Ausstellung

Spannende Biografien jüdischer Ostpreußen in Ellingen

Miriam Zöllich
Miriam Zöllich

Weißenburger Tagblatt

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16.12.2021, 15:32 Uhr
Führung vom Museumsleiter persönlich: Zur Ausstellungseröffnung im Kulturzentrum Ostpreußen waren unter anderem Weißenburgs Bürgermeisterin Maria Schneller und Roswitha Buff, die Vorsitzende des Freundeskreises Barockstatt Ellingen, gekommen.

Führung vom Museumsleiter persönlich: Zur Ausstellungseröffnung im Kulturzentrum Ostpreußen waren unter anderem Weißenburgs Bürgermeisterin Maria Schneller und Roswitha Buff, die Vorsitzende des Freundeskreises Barockstatt Ellingen, gekommen. © Miriam Zöllich

Die Ausstellungseröffnung ist coronabedingt eher weniger pompös ausgefallen: Museumsleiter Wolfgang Freyberg gab jedem Gast höchstpersönlich eine kleine Einführung. Angst vor einem Ansturm brauchte man dabei im Kulturzentrum Ostpreußen nicht haben: Die 2G-plus-Regelung treibt dieser Tage nicht gerade die Massen ins Ellinger Schloss.

„Trotzdem wollten wir zum Gedenkjahr auch unseren Beitrag leisten, und außerdem signalisieren: Wir sind noch da, wir machen hier was“, so Freyberg.

Herausgekommen ist eine Ausstellung, die rund 30 Biografien von ostpreußischen Juden, die ihrerzeit Herausragendes geleistet haben. „Es ist ein buntes Bild: Liberale Juden, orthodoxe Juden, zum Christentum Konvertierte und auch Zionisten aus unterschiedlichen Epochen werden portraitiert“, erläutert der Museumsleiter.

Der Mensch im Mittelpunkt

Die allgemeinen Informationen zur jüdischen Geschichte und Kultur nehmen hingegen nur sehr wenig Raum ein. „Der Mensch steht im Mittelpunkt.“

Da ist etwa Eduard von Simson, geborgen 1810 in Königsberg. Der Richter war Abgeordneter und Präsident der Frankfurter Nationalversammlung und später Abgesandter für das Erfurter Unionsparlament, wo er am später gescheiterten deutschen Verfassungsentwurf mitarbeitete. 1879 wurde Eduard von Simson erster Präsident des Reichsgerichts in Leipzig.

Spannend ist auch das Wirken der in Königsberg geborenen Fanny Lewald, die Mitte des 19. Jahrhunderts als Autorin den Fokus auf die Situation der Frauen im Deutschen Reich aufmerksam machte. Sie forderte etwa das uneingeschränkte Recht der Frauen auf Bildung und auf gewerbliche Arbeit und setzte sich gegen Zwangsverheiratung ein. Im heutigen Kontext kann man sie daher als eine Vorkämpferin der Emanzipation bezeichnen.

Bedeutender Musikschöpfer

Werner Richard Heymann dürfte ebenfalls einigen ein Begriff sein. Der 1896 in Königsberg geborene Komponist war einer der bedeutendsten Musikschöpfer der Weimarer Republik, aus seiner Feder stammt etwa die Filmmusik zu „Die Drei von der Tankstelle“.

Heinz Rühmann oder die Comedian Harmonists interpretierten seine Werke. Während der NS-Diktatur wanderte Heymann in die USA aus, konnte jedoch weder in Hollywood noch bei seiner Rückkehr nach Deutschland 1951 an die vorherigen Erfolge anknüpfen.

62 jüdische Gemeinden gab es einst in Ostpreußen, in Königsberg wurde 1896 feierlich eine prächtige Synagoge eingeweiht. „Die Juden waren damals gut integriert“, stellt Wolfgang Freyberg fest. Die Synagoge in Königsberg fiel der Pogromnacht 1938 zum Opfer, nur wenige der ostpreußischen Juden entgingen der Vernichtung. Umso wichtiger sei es, mit dieser Ausstellung „ein Zeichen zu setzen.“


Info: Die Ausstellung „Bedeutende Ostpreußen jüdischen Glaubens“ ist noch bis zum 24. April 2022 zu den regulären Öffnungszeiten im Kulturzentrum Ostpreußen in Ellingen zu sehen.