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Landrat Manuel Westphal: Seine ersten 100 Tage im Amt

Meinheimer wechselte vom bayerischen Landtag ins Weißenburger Landratsamt - 10.08.2020 05:58 Uhr

Manuel Westphal ist nun 100 Tage im Amt. Er nimmt sich viel Zeit für Gespräche, um sich die Abläufe der Verwaltung erklären zu lassen.

© Foto: Claudia Wagner/Landratsamt


Der Terminkalender füllt sich langsam wieder. Manuel Westphal hat schon als Landtagsabgeordneter gern in den sozialen Netzwerken gezeigt, wie seine Arbeitswoche aussieht. Wegen der Corona-Pandemie und der deshalb stark ausgedünnten Anzahl an Veranstaltungen hat er damit pausiert, doch seit Kurzem zeigt er wieder regelmäßig, was bei ihm als Landrat so ansteht. Der Begriff "Abstimmungsgespräch" taucht dabei recht häufig auf.

Seit 100 Tagen ist der 45-Jährige der Nachfolger von Gerhard Wägemann. Der Weißenburger war ein echter Volkstribun. Ein nahbarer Politiker auf Augenhöhe mit Sinn für die Belange der Bürger. Manuel Westphal stammt zwar von einem Bauernhof, als Rechtsanwalt hat er aber auch immer Wert auf nüchternes Auftreten gelegt. Das wirkte auf manchen in den vergangenen sieben Jahren als Abgeordneter etwas distanziert. Doch in seinem neuen Amt scheint er sich wohler zu fühlen. Er wirkt entspannter und jovialer. Auch wenn er typisch Jurist noch mit viel Bedacht formuliert.

"Ich lasse mir vieles erklären"

Seine neue Rolle als Landrat versteht er als eine Art Moderator mit eigener Meinung. Seit 1. Mai ist er als Leiter des Landratsamtes Chef von mehr als 400 Menschen, als Abgeordneter hatte er drei Mitarbeiterinnen. Eine gewaltige Umstellung. Doch mehr und mehr kommt Manuel Westphal mit seiner neuen Rolle zurecht, ist auch von Mitarbeitern des Landratsamtes zu hören.

"Ich lasse mir viele Dinge erklären", sagt der Landrat selbst. Deshalb die vielen "Abstimmungsgespräche" im Terminkalender. Es sei ihm wichtig, sich nicht nur mit den Sachgebietsleitern auszutauschen, sondern auch mit den Sachbearbeitern direkt. Von dort kämen oft die Anregungen aus dem Praxisalltag.

Hierfür packt der 45-Jährige auch mal als Praktikant im Recyclinghof in Weißenburg mit an. Das gibt viel positives Feedback in den sozialen Netzwerken, die Westphal bespielt wie noch kein Weißenburger Landrat vor ihm. Doch viel wichtiger als diese Resonanz ist ihm der Austausch mit den Arbeitern am Recyclinghof gewesen. "Wenn man mal ein oder zwei Stunden zusammengearbeitet hat, tauen die Leute eher auf", ist Westphal überzeugt. Und dann kommen auch Anregungen oder Fragen. "Da würde sich sonst keiner hinsetzen und eine E-Mail schreiben."

Wir-Gefühl in der Kreisverwaltung

Für ein Wir-Gefühl in der Kreisverwaltung seien solche Aktionen wichtig. Und für dieses hat er seit Kurzem einen wöchentlichen Newsletter auf den Weg gebracht. So erfahren die Mitarbeiter, was ihn gerade an Themen umtreibt.

Bedauerlich ist aus der Sicht Westphals, dass aktuell viele Veranstaltungen wegen der Corona-Pandemie nicht stattfinden können. Das Jubiläum des Schützenvereins, die Feuerwehrehrung oder die Kirchweih seien gute Gelegenheiten, um mal ganz ungezwungen dem Landrat zu sagen, wo der Schuh drückt.

Die schlimmste Corona-Zeit war schon vorbei, als Westphal den Chefposten im Landratsamt übernommen hat. So konnte der Meinheimer die vergangenen drei Monate nutzen, um sich mit seiner Verwaltung zu beschäftigen. Um zu lernen, wie sie tickt. Und um sich auch in kleinteilige Abläufe hineinzudenken.

Wenn er dabei auf Ansätze stößt, wie mit minimalem Aufwand Dinge verbessert werden können, ist die Freude groß. Wenn zum Beispiel bei einem Bauvorhaben verschiedene Träger öffentlicher Belange gehört werden müssen, lässt sich das Verfahren deutlich beschleunigen, indem der Antragsteller mehrere Sätze der Unterlagen einreicht. Auf diese Weise können sich mehrere Stellen parallel mit der Thematik befassen. Ein großer Zeitgewinn, der wenig kostet. Als Außenstehender wundert man sich ein bisschen, dass das vorher noch niemandem aufgefallen ist. Doch so ist das wohl mit funktionierenden Verwaltungsapparaten: bloß nichts verändern.

Corona und die Folgen

Sorgen bereitet Westphal natürlich die Corona-Pandemie und deren Auswirkungen. Die Folgen seien "noch nicht überall so spürbar". Aber das Virus werde Konsequenzen haben. Und hier sei auch der Landkreis gefordert, "um möglichst schnell und gut wieder aus der Krise zu kommen", sagt er.

Das sei nicht nur Sache der Politik in Berlin und München. Schulen brauchen Konzepte für den Online-Unterricht, Städte, Gemeinden und der Landkreis müssen überlegen, auf welche Investitionen sie vorübergehend verzichten können, zusammen mit den Unternehmen gelte es, Konzepte für die Zukunft zu entwickeln (beispielsweise die Einkaufsplattform inaltmuehlfranken.de) und für die Beschäftigten im Landratsamt braucht es Richtlinien für das Homeoffice. Aus Sicht Westphals bedeutet das keine Abkehr von den Wahlkampfthemen. Allenfalls eine Verschiebung der Schwerpunkte.

Auch Lob vom politischen Gegner

Politisch hat der neue Landrat bislang offensichtlich viel richtig gemacht. Kritik gab es bislang nicht. Im Gegenteil. Im kleinen Kreis wird Manuel Westphal auch vom politischen Gegner gelobt, weil er zuhört und sich auch Argumenten der anderen Seite nicht verschließt. Anders ginge es auch gar nicht, weiß der Landrat. "Ich habe keine eigene Mehrheit im Kreistag. Wir müssen gemeinsam an einem Strang ziehen."

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Letztendlich sei es besser, ein Thema im Vorfeld zu besprechen und eine gemeinsame Lösung zu suchen, als in der Sache nicht weiterzukommen, sagt Westphal. Stark strittige Entscheidungen standen in den vergangenen 100 Tagen noch nicht auf der Tagesordnung, aber das Beispiel der Metzgerazubis zeigt, was Westphal meint. Als sich in der Frage, ob man die Metzger von der Berufsschule in Weißenburg nach Gunzenhausen verschieben soll, im Schulausschuss zwei aufeinanderprallende Lager bildeten, nahm der Landrat Druck aus dem Kessel. Er beauftragte die Verwaltung, weitere Informationen einzuholen. Die Abstimmung wurde vertagt.

In solchen Situationen kommt ihm natürlich seine Erfahrung als Abgeordneter zugute. Das wird nicht immer so funktionieren, ist aber auch nicht der schlechteste Ansatz. Auf jeden Fall ist dann Zeit für "Abstimmungsgespräche".

ROBERT MAURER

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