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Mountainbike-Lösung für Weißenburg gesucht

Legale Trails in Kooperation mit dem RC Germania sollen den Wildwuchs im Stadtwald eindämmen - 09.05.2021 06:43 Uhr

Mountainbike-Trails im Weißenburger Stadtwald: allesamt ehrenamtlich gebaut, aber eben auch auf fremden Grund und ohne Erlaubnis. Der Boom des Sports in der Region rund um Weißenburg stellt auch Fragen nach dauerhaften Lösungen.

07.05.2021 © Foto: Jan Stephan


Seitdem ist man in Verhandlungen mit dem RC Germania Weißenburg. Der Deal, der auf dem Tisch liegt, ist einfach: Die Stadt erlaubt in bestimmten Waldstücken die Nutzung von Trails, der RC Germania kümmert sich um deren Pflege sowie Betrieb und übernimmt die Haftung.

Hier allerdings hat man seitens des Weißenburger Vereins immer noch den ein oder anderen Bauchschmerz. "Der Freizeitdruck in den Wäldern ist mittlerweile ein ganz anderer geworden. Und die Trails würden natürlich nur zu einem Bruchteil von Mitgliedern unseres Vereins genutzt", erklärt David Lischka, dritter Vorsitzender des RCG und Leiter der Sparte Mountainbike. "Die Haftung hätten allerdings trotzdem wir."

Schwerer noch wiegt ein anderer Sachverhalt. "Es gibt keinerlei Musterlösungen für solche Kooperationen", stellte Lischka fest. Jede Vereinbarung müsse individuell geschlossen und ausverhandelt werden. Dabei geht es vor allem darum, was man als "Betreiber" solcher Trails leisten müsse, um seinen Sorgfaltspflichten gerecht zu werden.

Dauerhaft stabile Lösung gesucht

Hier würden auch seitens der Politik konkrete Regeln fehlen, beklagte er. Sowohl mit Rechtsanwälten als auch mit Versicherungen haben man vereinsseitig dieses Problem intensiv besprochen. Lischka: "Aber es gibt keine Lösung, die dich komplett aus der Haftung bringt."

Seitens des Vereins müsse man eine dauerhaft stabile Lösung anstreben. "Jetzt ist die Begeisterung groß und alle sind bereit, sich zu kümmern, aber wir müssen auch bedenken, wie man das in zehn oder 15 Jahren regeln kann, wenn es vielleicht längst eine neue Führung im Verein gibt."

Trotz aller Bedenken sieht Lischka "massive Fortschritte" auf dem Weg zu einer guten Lösung und bedankt sich für das Entgegenkommen der Stadt. Dass es zwischenzeitlich zu Verzögerungen gekommen sei, habe auch an einer Leader-finanzierten Studie für ein Mountainbike-Wegenetz im Landkreis gelegen, deren Ergebnisse man abwarten wollte. Als die Studie vorlag, kam dann aber Corona dem Projekt in die Quere.

"Seitdem ist der Verein nicht beschlussfähig. Wir brauchen aber eine Generalversammlung und die Zustimmung unserer Mitglieder, um so eine Entscheidung zu treffen." Das soll nun Mitte dieses Jahres geschehen, hofft Lischka. Dann könnte es in Sachen offiziellem Mountainbike-Wegenetz in Weißenburg endlich weitergehen.

"Wir kommen nicht hinterher"

Bei der Stadt würde man sich darüber sehr freuen, denn dort steckt man in einem Dilemma. Man weiß, dass immer mehr Strecken in den Wäldern entstehen, aber kommt mit der Kontrolle nicht hinterher. "Wir dulden diese illegalen Verhältnisse in keinster Weise", stellt Oberbürgermeister Jürgen Schröppel fest. "Aber wir müssen mit einem gewissen Fatalismus feststellen, dass wir da personell nicht hinterherkommen. Wir haben ein Überwachungsproblem. Wir können ja nicht hinter jeden Baum einen stellen, der aufpasst."

Mit der Einrichtung von zwei großen Schlaufen, die Trailabschnitte am Rohrberg und am Römerbrunnen einschließen, erhofft man sich seitens der Stadt eine Kanalisierung. Im Zusammenspiel mit der Pumptrack-Bahn und dem großen Waldwegenetz der Region könne man so attraktive legale Möglichkeiten bieten und damit den illegalen Wegebau stoppen. "Von unserer Seite aus liegt ein unterschriftsreifer Vertrag vor", so OB Schröppel.

Heumödern-Trails als Vorzeigeprojekt

Dass so etwas gelingen kann, zeigt das Beispiel Treuchtlingen. Dort ist rund um die Talstation Heumödern ein Trailwegenetz entstanden, das von einem privaten Unternehmen betrieben wird. Die Kooperation mit der Stadt Treuchtlingen und den Bayerischen Staatsforsten gilt als vorbildlich. Allerdings ist hier eben kein Verein, sondern ein Unternehmen der Betreiber der Trails.

Sollte es mehreren Gemeinden im Landkreis gelingen, im Rahmen solcher Kooperationsprojekte legale Trailmöglichkeiten anzubieten, könnte damit flächendeckend eine Kanalisierung erreicht werden. Das war unter anderem das Ziel der Mountainbike-Studie für den Landkreis. 

In der Printausgabe des Weißenburger Tagblatts vom Samstag, 8. Mai finden Sie auf Seite 10 zusätzlich eine ausführliche Themenseite zum Mountainbikesport rund um Weißenburg.

JAN STEPHAN

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