Millionen in die "Die Sonne" in Pappenheim investiert

25.10.2017, 10:59 Uhr
Zwei, die sich was trauen: Sven und Steffi Glück haben 2008 die Sonne in Pappenheim übernommen und beweisen seitdem, dass sich hochwertige, regionale Küche auch in Altmühlfranken durchsetzen kann. Nun weihten sie einen mutigen Neubau ein, der ein zweites Restaurant, Konferenz- und Tagungsräume und neue Zimmer beherbergt.

Zwei, die sich was trauen: Sven und Steffi Glück haben 2008 die Sonne in Pappenheim übernommen und beweisen seitdem, dass sich hochwertige, regionale Küche auch in Altmühlfranken durchsetzen kann. Nun weihten sie einen mutigen Neubau ein, der ein zweites Restaurant, Konferenz- und Tagungsräume und neue Zimmer beherbergt. © Jan Stephan

Dass eine lokale Gastronomenfamilie an einem historischen, baulich schwierigen Ort mitten in der Innenstadt einen architektonisch anspruchsvollen Neubau hinstellt, ist ziemlich genau das, wovon Touristiker nachts träumen – wenn sie vorher zwei Gläser Rotwein zum Abendessen getrunken haben. „Zwischen Gunzenhausen und Eichstätt haben wir relativ wenig Kapazität“, räumt Christoph Würflein, der Geschäftsführer des Naturparks Altmühltal, offen ein. „Solnhofen zum Beispiel hat einen welt­bekannten Namen, aber kein Hotel mehr.“

Da freut man sich umso mehr, wenn aus Privatinitiative ein Haus in Pappenheim hinzukommt, das genau die Kriterien erfüllt, die man für einen modernen Tourismus braucht. Hochklassige Zimmer, regionale Küche auf Top-Niveau und eine engagierte Inhaberfamilie. Dass die Familie Glück in der Sonne in Pappenheim nun ein Haus hinters Haus gebaut hat, traf bei der Einweihung auf großen Respekt. Die Politik lobte vor allem den betriebswirtschaftlichen Mut und den Willen zur Investition. Bürgermeister Uwe Sinn (SPD) verwies darauf, dass der Neubau wohl mehr gekostet habe, als die ganze Pappenheimer Innenstadtsanierung.

Politik und Tourismus freuten sich bei der Einweihung wahlweise über einen „Leuchtturm“ oder einen Lichtblick.

Politik und Tourismus freuten sich bei der Einweihung wahlweise über einen „Leuchtturm“ oder einen Lichtblick. © Jan Stephan

„Viele haben uns das nicht zugetraut, dass zwei so junge Leute das stemmen, manche haben uns auch belächelt“, sagte Sven Glück bei der Einweihung. „Aber wir sind stark und wir machen keine halben Sachen.“ Die Gastronomie in der Region brauche junge Leute, die sich was trauen und konsequent ihre Idee umsetzen, so der Koch. Dass die Gastronomie mit Abend- und Wochenendarbeitszeiten kein Traumberuf mehr ist, wissen auch die Glücks, die für sich persönlich aber eine Lösung gefunden haben. Sven Glück: „Wir haben keine große Trennung zwischen Familie und Arbeit, wir stecken unsere ganze Kraft und Energie hier rein, das ist unser Leben.“

Im Gault Millau

Der Erfolg gibt ihnen recht. 2008 eröffnete das junge Paar nach Lehr- und Wanderjahren die Sonne neu. Inzwischen gehört sie zu einer der besten gastronomischen Adressen im Landkreis, wie auch Landrat Gerhard Wägemann (CSU) feststellte. Es ist eines der wenigen Restaurants in der Region, wo man sich ohne Reservierung am Wochenende schwer tut. „Es ging uns immer darum, einen guten Spagat zwischen Regionalität und Innovation zu finden“, erklärte Sven Glück. Das hat etwa dazu geführt, dass man als eines von 135 Restaurants in Bayern 2013 Aufnahme im Feinschmeckerführer Gault Millau fand.

„Wir sind dankbar für dieses Haus“, stellte Würflein im Gespräch mit unserer Zeitung fest. Es sei ein Lichtblick, dem aber weitere folgen müssten. Sonst gehe der Altmühltaltourismus am Landkreis vorbei. „Es gibt Tourenanbieter, die kommen gar nicht erst, weil sie gewisse Mindeststandards in Sachen Komfort und Kapazität haben.“ Entweder starten die Fahrrad- oder Kanutouren dann erst in Eichstätt oder Anbieter karren ihre Gäste sogar am Abend in Kleinbussen wieder nach Gunzenhausen ins Park­hotel zurück.

Die Sonne wird dieses Problem nicht alleine lösen. Auch mit dem Neubau ist die Kapazität mit 18 Doppelzimmern überschaubar. Dass man nun aber auch Konferenzräume und ein zweites Restaurant anbieten kann, hilft dem Betrieb aber auf Dauer, auch die kargen Wintermonate zu überstehen. Würflein hofft, dass sich Nachahmer finden, die sehen, dass das, was in Pappenheim funktioniert, auch bei ihnen gehen kann. „Vier, fünf solcher Häuser können auch ein großes Hotel ersetzen.“

Das Problem seien heute aber weniger die Investoren, als mehr geeignete Pächter zu finden, weiß er. Deshalb seien die inhabergeführten Gastronomiebetriebe auch häufig so erfolgreich. Das bestätigt sich auch für das Seenland, wo etwa der Gasthof Zur Linde in Stirn in der nächsten, jungen Familiengeneration geführt wird. Das Restaurant zählt ebenfalls zu den sehr guten Adressen im Landkreis und es ist kein Zufall, das auch hier im vergangenen Jahr kräftig investiert wurde.

Dass bei anderen Betrieben oft kein großes Geld mehr in Ausstattung und Infrastruktur gesteckt werden, liege oft am fehlenden Nachwuchs, weiß eine Gastronomin aus dem Seenland. Warum soll man Geld in die Hand nehmen, das erst in über 20 Jahren wieder eingespielt ist, wenn man selbst nur noch ein paar Jahre zu arbeiten hat, erklärt die junge Frau.

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