Wo will das Fränkische Seenland hin?

25.11.2020, 07:27 Uhr
Die herrlichen Seen sind natürlich das zentrale Merkmal des Fränkischen Seenlandes. Doch seit gut acht Jahren setzt man darauf, auch das Umland besser zu vermarkten. Das war eine Folge des Leitbildprozesses und gelang recht gut. Nun geht es darum, sich neue Ziele bis 2030 zu setzen.

Die herrlichen Seen sind natürlich das zentrale Merkmal des Fränkischen Seenlandes. Doch seit gut acht Jahren setzt man darauf, auch das Umland besser zu vermarkten. Das war eine Folge des Leitbildprozesses und gelang recht gut. Nun geht es darum, sich neue Ziele bis 2030 zu setzen. © Foto: limes-luftbild.de

Im "Tourismus-Leitbild Fränkisch. Seen. Land. 2012 – 2020" waren die Ziele der Urlaubsregion für die vergangenen knapp zehn Jahre festgelegt. Das war ein Zwölf-Punkte-Programm, das die einmalige Kulturlandschaft und die fränkische Architektur ebenso in den Fokus zu rücken versuchte wie die attraktiven Seen, die herrliche Natur oder das gute Preis-Leistungs-Verhältnis. Über allem schwebte die Maßgabe eines qualitativen und anspruchsvollen Tourismus, der auf fränkischen Werten basiert und der sich klar von Billigprodukten abgrenzt.

Nachdem nun das Ende der Zeitschiene erreicht ist, ist es auch Zeit, Bilanz zu ziehen und neu festzulegen, wohin die Reise für die Urlaubsregion die nächsten zehn Jahre gehen soll. Voraussetzung hierfür ist natürlich, dass die Mitgliederversammlung des Tourismusverbandes im Haushalt für 2021 die Mittel bereitstellt, betont Hans-Dieter Niederprüm, der Geschäftsführer des Verbandes. Das soll – so es Corona zulässt – im Dezember passieren.

"Tourismus ist etwas Physisches"

Sobald das geschehen ist, geht es in die Ausschreibung. Unter anderem braucht es eine professionelle Moderation und es soll auch einige Workshops geben, in denen sich die verschiedenen Akteure austauschen können. Niederprüm hofft, dass diese trotz der anhaltenden Corona-Pandemie als echte Treffen abgewickelt werden können. "Tourismus ist etwas Physisches", sagt er.


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Es sollen die Gastronomen, die Zimmervermieter, Verbände wie der Landesbund für Vogelschutz, die Politik, die Behörden, aber natürlich auch alle anderen Unternehmer aus dem Tourismussektor einbezogen werden, die sich bereits engagieren. Um das alles unter einen Hut zu bekommen, geht Niederprüm von etwa einem Jahr aus, das nötig sein wird, um die neuen Ziele zu definieren.

Dann müssen die Ergebnisse noch zu Papier gebracht werden und von den verschiedenen Gremien bestätigt werden, sodass der Prozess unterm Strich etwa eineinhalb Jahre in Anspruch nehmen dürfte.

"Wir wissen, wo wir stehen"

Anders als vor zehn Jahren braucht es diesmal aber keine vorangestellte Stärken-Schwächen-Analyse. Niederprüm: "Das haben wir damals sehr ausführlich gemacht. Und wir wissen ganz genau, wo wir stehen."

Auch am Slogan "Fränkisch. Seen. Land." will er nicht rütteln. Der spiegelt recht deutlich wider, was in den vergangenen Jahren das zentrale Thema im Tourismus in der Region war: Es ging darum, das Angebot zu erweitern und sich nicht nur auf das Baden und das Wasser zu fokussieren. Das war vor zehn Jahren ganz zentral. Denn die Algenproblematik vor allem im Altmühlsee war allgegenwärtig.

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Seitdem ist es gelungen, den Urlaubsgästen auch andere Seiten der Region nahezubringen. Das sind Weißenburg und die Römer ebenso wie Heidenheim und die Christianisierung. Aber auch neue Wander- und Radwanderwege locken die Besucher an. "Wir haben die Leute ein Stück weit aus dem Wasser rausgeholt", beschreibt es Hans-Dieter Niederprüm plastisch.

Starkes Potenzial

Festgelegt hat das bisherige Leitbild auch das Streben nach einer Saisonverlängerung, weil man bislang auf wenige Monate im Jahr festgelegt ist. Da könnte aus Sicht Niederprüms eine Center-Parcs-Ansiedlung in Langlau eine große Hilfe sein. Er sieht aber auch darüber hinaus noch starkes Potenzial in der Region – beispielsweise am Hahnenkamm, auf dem Jura oder auch im Mönchswald im südlichen Landkreis Ansbach.

Wegen der Center-Parcs-Entwicklung zum einen und wegen der Corona-Pandemie zum anderen ist Niederprüm froh, dass der Tourismusverband die Leitlinien-Diskussion nicht schon im vergangenen Jahr angeschoben hat. Denn beides kann die Art, wie man in den nächsten Jahren Urlaub im Fränkischen Seenland macht, natürlich ganz massiv beeinflussen.


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Gleichwohl will der Tourismusfachmann das Leitbild nicht auf diese beiden Aspekte reduziert wissen. Ohnehin geht es beim Leitbildprozess nicht um einzelne Maßnahmen, sondern um übergeordnete Ziele, die als Eckpfeiler für die weitere Entwicklung dienen. Der "sanfte Tourismus", der von Kritikern des Center-Parcs-Projekts immer wieder ins Feld geführt worden ist, findet sich übrigens im bisherigen Leitbild nicht.

Die allgegenwärtige Nachhaltigkeit

Hans-Dieter Niederprüm hat Anfang des Jahres (also lange bevor die Center-Parcs-Pläne bekannt wurden) in einem Interview einmal gesagt: "Als das Fränkische Seenland gegründet wurde, war der sanfte Tourismus sozusagen Mainstream, so wie es heute die Nachhaltigkeit ist. Viele haben damals darüber geredet, ohne eigentlich zu wissen, was dahintersteckt."

Ohne den Diskussionen in den Workshops vorgreifen zu wollen, ist Niederprüm überzeugt, dass das Thema Nachhaltigkeit einen Schwerpunkt im neuen Leitbild ausmachen wird. Darüber hinaus bedarf es sicherlich weiterer Ideen für eine Ausweitung der Angebote – auch mit Blick auf den Klimawandel.

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