Fledermäuse sind auf der Wülzburg sehr willkommen

3.11.2010, 07:26 Uhr

© Robert Renner

Die Plakette erhält, wer sich für den Schutz von Fledermausquartieren einsetzt. Über 1000 Träger gibt es inzwischen in Bayern, davon allein 26 im hiesigen Landkreis. Bei einer Fachtagung in der Weißenburger Karmeliterkirche erhielt die Auszeichnung für die Stadt nun auch Oberbürgermeister Jürgen Schröppel aus den Händen von der Umweltstaatssekretärin Melanie Huml. Dazu gab es eine Urkunde, auf der die „vorbildlichen Leistungen beim Schutz bedrohter Tierarten durch die Schaffung und Pflege von Fleder-mausquartieren“ auf der Wülzburg gelobt wird. Das Papier hängt nun im Eingang des Besuchertreffpunktes in der ehemaligen Relaisstation im Burginnenhof.

Die Hohenzollernfestung gilt als landesweit bedeutsames Winterquartier. Für die Tiere sind die klimatischen Bedingungen in vielen Winkeln des weitläufigen Burgareals für ihren Winterschlaf ideal, erläuterte Thomas Brechenmacher vom  Stadtbauamt jetzt bei einem Ortstermin. Die letzte Zählung fand im Februar statt. Dabei wurden 152 Fledermäuse aus acht verschiedenen Arten auf der Wülzburg gesichtet. Es waren aber auch schon mehr Tiere. Im Winter 2007/2008 wurden fast 220 der fliegenden Untermieter registriert. Und es wurden auch schon zwölf verschiedene Arten auf der Festung festgestellt.

Die meisten Winterquartiere gibt es in Franken

Im Landkreis Weißenburg-Gunzenhausen sind 18 verschiedene Fledermausarten ansässig. In ganz Bayern stehen 15 verschiedene Arten auf der Roten Liste der gefährdeten Tiere. Insgesamt wurden bislang 24 Fledermausarten im Freistaat nachgewiesen. Über 24.000 Aufenthaltsorte von Fledermäusen sind mittlerweile bekannt.

Die meisten Winterquartiere wurden Staatssekretärin Huml zufolge bislang in Franken entdeckt: Karsthöhlen in der Frankenalb sowie alte fränkische Bierkeller haben sich als optimale Lebensräume für Fledermäuse erwiesen. Dass die Zahlen auf der Wülzburg schwanken, liege aber nicht an der in den vergangenen Jahren regen Bautätigkeit auf der Festung, versicherte Brechenmacher. Vielmehr würden landesweit immer wieder Schwankungen in der Gesamtpopulation festgestellt, und entsprechend diesen veränderten sich auch die Zahlen der Tiere, welche die Weißenburger Festung als Winterquartier nutzten.

Hohlräume werden extra in die Wänder gebaut

Ende April und Ende Oktober, wenn sich die Arbeitsphasen mit der Anwesenheit der Fledermäuse überschneiden, wird Rücksicht auf die Tiere genommen. Brechenmacher: „Wir gehen dann eben nur in Bereiche, wo wir keine Fledermäuse stören.“ Die Wülzburg ist übrigens Bestandteil des europaweiten Schutzgebiets-systems „Natura 2000“.

Damit die Flattermänner sich auch künftig dort heimisch fühlen, werden bei den Sanierungsmaßnahmen Hohlräume in die großen Natursteinwände der Bastionen eingebaut. Dies wurde auch bei der Tagung in der Karmeliterkirche unterstrichen, zu der über 250 Fledermauskundler nach Weißenburg gekommen waren. Es galt dabei, das 25-jährige Bestehen der „Koordinationsstellen für Fleder-mausschutz in Bayern“ und damit auch 25 Jahre Artenschutz auf diesem Gebiet zu feiern.

Besorgniserregender Rückgang

Eingeladen hatte das Landesamt für Umwelt (LfU). 1985 wurden als Reaktion auf den besorgniserregenden Rückgang fast aller einheimischer Fledermausarten Beratungsstellen an den Universitäten Erlangen-Nürnberg und München geschaffen. Für die Finanzierung sorgt seither das Umweltministerium, die fachliche Betreuung übernahm das LfU. Die Aufgaben der Koordinationsstellen umfassen unter anderem die Beratung von Behörden, Bürger und Fachleuten in allen Fragen des Fledermausschutzes.

Daneben nehmen die Bestandserfassung der 24 Fledermausarten im Freistaat und die Schulung ehrenamtlicher Fledermausschützer viel Raum ein. Umweltstaatssekretärin Huml gratulierte den Koordinationsstellen zu ihrer Arbeit. „An den bayerischen Fledermausbeständen zeigt sich, wie mit Engagement viel im Artenschutz erreicht werden kann“, sagte sie. „Das Artenhilfsprogramm Fledermäuse in Bayern ist ein voller Erfolg: Die Bestände vieler Arten wie Großes Mausohr, Braunes Langohr und Mopsfledermaus erholen sich deutlich“, untermauert eine Pressemitteilung des Umweltministeriums diese Aussage.