Wirt verkauft Getränke to-go: Polizei rückt mit acht Mannschaftswagen an

6.4.2021, 07:14 Uhr
Großeinsatz in der Weißenburger Judengasse: Dort war die Polizei am Samstag mit mehreren Mannschaftsbussen und 25 Beamten angerückt, um einen „Dämmerschoppen“ aufzulösen. Der Wirt einer Kneipe hatte Getränke to go angeboten und die Kunden waren vor Ort stehen geblieben.

Großeinsatz in der Weißenburger Judengasse: Dort war die Polizei am Samstag mit mehreren Mannschaftsbussen und 25 Beamten angerückt, um einen „Dämmerschoppen“ aufzulösen. Der Wirt einer Kneipe hatte Getränke to go angeboten und die Kunden waren vor Ort stehen geblieben. © Foto: Privat

Die waren gleich mit acht Mannschaftswagen und rund 25 Beamten angerückt. Die Szenerie vor der Pilsbar "Anna" in der Judengasse wurde gefilmt, die Personalien der Frauen und Männer vor Ort festgestellt. "Die Gäste tranken in geselliger Runde vor Ort. Die Meisten hatten weder einen Mund-Nasen-Schutz, noch wurde der Mindestabstand eingehalten", hieß es dazu im Polizeibericht.


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Wirt Michael "Snake" Schmidt hatte, wie andere Weißenburger Wirte auch, Getränke to go angeboten und dazu eine Station aufgebaut – "natürlich mit den Hygieneauflagen" wie etwa Desinfektionsmittel und Plexiglasscheibe. "Das ist ja erlaubt. Problem war, dass die Leute stehengeblieben und nicht weitergegangen sind", so Schmidt.

Anwohner riefen die Polizei

Und genau das hat wohl mehrere Anwohner der Judengasse auf den Plan gerufen. "Mehrere Mitteilungen", so die Polizei, seien am Samstagnachmittag eingegangen, dass vor dem Lokal in Gruppen zusammengestanden und Alkohol konsumiert werde. Daraufhin lief der Einsatz mit der Bereitschaftspolizei an. Wirt Michael Schmidt war baff erstaunt ob der anrückenden Beamten, welche die Zahl der Menschen vor der Pilsbar deutlich überschritt. "Da wenn eine Streife gekommen wäre und die Leute darauf hingewiesen hätte, dass sie nicht stehenbleiben dürfen, hätte es auch gereicht", ist er überzeugt.

Schmidt wurde zur Personalienfeststellung auf die andere Straßenseite gebeten, "da sind dann mehrere Polizisten in die Kneipe und haben alles durchsucht". Im Lokal sei eine Person angetroffen worden, "die war auf Toilette, das wollte ich nicht verwehren", erzählt er.

Platzverweise ausgesprochen

Auch die Leute auf dem Gehweg, die nach ihren Angaben im Abstand und nicht eng beieinander standen, waren vom Polizeieinsatz "etwas befremdet", wie es eine Frau ausdrückte. "Bei der Erhebung der Personalien kippte teilweise die Stimmung, die Einsatzkräfte wurden vereinzelt angepöbelt und mussten schließlich Platzverweise aussprechen und durchsetzen", heißt es im Bericht der Weißenburger Polizei weiter.

Das Getränke-to-go-Angebot war damit beendet, was rechtlich auf Wirt Michael Schmidt und die Menschen vor dem Lokal zukommt, ist unklar. Sicher ist, dass von den Beamten vor Ort 16 Anzeigen "wegen eines Verstoßes gegen die geltenden Bestimmungen der Bayerischen Infektionsschutzverordnung erstellt werden", so die Polizei. Diese gehen nun an die Gesundheits- und Ordnungsbehörden, die entscheiden müssen, wie schwerwiegend die Verstöße denn gewesen sind.

Nicht genau geregelt

"Ich habe ja alle Auflagen erfüllt. Mir kann man nur vorwerfen, dass ich die Leute nicht nachdrücklicher darauf hingewiesen habe, dass sie nicht stehenbleiben dürfen", so Schmidt. Wer letztlich alles zur Verantwortung gezogen wird (oder nicht), dass der "Verzehr vor Ort" nicht stattfindet, ist in der Infektionsschutzverordnung nicht geregelt. Die ordnungsrechtliche Kanone wird wohl alle Spatzen treffen.