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Mittwoch, 23.10.2019

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Weißenburg und sein ehrgeiziges Theaterprojekt

Nach mehr als zwei Jahren Vorarbeit ist "Der Lebkuchenmann" nun auf der Bühne. - 11.07.2019 15:58 Uhr

Es wird irr, vielleicht auch ein bisschen wirr, aber ganz sicher überwältigend: Der Lebkuchenmann feiert heute Abend Premiere. © Foto: Antonia Rieger/Stadt Weißenburg


Die Aufführung wird mit Spannung erwartet, da über den Inhalt des Stücks im Detail öffentlich kaum etwas bekannt wurde. Seit Monaten probt das rund 100-köpfige Ensemble, das aus Amateurschauspielern aus Weißenburg und Umgebung sowie aus prominenten Schauspiel-Profis besteht. Die vergangenen Wochen wurde das Projekt auch in der Stadt und den Gesprächen der Bürger immer präsenter. Am ersten Wochenende mit drei Vorstellungen wird sich nun zeigen, wie "Der Lebkuchenmann" in der Öffentlichkeit aufgenommen wird. Bereits jetzt kann man feststellen, dass es eine solche Inszenierung im Bergwaldtheater noch nicht gegeben hat.

Georg Schmiedleitner hatte im Vorfeld immer wieder große Bilder versprochen und nach den Eindrücken der Proben kann der österreichische Regisseur diese Erwartungen einlösen. Schon das Bühnenbild, entworfen von Stefan Brandtmayr, und die Kostüme, entworfen von Cornelia Kraske, sind beeindruckend. Mit Licht, Rauch und der schieren Masse an Darstellern entsteht eine beeindruckend imposante Inszenierung, in der Weißenburg im Mittelpunkt steht.

Protagonist Paul stolpert nach einem Autounfall halb im Delirium durch den Weißenburger Stadtwald. Ihm begegnen dort nicht nur seltsame Wesen, sondern auch längst vergangene Episoden der Weißenburger Stadtgeschichte. In diesem zunehmend magischen Wald überlagern sich Zeiten und Realitäten. Paul beginnt Einfluss zu nehmen und sieht die Geschichte einer Kleinstadt an sich vorbeiziehen, die nicht nur für Weißenburg, sondern für die Welt steht. Es entsteht ein beklemmender, spannender, spektakulär inszenierter Stoff, der weit über die fränkische Kleinstadt hinausweist.

Das Projekt begann 2016

Die zehn Aufführungen im Juli sind nun der Schlusspunkt einer einmaligen Entwicklung. 2016 hatte sich der Weißenburger Stadtrat entschieden, einer Initiative aus dem Kulturbereich nachzukommen und mit Mitteln der Wilhelm-und-Christine-Hirschmann-Stiftung aus Treuchtlingen mit Franzobel einen Stadtschreiber nach Weißenburg zu holen.

Der Ingeborg-Bachmann-Preisträger verbrachte 2017 100 Tage in Weißenburg und sammelte Material für ein Theaterstück, das nicht nur inhaltlich hier spielen, sondern auch in die Kulisse des Weißenburger Bergwaldtheaters geschrieben werden sollte. Anlass war das 90-jährige Jubiläum der Naturbühne. So entstand "Der Lebkuchenmann", der nun von Regisseur Georg Schmiedleitner und seinem Team in monatelanger Arbeit entwickelt wurde.

Zur Unterstützung der lokalen Amateurschauspieler, die zuletzt beeindruckend viel Zeit in dieses Projekt steckten, engagierte man noch professionelle und prominente Schauspieler. Franken-Tatort-Kommissar Andreas Leopold Schadt spielt den Lebkuchenmann, die bayerische Kleinkunstpreis-Trägerin Anna Mateur und die Kabarettistin Claudia Bill wechseln sich in der Rolle der Erlkönigin ab. Staatstheater-Schauspieler Sebastian Witt ist Paul und Josephine Köhler war als Phoebe eingeplant, bis sie sich eine Woche vor der Premiere einen Fuß brach. Ihre Kollegin Bettina Brezinski springt nun kurzfristig für sie ein – und erwies sich in den Proben als würdiger Ersatz.

In den vergangenen Monaten wurde bayernweit über das Weißenburger Theaterprojekt berichtet. Das hat mehrere Gründe. Zum einen gewann Franzobel in seiner Zeit in Weißenburg den Bayerischen Literaturpreis und stand auf der Shortlist des Deutschen Buchpreises. Zum anderen konnte auch mit Georg Schmiedleitner ein renommierter Regisseur gewonnen werden.

Darüber hinaus ist es ungewöhnlich, dass ein so prominenter Autor einer Kleinstadt ein eigenes Stück für eine Uraufführung schreibt. Auch die Verbindung von professionellen Theater-Experten und lokalen Amateurschauspielern ist ebenso selten wie reizvoll. In der Kombination ergab sich ein Theaterprojekt, das so bayernweit, vielleicht deutschlandweit seinesgleichen sucht und auch in der Theaterwelt mit viel Aufmerksamkeit verfolgt wird. Nun wird sich in den nächsten gut zwei Wochen an der Theaterkasse zeigen, wie dieser Versuch aufgenommen wird.

Info: Karten für die Vorstellungen des Lebkuchenmanns sind im Weißenburger Amt für Kultur und Touristik, über die Seite www.derlebkuchenmann.de und in allen Reservix- und Vibus-Vorverkaufsstellen erhältlich. Die Termine der einzelnen Vorstellungen sind: 12., 13., 14., 19., 20., 21., 25., 26., 27. und 28. Juli. Beginn ist jeweils um 20.15 Uhr.

wt

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