölkerung, allerdings auch im Stadtrat. In Weißenburg gab es daher nicht viele Tränen, als Dinar ankündigte, bei der Kommunalwahl 2020 nicht mehr anzutreten und seinen Lebensmittelpunkt nach Nürnberg zu verlegen. Es schien für alle Seiten die Möglichkeit auf einen Neuanfang. Nun kehrte Dinar allerdings mit einem Paukenschlag zurück.


Zwei Hausverbote: Wieder Ärger für Stadtrat Dinar


Vor einer Woche bewarb er sich in einer Nacht- und Nebel-Aktion um die Direktkandidatur im Wahlkreis 241 für die Bundestagswahl 2021. Noch überraschender allerdings: Er wurde bei der Versammlung des Linken-Kreisverbands Ansbach/Weißenburg auch gewählt. Und zwar gegen ordentliche Konkurrenz. Der Ansbacher Linken-Stadtrat Milan Schildbach und der Weißenburger Linken-Kreisrat Felix Goldhorn hatten ebenfalls kandidiert.

Listenplatz vier gilt als sicher

Aus Dinars Sicht ein Coup, denn mit der Direktkandidatur verbindet zumindest er selbst aus der Historie heraus den Anspruch auf Platz vier auf der bayerischen Landesliste für den Bundestag. Eine Position, die für den Einzug in den Bundestag definitiv reichen sollte. Im März wird der Linken-Landesverband die Liste aufstellen. Kampfkandidaturen und innerparteilicher Ärger scheinen programmiert. Erst recht, weil sich Dinar offensiv gegen Titus Schüller positioniert. Der Nürnberger Stadtrat gilt als neuer Stern am Himmel der bayerischen Linken, hat parteiintern aber auch Kritiker.


Parteiausschlussverfahren gegen Erkan Dinar läuft


Aus Sicht der Linken ist Dinars Nominierung weniger Coup denn peinliche Panne. Sie darf nun erklären, wie es dazu kommen konnte, dass sich ein Mann für die Partei um den Bundestag bewirbt, den man eigentlich gar nicht mehr in der Partei haben will. Gegen Dinar läuft ein Ausschlussverfahren. Das wurde angeregt, weil er bei den jüngsten Kommunalwahlen in Nürnberg für die Linke-Liste angetreten war, die mit der Linken um Stadtratssitze konkurrierte.

Zwei Rücktritte

Damit aber an Problemen nicht genug: Denn im Anschluss an Dinars Wahlsieg in der Nominierungsversammlung köpfte sich der Kreisverband selbst. Victor Rother, der seit gut zwei Jahren den Verband führt, erklärte am Ende der Sitzung seinen Rücktritt als Kreisvorsitzender. Felix Goldhorn folgte ihm und trat als Vorstandsmitglied zurück.

In der Sitzung hatte sich Rother, der in Weißenburg für die Linken im Stadtrat sitzt, nach Auskünften von Teilnehmern gegen eine Kandidatur Dinars gewandt, aber offenbar kein Gehör gefunden. In einer schriftlichen Erklärung an die Mitglieder des Kreisverbands, die unserer Redaktion vorliegt, erklärt er im Nachhinein die Gründe für seinen Rücktritt.

"Seine Kandidatur wird uns vor Ort Wählerstimmen kosten", stellte Rother mit Bezug auf Dinar dort fest. Dessen gute politische Arbeit sei bedauerlicherweise "in großen Teilen zunichte gemacht von mehreren Eklats rund um seine Person". "Mehr als einmal hätte er diese zum Anlass nehmen müssen, um von seinen politischen Mandaten zurückzutreten", schreibt Rother weiter. Ginge es Dinar wirklich um erfolgreiche linke Politik, würde er diese nicht mit seiner eigenen umstrittenen Kandidatur behindern, liest man zwischen den Zeilen.

Auf Stadtratsarbeit konzentrieren

Auf Anfrage äußerte sich Rother nur knapp zu dem Vorfall. "Ich akzeptiere das demokratische Ergebnis dieser Wahl, aber ich persönlich kann mich nicht hinter diesen Kandidaten stellen." Er bleibe natürlich in der Partei, werde sich nun aber noch stärker auf seine Arbeit als Weißenburger Stadtrat konzentrieren. Dinar reagierte nicht auf eine unsere Anfrage.

Rother hatte Dinar zwar intern kritisiert, ihm öffentlich aber den Rücken gestärkt, als der mit harschen Angriffen auf seine Person zurecht kommen musste. Dafür muste auch Rother immer wieder Kritik einstecken. Dieses Kapitel der politischen Zusammenarbeit scheint nun endgültig beendet.

JAN STEPHAN

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