„Macht und Ohnmacht”

22.3.2011, 08:06 Uhr
„Macht und Ohnmacht“: Der Künstler Hermann Sturm zeigt in der Andreaskirche einige seiner Werke. Zur Eröffnung gab es ein Passionsnskonzert mit der Kantorei, den „Weißenburger Vocalisten“, Konrad Brückel und Michael Haag.

© Bianca Kühnel „Macht und Ohnmacht“: Der Künstler Hermann Sturm zeigt in der Andreaskirche einige seiner Werke. Zur Eröffnung gab es ein Passionsnskonzert mit der Kantorei, den „Weißenburger Vocalisten“, Konrad Brückel und Michael Haag.

Gewaltig wirkt das Kreuz am Eingang des Chorraums. Mit großen versalen Buchstaben steht auf dem Weg zum Altar der Titel der Ausstellung auf orangefarbenen Grund geschrieben. An der Seite steht eine eindrucks­volle Holzskulptur des leidenden Jesu.

Neben jedem einzelnen Kunstwerk gibt es ein kleines Schild mit dem Titel der Arbeit und einem Psalm oder einer Offenbarung. Die Texte regen zu­sätzlich zum Nachdenken an, bieten aber auch neue Interpretationsmöglichkeiten der verschiedenen Artefakte. Unter dem Titel „Nie wieder Krieg“ ist beispielsweise der Psalm 27, Vers 3 zitiert: „Wenn sich der Krieg wider mich erhebt, so verlasse ich mich auf Ihn.“

Das Thema der Kämpfe und Kriege spielte auch beim Passionskonzert eine große Rolle. Sturm zeigte über ei­nen Projektor auf einer großen Leinwand zum einen seine abfotografierten Kunstwerke. Demgegenüber stellte er jedoch Fotos aus dem heutigen Weltgeschehen, die Macht, aber auch Ohnmacht symbolisierten. So sahen die Zuhörer beispielsweise bei Anton Bruckners großer Motette „Christus factus est“ – gesungen von den „Weißenburger Vocalisten“ – Straßenkämpfer und Horst Seehofer in di­rekter Gegenüberstellung einer Holz­skulptur von Christus.

„Macht hat immer Gewalt im Gepäck“, meinte der Weißenburger Maler und Bildhauer in seiner Ansprache. „Meine Ausstellung soll für den Weg Jesu neu sensibilisieren.“ Er zählte auch vier Gründe auf, warum der Machtverzicht so wichtig war. „Dadurch konnte sich Jesu mit den Armen und Verstoßenen solidarisieren. Er war damit einer von ihnen.“ Doch Hermann Sturm erwähnte auch, dass dieser Verzicht nicht lange durchgehalten wurde. „Das Kreuz ist mit dem Schwert eine unheilvolle Verbindung eingegangen.“

Passend zu seinen Eingangsworten wurde auch das Konzert durch biblische Texte gegliedert. Diese wiederum fügten sich passend zu den Werken der Kantorei St. Andreas, den „Weißenburger Vocalisten“ und den Stü­cken von Konrad Brückel und Michael Haag an der Orgel. Der weite Spannungsbogen der einzelnen Musikstücke machte dabei auch die vielen verschiedenen Auslegungen zu Sturms Werken deutlich.

Die Ausstellung ist noch bis 3. April, täglich von 9.00 bis 17.00 Uhr, in der Weißenburger Andreaskirche zu sehen. An den kommenden vier Freitagen finden dabei auch jeweils um 19.00 Uhr Passio-Andachten statt, in denen je ein Werk von Sturm mithelfen will, die Passion zu interpretieren.