Wöhrder See: So sorgt der "Beach Clean Up" für Sauberkeit

18.9.2016, 06:00 Uhr
Kronkorken, Plastikflaschen und ein altes Fahrrad: Beim

Kronkorken, Plastikflaschen und ein altes Fahrrad: Beim "Beach Clean Up" am Wöhrder See sammelten Freiwillige sechs große Säcke an Müll zusammen. © Foto: Günter Distler

Samstag, 10 Uhr am geschlossenen Wiesen-Biergarten. Trotz des Nieselregens trudelt ein Helfer nach dem anderen ein. Freunde, Arbeitskollegen, Bekannte von Anne Mäusbacher, die dieses "Beach Clean Up" der Umweltaktivistin unterstützen wollen. Bewaffnet mit Gummistiefeln, Gartenhandschuhen und Jutebeuteln machen sie sich ans Sammeln von Flaschen und Dosen, Lutscherstecken und Zigarettenkippen. Vor rund eineinhalb Jahren hatte Anne Mäusbacher das alles verändernde Erlebnis. Im Urlaub mit Sohn und Ehemann auf Ibiza stieß die Marketing-Fachfrau auf mit Plastik vermüllte Strände. Sie konnte nicht anders, als mit dem Einsammeln zu beginnen, erzählt sie. Und fügt hinzu, dass sie inzwischen "richtig zur Aktivistin geworden" sei.

Haushalt ohne Plastik

Das geschah spätestens im vergangenen Winter, als die 45-Jährige während eines viermonatigen Fernstudiums zu "Marine Litter"(Meeresverschmutzung) an einer niederländischen Uni die globale Dramatik begriff: 5,25 Trillionen Plastikteile schwimmen seriösen Schätzungen zufolge heute in den Ozeanen. Eine Plastikflasche braucht 450 Jahre, um sich vollständig zu zersetzen. Bei Einweg-Kaffeebechern sind es 50, bei Zigarettenkippen immerhin fünf Jahre.

Was tun? Am besten, möglichst wenig Plastik verbrauchen, sagt Anne Mäusbacher. Zusammen mit ihrer Familie hat sie deshalb damit begonnen, den heimischen Haushalt umzukrempeln. Das Bad sei bereits plastikfrei, sagt die 45-Jährige, aktuell sei die Küche an der Reihe. Für fast jeden Kunststoffbehälter gebe es Alternativen: Glasflaschen, Brotboxen aus Aluminium oder Kokosöl im Glas statt der Körpermilch aus der Kunststoffflasche.

Mit ihren Aktionen stößt Mäusbacher sogar bei ihrem Arbeitgeber, dem Sportartikel-Hersteller adidas, auf Wohlwollen. Sportschuhe, -kleidung und -ausrüstung bestehen häufig zu großen Teilen aus Kunststoffen. Doch es gibt keine Konflikte mit ihrem Projekt, sagt Mäusbacher. Im Gegenteil: Einer der Vorstände sammelt beim "Beach Clean Up" an diesem Samstag fleißig mit. Und das Unternehmen will 2017 Polyesterstoffe auf den Markt bringen, die komplett aus Recyclingmaterial hergestellt sind, erzählt die Marketing-Fachfrau.

Projekt mit Schülern

Veränderung beginnt stets im Kopf. Hier möchte die 45-Jährige mit ihrer neuen Idee "Beach Cleaner Botschafter" ansetzen, die in einer Teamarbeit während des Fernstudiums unter dem Titel "Kids for Ocean" entstanden ist. Zusammen mit Katharina Liß plant Mäusbacher ein Pilotprojekt am Labenwolf-Gymnasium. Mit möglichst vielen Schülern wollen sie gemeinsam Müll sammeln, den Plastikgebrauch im heimischen Haushalt dokumentieren, über Alternativen nachdenken und kunststofffreie Lösungen finden.

Letztlich, sagt Katharina Liß, geht es darum, dass die Jugendlichen verstehen, wie sie durch ihr Verhalten die Umwelt selbst beeinflussen können. Läuft das Pilotprojekt gut, dann wollen die beiden Macherinnen über das Gymnasium an das bayerische Kultusministerium herantreten. Mit dem Ziel, dass dieses Projekt in den Lehrplan Eingang findet, sagt Mäusbacher: "Es wäre natürlich mein Traum, wenn ich damit eines Tages Geld verdienen könnte."

Doch vorerst läuft alles rein ehrenamtlich. Auch die Sammelaktion am Wöhrder See. Nach weit mehr als zwei Stunden sind sechs große Müllsäcke voll Unrat zusammengekommen: Plastik- und Glasflaschen, Kronkorken und Zigarettenkippen — ja sogar ein altes Fahrrad. All das steht am Ende, sorgsam getrennt, auf dem Parkplatz am Norikus, wo Sör den Müll am Montag abholen wird.

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