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Zwei Jura-Gemeinden preschen vor

Burgsalach und Oberhochstatt gehen zusammen, um dem neuen Stellenplan der Landeskirche zuvorzukommen - 04.03.2020 12:23 Uhr

Die Kirchengemeinden Burgsalach und Oberhochstatt wollen gemeinsam eine Pfarrei bilden, um besser zusammenzuarbeiten. Pfarrer Reinhold Friedrich (Mitte) stellte gemeinsam mit den Pfarrgemeinderäten die Pläne in Burgsalach vor. © Foto: Jan Stephan


Den evangelischen Dekanaten im Landkreis stehen spannende Zeiten bevor. Dass der neue Landesstellenplan sich in der Fläche niederschlagen wird, dürfte nicht allen Gemeindemitgliedern außerhalb der Kirchengremien bewusst sein. Im Kern geht es darum, dass die Landessynode zwar weiter einen Pfarrer pro etwa 1500 Gläubigen vorhalten will, nur dass das in Relation weniger Stellen bedeutet, weil es weniger Gläubige geworden sind.

Das kann bedeuten, dass Gebiete, die sich einen Pfarrer teilen, in der Region neu zusammengestellt werden. Diese Aussicht hat nun die beiden Kirchengemeinden in Oberhochstatt und Burgsalach dazu bewegt, sich quasi in vorauseilendem Gehorsam neu aufzustellen. Man wolle aus den beiden Kirchengemeinden eine neue Pfarrei bilden, die sich einen Pfarrer teilt, erklärte Friedrich den rund 80 Anwesenden in der Mehrzweckhalle. Mit den dann gut 1400 evangelischen Gemeindemitgliedern käme man dank der Berücksichtigung der zu betreuenden Fläche auf eine volle Stelle.

Sollte man diese Zusammenarbeit nicht vorantreiben, könnte es im Zuge der anstehenden Umstrukturierungen auch sein, dass etwa Oberhochstatt aus Weißenburg mitbetreut werde und Burgsalach nach Bergen oder Nennslingen komme. Durch die Gründung einer Pfarrei würden die beiden Kirchengemeinden nicht aufgelöst, erklärte Friedrich. Sie würden weiter bestehen, mit ihrem eigenen Vermögen, ihren Posaunenchören und ihren Gemeindehäusern. Weil beide in gutem Zustand seien und relativ klein, werden beide Standorte bleiben können.

Ein Pfarrhaus muss weg

Anders sehe das bei den Pfarrhäusern aus. Und damit war man bei der dicksten Kröte angelangt, die es für die Gemeindemitglieder zu schlucken galt. Denn die Kirche will im Zuge des neuen Stellenplans und allgemeiner Umstrukturierungen auch Gebäude abstoßen. Und wenn man eine Pfarrei sei, die einen Pfarrer beschäftige, dann brauche man nur noch ein Pfarrhaus, so die Rechnung der Landeskirche. Und das sei in dem Fall das in Oberhochstatt, weil es das zuletzt sanierte sei, so Friedrich.

Hier wird kein neuer Pfarrer mehr einziehen: Das Burgsalacher Pfarrhaus wird im Zuge der neuen Pfarreigründung an die Kirchengemeinde zurückgegeben. Die will mit der politischen Gemeinde eine neue Nutzung dafür finden. © Foto: Jan Stephan


Das Burgsalacher Pfarrhaus werde von der Landeskirche in das Eigentum der Kirchengemeinde übergeben. "Geht es nach den Münchnern, sollen wir das verkaufen", stellte ein Pfarrgemeinderat fest. "Aber das ist das älteste Gebäude im Ort. Dafür könnte ich nicht mit gutem Gewissen stimmen." Am Ende ziehe da noch jemand ein, der sich daran störe, dass nebenan die Kirchenglocken läuten.

Deshalb will die Kirchengemeinde eine neue Nutzung für das Gebäude suchen. Derzeit habe man einen kleinen Teil der Fläche als Büro vermieten können. Mittelfristig könne man sich auch ein Nutzungskonzept in Zusammenarbeit mit der Gemeinde vorstellen. Volker Satzinger, Gemeinderat und einziger Kandidat bei der anstehenden Bürgermeisterwahl, gab hier gleich ein Signal. Im Falle seiner Wahl werde er sich dafür einsetzen, dass die politische Gemeinde sich in die Sache miteinbringe. Man habe aus seiner Sicht die Pflicht, das Haus zu erhalten, stellte er unter dem Applaus der Anwesenden fest.

Die nahmen es mit relativer Gelassenheit zur Kenntnis, dass mit der Neugründung der Pfarrei auf absehbare Zeit kein Pfarrer mehr in Burgsalach wohnen wird. Anfang des neuen Jahrtausends hatte man zwischen den beiden Kirchengemeinden vereinbart, dass der Wohnsitz des Pfarrers zwischen den beiden Dörfern rotiert.

Bei der nächsten Neubesetzung hätte der Pfarrer also nach Burgsalach ziehen müssen. Der Landeskirche war diese Übereinkunft zwar weitergemeldet worden, stellten die Pfarrgemeinderäte fest, aber sie habe diese nie ratifiziert und sehe sie lediglich als einen Wunsch der Gemeinde, dem man aus finanziellen Zwängen nicht mehr länger nachkommen könne.

Die Reaktionen auf die Vorstellung der Pläne fielen in der Mehrzweckhalle ruhig aus. Es gab einige Detailfragen, die zufriedenstellend beantwortet werden konnten. Es gebe weiter Gottesdienste in beiden Kirchen, auch die verschiedenen Gruppen könnten, wenn sie wollten, weiter auf Gemeindeebene stattfinden, und Konfirmationen würden separat nach Gemeinden gefeiert. Die anwesenden Pfarrgemeinderäte stellten sich unisono hinter den Zusammenschluss. "Wir haben bisher schon gut zusammengearbeitet und das wollen wir fortsetzen."

"Man muss vernünftig sein", meldete sich schließlich eine ältere Bürgerin zu Wort. "Dass die Alten da immer gesagt haben, geh ja nicht über die Teufelsmauer, das war doch totale Scheiße", stellte die Frau kernig fest und erntete damit Lacher und zustimmendes Nicken. Die Teufelsmauer ist der Name der Einheimischen für den römischen Limes, der dort etwa mittig zwischen Burgsalach und Oberhochstatt verläuft.

Nach dem positiven Votum der Anwesenden werden die beiden Pfarrgemeinderäte nun einen Antrag auf Gründung einer neuen Pfarrei an das Dekanat stellen. Das wird den Antrag an die Landeskirche weiterleiten, die Bestätigung gilt als Formsache. Dass es in allen Kirchengemeinden so ruhig zugehen wird, wenn es in den kommenden Jahren um die Umsetzung des neuen Landesstellenplans geht, ist allerdings nicht anzunehmen. Auf dem Jura lagen günstige Verhältnisse vor, die dafür sorgten, dass die Verluste verschmerzbar sind.

JAN STEPHAN

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