Samstag, 29.02.2020

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Rettung in Altmühlfranken: Von Anruf bis Einsatz in Minuten

Das Rettungssystem im Landkreis ist ausgeklügelt, hat aber seine Grenzen - 30.01.2020 06:00 Uhr

Schnelle Retter: Gesetzlich gilt, dass die Einsatzkräfte binnen 15 Minuten einen Unglücksort erreichen müssen, um Verunglückte zu versorgen. Gerade wenn bei einem Unfall mehrere Rettungswagen im Einsatz sind, kann es andernorts aber auch einmal dauern. © Foto: Robert Renner


Im Fall des tragischen Unglücks auf der Weißenburger Wülzburg (wir berichteten), bei dem ein 82-Jähriger in die Tiefe stürzte und später im Krankenhaus starb, waren es sieben Minuten. Sieben Minuten, die zwischen dem entsetzten Anruf bei der Leitstelle und dem Eintreffen des Rettungswagens an der Wülzburg lagen. Eine Minute für die Entgegennahme des Notrufs und die Alarmierung des Rettungswagens, sechs Minuten für die Fahrt vom Weißenburger Krankenhaus bis zur Wülzburg.

Allerdings bedeutete die Ankunft am Ort des Geschehens nicht, dass die Retter auch schon beim Verletzten wären. Einige weitere Minuten dauerte es auch im Fall des Wülzburg-Unfalls, bis Sanitäter und Notarzt mit ihrer Ausrüstung in dem für die Öffentlichkeit abgesperrten Bereich zwischen Schlossmauer und innerem Wall beim Patienten ankamen und helfen konnten. "Viel schneller geht es nicht", stellt Michael Hayko von der ILS mit Blick auf das Wülzurg-Beispiel fest.

Allerdings geht es sehr wohl langsamer. Je nachdem, wo man wohnt, und je nachdem, wie viel Pech man hat. Gesetzlich gilt, dass jeder Schwerverletzte binnen 15 Minuten bei normalen Bedingungen von einem Rettungswagen erreicht werden muss. Damit das funktioniert, stehen in Weißenburg, Treuchtlingen, Gunzenhausen oder Solnhofen Rettungswagen 24 Stunden rund um die Uhr besetzt zur Verfügung.

Da bei der Rettung von Menschen keine Landkreis- und Bezirksgrenzen zählen, sind für die Versorgung Altmühlfrankens auch die Rettungsstützpunkte in Geilsheim, Oettingen oder Greding von Bedeutung. Dafür bedient Solnhofen auch Teile des Landkreises Eichstätt mit. Um dort die 15-minütige Hilfsfrist einzuhalten, hat man den Rettungsstützpunkt vor einigen Jahren von Pappenheim nach Solnhofen geschoben.

Der Weißenburger Jura und der Hahnenkamm liegen am Rand der 15-Minuten-Kreise. "Das sind schon die Regionen im Landkreis, wo es knapp wird mit der Hilfszeit", stellte Hayko fest. Vor allem, wenn noch Pech dazukommt. Pech heißt in dem Fall, dass der nächststationierte Wagen bereits bei einem Einsatz ist. Dann muss auf einen anderen Stützpunkt zurückgegriffen werden und das kann dauern.

Allerdings steht der Leitstelle auch noch die Option eines Hubschraubereinsatzes offen. Wenn Weißenburg und Greding im Einsatz sind, aber in Nennslingen etwas passiert, würde in Dinkelsbühl der Hubschrauber in die Luft gehen, um so schnell helfen zu können.

Ein flexibles System

"Man sieht schon, man kann das schlecht verallgemeinern", erklärt Hayko zum Rettungssystem. "Wir müssen immer flexibel nach der Situation agieren." Neben den Krankenwagen des BRK, die mit Rettungssanitätern besetzt sind, gibt es noch den Notarzt. Der ist in einem eigenen mit Notfallausrüstung ausgestatteten Fahrzeug mit Fahrer unterwegs und kann auch eigenständig die Versorgung übernehmen. In der Regel trifft er aber vor Ort auf einen Rettungswagen. Der Notarzt wird nur dann hinzualarmiert, wenn es medizinisch notwendig erscheint. Ein standardisierter Katalog regelt, in welchen Situationen dies der Fall ist.

Stationiert sind Notärzte im Landkreis in Weißenburg, Treuchtlingen und Gunzenhausen an den Krankenhäusern. Zudem gibt es noch einige niedergelassene Ärzte, die gelegentlich Notdienste übernehmen. "Das ist aber inzwischen die Ausnahme", weiß Hayko. Dabei war es früher noch eine Selbstverständlichkeit, dass tagsüber die Kliniken die Notärzte stellten und abends und am Wochenende die niedergelassenen Ärzte.

Unter anderem deswegen wird es auch manchmal knapp mit den Ärzten im Dienst. "Es kann durchaus mal sein, dass wir an einem Standort keinen Notarzt haben", stellt Hayko nüchtern fest. Es gebe für keinen Mediziner die Pflicht, solche Dienste zu schieben, und wenn sich nicht ausreichend Ärzte finden, dann blieben die Notarztpositionen eben einige Stunden einmal unbesetzt. Glücklich ist der Leiter der Leitstelle damit nicht, aber er hat keinen Einfluss darauf. Die Kassenärztliche Vereinigung Bayerns (KVB) ist für die Besetzung zuständig und sie hat bayernweit immer mehr Probleme, Notärzte zu finden.

JAN STEPHAN

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