Letzte Generation

"Wir wollen nicht spalten, sondern zusammenbringen"

Matthias Oberth
Matthias Oberth

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25.1.2023, 18:25 Uhr

Lukas Popp war schon im Januar 2022 mit dabei, als das "Containern" im Mittelpunkt der ersten Aktionen der Letzten Generation stand. Die Lebensmittelvernichtung sollte damit angeprangert und die drohende Strafverfolgung zum Thema gemacht werden. In Nürnberg sorgte hier vor allem die Beteiligung von Pater Jörg Alt für bundesweites Aufsehen. Der Jesuitenpater machte bereits damals kein Hehl aus seiner Sympathie für die Ziele der Letzten Generation und sicherte seine Unterstützung zu.

Für Lukas Popp war das "Containern" der Auftakt, um sich in den folgenden Monaten an einer Vielzahl von Protestaktionen zu beteiligen. Er hat sich seitdem mehrfach auf Autobahnen festgeklebt oder eine Rohöl-Pipeline blockiert. Im Podcast "Horch amol" kündigte er für 2023 eine Fortsetzung der Aktivitäten an und betonte die absolute Gewaltfreiheit der Bewegung.

Unmut ist verständlich

Dabei überraschen so manche Sätze des 24-Jährigen, die so überhaupt nicht in das Bild eines "Klimaterroristen" passen wollen, wie der CSU-Politiker Alexander Dobrindt die Aktivisten bezeichnete. "Ich verstehe den Unmut der Menschen über die Aktionen und ich würde es auch lieber lassen", sagt er im Podcast und fügt hinzu: "Es geht aber nicht anders".

Er selbst beschreibt sich als jemanden, dem das Klima in seiner Kindheit nur "mäßig bewusst" war. Er absolvierte nach dem Abitur zunächst eine Schreinerlehre und begann sein Studium der Maschinenbaulehre in München. "Meine Sorgen sind während des Studiums gewachsen", so Lukas Popp. Die Politik habe die Forderungen der Klimawissenschaftler nicht ernst genommen, obwohl die "Krise sichtbar da ist".

Sich der Letzten Generation anzuschließen, war für ihn ein logischer Schritt, weil er feststellen musste, dass "es nicht reicht, wenn ich mein Konsumverhalten umstelle und meinen ökologischen Fußabdruck verringere".

Wie konsequent Lukas Popp das Thema angeht, zeigen nicht zuletzt einige Gerichtsprozesse, die gegen ihn eingeleitet wurden. Unter anderem in Berlin, wo er wegen "neun Versammlungen" angeklagt ist, die teilweise den Verkehr auf den Autobahnen zum Stillstand brachten. Die Verteidigung übernahm Gregor Gysi, der für die Linke im Bundestag sitzt. Gegen das Urteil in Höhe von 90 Tagessätzen wurden Rechtsmittel eingelegt und Lukas Popp ist zuversichtlich, dass höhere Gerichtsinstanzen zu anderen Urteilen bis hin zum Freispruch kommen werden.

Politik handelt nicht

"Die Bundesrepublik erlässt weiterhin verfassungswidrige Gesetze", kritisiert Popp, obwohl das Bundesverfassungsgericht bereits 2019 festgestellt habe, dass das Klimaschutzgesetz in Teilen zu kurz greift und beispielsweise verbindliche Vorgaben für die Emissionsminderung fehlen. Die Forderungen der Letzten Generation richten sich an die politisch Verantwortlichen und nicht gegen die Bevölkerung, erklärt der 24-Jährige. Die Aktionen wie das Festkleben auf Straßen, sorgen jedoch für eine entsprechende mediale Aufmerksamkeit und sorgen dafür, dass der Klimaschutz auf der Tagesordnung bleibt, so seine Überzeugung. "So sehr wir bei den Aktionen in die Konfrontation gehen, so sehr steckt dahinter die Hoffnung, dass es noch zu schaffen ist, die Klimaziele zu erreichen", erläutert Lukas Popp.

Um mehr Tempo aufzunehmen und unabhängiger von Politikern zu sein, "die alle paar Jahre auf ihre Wiederwahl schielen", fordert die Letzte Generation ganz aktuell die Einrichtung eines Gesellschaftsrats. Das Gremium soll die Zusammensetzung der heutigen Gesellschaft abbilden und frei von Lobbyisten seine Forderungen aufstellen. Ein 9-Euro-Ticket oder das Tempolimit wären dann längst Realität, so Lukas Popp, weil sich schon jetzt eine Mehrheit der Bevölkerung dafür ausgesprochen hat, aber die Umsetzung an der Politik scheitert.

Ab dem 6. Februar will die Letzte Generation wieder verstärkt mit Aktionen auf sich aufmerksam machen. Lukas Popp betont dabei für sich und seine Mitstreiterinnen und Mitstreiter: "Wir sind ganz klar gewaltfrei, denn Gewalt hat in einer Demokratie keinen Platz".

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