Starke Aufholjagd gegen Hannover

2:2 nach 0:2: 17-jähriger Uzun rettet dem FCN das erste Heimspiel der Saison

Sebastian Gloser

Sportredakteur

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6.8.2023, 15:51 Uhr
Im Epizentrum des Nürnberger Glücks: Can Uzun trifft zwei Mal bei seinem erstaunlichen Startelf-Debüt in dieser Saison.

© Sportfoto Zink / Daniel Marr, Sportfoto Zink / Daniel Marr Im Epizentrum des Nürnberger Glücks: Can Uzun trifft zwei Mal bei seinem erstaunlichen Startelf-Debüt in dieser Saison.

Es ist ein ambitioniertes Ziel, das sie sich da beim 1. FC Nürnberg vorgenommen haben. Während sich die sportliche Führung nach der vergangenen Saison eher zurückhaltend gibt, ist Niels Rossow, der Kaufmännische Vorstand, in dieser Woche in die Offensive gegangen. 50.000 Mitglieder würde der Club gerne im Vereinsregister zählen bis zum 125. Geburtstag im Frühling 2025, maßgeblich dabei helfen könnten Erfolge der 1. Herren-Fußballmannschaft. "Ich hoffe, dass wir dazu beitragen können", sagte Christian Fiél, der Trainer dieser 1. Herren-Fußballmannschaft, vor dem ersten Heimspiel der neuen Runde.

Erstes Heimspiel, erstes Pfeifkonzert

Dass dies auch in dieser Saison nicht ganz so einfach werden könnte, davon hatte Fiél bereits in der Vorwoche in Rostock eine Ahnung bekommen, gegen Hannover 96 dauerte es dann gerade einmal 45 Minuten plus Nachspielzeit bis Nürnbergs neuer Cheftrainer sein erstes Pfeifkonzert im Max-Morlock-Stadion erlebte.

Nach sieben Minuten hatten die Gastgeber den Gästen auf gerade zu groteske Art und Weise einen Elfmeter geschenkt und weil ihnen dieses Kunststück in der 21. Minute noch einmal glückte, stand es durch die beiden durch den am Valznerweiher ausgebildeten Cedric Teuchert zur Pause 0:2. Eine weitere Halbzeit und eine erstaunliche Aufholjagd später hatte der 1. FC Nürnberg die zweite Partie der noch jungen Spielzeit immerhin noch 2:2 unentschieden gestaltet und zu einem versöhnlichen Ende gebracht.

Mit drei Wechseln in der Startelf wollte Fiél seine Mannschaft weiter verbessern. Für den verletzten Ivan Marquez rückte James Lawrence in die Innenverteidigung, für Lukas Schleimer durfte Jens Castrop beginnen, außerdem durfte der nach seiner Einwechslung in Rostock sehr auffällige Can Uzun diesmal von Beginn an ran. Tim Handwerker durfte dafür nur zuschauen, Nathaniel Brown rückte auf die Linksverteidigerposition. Dass der Trainer nach der Halbzeitpause gleich vier weitere Wechsel vornahm, zeigte, dass das mit der Verbesserung nur ein schöner Wunsch gewesen war.

Zwar ging der Club mit Schwung in dieses erste Heimspiel, nach sechs Minuten sorgten aber Christian Mathenia und Johannes Geis dafür, dass dieser Schwung sehr plötzlich zum Erliegen kam. Nürnbergs Torhüter spielte den eigentlich gut gedeckten Mittelfeldspieler an, ein versprungener Ball und ein gestrecktes Geis-Bein später gab es zurecht Elfmeter - und stand es wenig später nach Teucherts platziertem Elfmeter 0:1. Beim 0:2 stand Teuchert dann schon vor der Ausführung im Mittelpunkt. Nachdem die Club-Abwehr erstaunlich entblößt daherkam, durften die Hannoveraner gleich mehrmals ihr Glück versuchen, bevor der unglückliche Lawrence gegen Teuchert zur Grätsche ansetzte. Ob wirklich eine Berührung vorlag, darüber gaben auch die Fernsehbilder keinen finalen Aufschluss.

Während die Gäste also gar nicht allzu viel dafür tun mussten, die Laune rund um Hannover 96 aufzubessern, steuerte der 1. FC Nürnberg nach nur drei Halbzeiten auf die erste Krise der neuen Saison zu.

Can Uzun zeigt seine Klasse

Nach dem Seitenwechsel wurde es zunächst nicht besser für die Gastgeber. Als der eingewechselte Felix Lohkemper den Ball im Angriff vertändelte, wendete sich Fiél frustriert ab, nur eine Minute später hätte Louis Schaub alles klar machen können. Nachdem der Hannoveraner Mathenia bereits ausgespielt hatte, verpasste es Schaub den Ball ins leere Tor zu schieben und traf nur den Pfosten (53.).

Beim 1. FC Nürnberg hätte man das als Signal begreifen können, dass an diesem Tag doch noch etwas möglich ist, es dauerte dann aber noch einmal 13 Minuten, bis der Glaube tatsächlich zurück war im mit 30.012 Zuschauern besetzten Max-Morlock-Stadion. Lohkemper war vom Flügel in die Mitte gezogen, wo schon Uzun wartete, um seine überzeugende Leistung auch auf die Anzeigetafel zu bringen. Seinen platzierten Schuss konnte Ron-Robert Zieler nicht abwehren, der Anschlusstreffer zum 1:2 (66.) sorgte für einen Stimmungswechsel.

Zehn Minuten später konnte Havard Nielsen einen Kopfball von Ahmet Gürleyen auf der Linie entschärfen und Zieler im Anschluss den Versuch von Daichi Hayashi blocken, weitere zehn Minuten später drängte sich der Sommer-Neuzugang erneut in den Mittelpunkt. Nachdem Hayashi in den Strafraum der Hannoveraner gezogen war, nahm er den Körperkontakt von Bright Arrey-Mbi dankbar an, auch nach intensivem Videostudium nahm Schiedsrichter Patrick Alt den fragwürdigen Pfiff nicht zurück.

Dass sich Can Uzun den Ball schnappte, war nach den vorangegangenen 91 Minuten nur konsequent. Uzun lief an, tänzelte, drosch den Ball mit voller Überzeugung unter die Latte und ließ die Club-Fans doch noch ausgelassen jubeln an diesem Sonntagnachmittag, der so desaströs begonnen hatte. Als der Ball noch einmal im Tor der Gäste zappelte (90.+8), war Jan Gyamerah bei seinem Kopfball sehr eindeutig im Abseits gestanden. Es folgte: kein noch größeres Pfeifkonzert, sondern freundlicher Applaus.

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