Die nächste Niederlage

2:4 beim Letzten: Der Club kollabiert in Braunschweig

Fadi Keblawi
Fadi Keblawi

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2.9.2022, 20:32 Uhr
Und hinten jubeln wieder die anderen: Robert Klauß in Braunschweig.

© Sportfoto Zink / Daniel Marr, Sportfoto Zink / Daniel Marr Und hinten jubeln wieder die anderen: Robert Klauß in Braunschweig.

Dass man sich das Leben auch schön denken kann, an diese Übung haben sie sich in der vergangenen Woche beim 1. FC Nürnberg wieder erinnert. Das ganze Verletzungspech, das sie da bislang sehr treu durch die Saison begleitet, kann ja auch eine Chance sein.

Robert Klauß hat das so gesagt. Der Trainer verwies vor dem Spiel bei Eintracht Braunschweig darauf, dass durch die ständigen Ausfälle eben auch Spieler zu viel Spielzeit kommen, die sonst eher Ergänzungsrollen spielen würden. Und wenn dann alle wieder gesund zurückkehren in einer nicht so fernen Zukunft, dann wäre da plötzlich ganz viel Qualität beim Club.

Das Problem: Eigentlich will niemand so lange warten, ein wenig Qualität hätte also schon am Freitagabend in Braunschweig zu sehen sein sollen. Fazit: War auch so. Allerdings nur im ersten Durchgang und da dann letztendlich viel zu wenig. Der Club kollabiert in Braunschweig im zweiten Durchgang und verliert nach einer zweifachen Führung tatsächlich noch 2:4 (2:2).

Wieder einmal Wechsel in der Startelf

Vorab hatte Klauß seine Mannschaft wieder einmal umbauen müssen. Enrico Valentini schaffte es nur auf die Ersatzbank, nachdem er sich unter der Woche unwohl gefühlt hatte. Für ihn verteidigte Jan Gyamerah hinten rechts. Im Mittelfeld ersetzte erwartungsgemäß der genesene Lino Tempelmann den frisch operierten Fabian Nürnberger.

Und der Club fand so aufgestellt gut in die Partie gegen den noch sieglosen Tabellenletzten, von dem Klauß aber vor der Partie zu berichten wusste, dass er besser ist als sein Ruf und vor allem als sein Tabellenplatz. Zunächst einmal aber sah der Club besser aus als sein Ruf und sein Tabellenplatz.

Schönes Spiel

Das zuletzt immer mal wieder kritisierte Spiel nach vorne kam diesmal etwas flüssiger daher und wurde tatsächlich nach zehn Minuten schon das erste Mal belohnt. Nach einem abgefälschten Schuss von Tempelmann tauchte der Mittelfeldspieler Castrop in Mittelstürmerposition auf und grätschte den Ball freudlos über die Linie des Braunschweiger Tores.

Das Braunschweiger Publikum reagierte so wie man das von abstiegskämpfenden Standorten in Deutschland kennt - mit der lautstark formulierten Aufforderung zu mehr Kampf. Es bekam etwas anderes: Vor dem Spiel hatte Klauß eindringlich vor den schnellen Angriffen der Braunschweiger nach Ballverlusten des Gegners gewarnt. In der 13. Minute führte so ein Schnellangriff zum Ausgleich, als Kaufmann mit einem weiten Pass auf die Reise geschickt wurde, James Lawrence abhängte und ins kurze Eck traf.

Castrop treibt an

Angetrieben vom auffälligen, aber nicht fehlerfreien Castrop blieb der Club aber spielbestimmend. Nach 29 Minuten sah man das auch wieder dem Ergebnis an. Castrop hatte den Ball erobert, Möller Daehli einen feinen Pass auf Kwadwo Duah gespielt und der den Ball im Braunschweiger Tor untergebracht.

Dummerweise war Braunschweig nicht daran interessiert, sich jetzt schon den Gästen aus Franken zu ergeben. Lawrence rettete noch vor dem einschussbereiten Anthony Ujah (33.), war aber elf Minuten später auch nur interessierter Zuschauer, als dieser Ujah wieder nach einem schnellen Angriff zum erneuten Ausgleich abstaubte.

Genervter Trainer

Ein Spiel, wie man das hatte erwarten müssen nach den Worten von Klauß unter der Woche. Ein Spiel, das gerade deshalb einen sehr genervten Trainer in der Kabinenansprache zur Pause erlebt haben dürfte.

Auf jeden Fall dauerte die Unterhaltung vor dem Beginn der zweiten Halbzeit etwas länger, die Nürnberger kamen erst auf den Platz, als die Braunschweiger da schon einige Zeit verbracht hatten.

Vor allem fühlten sich die Braunschweiger wohler auf diesem Platz. Der Club eröffnete den zweiten Durchgang zwar mit einem Freistoß von Geis, den Fejzic zur Ecke lenkte, dann aber übernahm die Eintracht.

Pherai aus der Distanz

Ohne groß unter Druck gesetzt zu werden durfte Immanuel Pherai nach 59 Minuten am Nürnberger Strafraum entlanglaufen, zog dann ab und traf aus 18 Metern. Nur zwei Minuten später lagen nun vollkommen konzeptlose Nürnberger mit 2:4 im Rückstand - Kaufmann erzielte aus dem Gewühl heraus seinen zweiten Treffer des Abends. In den sechs Spielen zuvor waren der Eintracht nur drei Tore gelungen.

Jetzt waren es die 1500 Nürnberger Fans, die schimpften und fluchten - half aber nichts, ihre Mannschaft fand nicht zurück in ein Spiel, das sie sich sehr viel einfacher hätte machen können. Schöndenken konnte man sich das Geschehen danach aber nicht mehr.

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