Runder Geburtstag

Alles Gute, Legende! Club-Ikone Andreas Köpke wird 60 Jahre alt

Uli Digmayer
Uli Digmayer

Sportredaktion

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11.3.2022, 14:14 Uhr
2001 beendete Andreas Köpke in Nürnberg seine Profikarriere. Sohn Pascal (an der linken Hand) spielt heute ebenfalls für den Club.

© nas-nn-2001-15624.jpg, ARC 2001 beendete Andreas Köpke in Nürnberg seine Profikarriere. Sohn Pascal (an der linken Hand) spielt heute ebenfalls für den Club.

Die große Bühne hat Andreas Köpke abseits des Fußballplatzes nie gesucht. Sein Privatleben war dem neben Heiner Stuhlfauth wohl besten Torhüter, den der 1. FC Nürnberg jemals hatte, stets wichtiger als das Rampenlicht. Und so wird Köpke am Samstag auch seinen 60. Geburtstag feiern, wie es seinem norddeutsch-nüchternen Naturell entspricht. Keine große Party, keine Extravaganzen, sondern ein Fest mit der Familie, den Brüdern und den Eltern, in einem Hotel am Ostseestrand in seiner Geburtsstadt Kiel.

So richtig zum Feiern ist Köpke angesichts der globalen Krisenstimmung momentan eh nicht zumute, wie er der Deutschen Presse-Agentur (dpa) in einem Interview verriet: "Erst hatten wir Corona fast überstanden. Und jetzt haben wir den Ukraine-Krieg. Das ist unfassbar, dass das in der heutigen Welt noch möglich ist." Dabei hatte sich Köpke darauf gefreut, diese Welt gemeinsam mit Ehefrau Birgit endlich in Ruhe weiter entdecken zu können. "Erstmal in den Urlaub gehen" wollte Köpke, als er vor acht Monaten seinen Dienst bei der deutschen Fußball-Nationalmannschaft quittierte. Seit 2004 hatte sich der 59-fache Nationalkeeper als BTT (Bundestorwarttrainer) um seine Nachfolger gekümmert und versucht, sie noch ein Stückchen besser zu machen – ob sie nun Manuel Neuer, Marc-André ter Stegen, Kevin Trapp oder Bernd Leno hießen.

Kommen und gehen mit Jogi

Als Joachim Löw im vergangenen Jahr den Weg für einen Neubeginn freimachte, verabschiedete sich auch der BTT trotz eines noch bis zur WM in Katar laufenden Arbeitspapiers. "Ich bin mit Jogi gekommen und werde nach 17 Jahren mit ihm gehen", betonte er seine Loyalität zum Vorgesetzten, der längst ein Freund geworden war. Freilich dürfte Köpke auch geahnt haben, dass er als Relikt vergangener Tage beim DFB zu einer Art Auslaufmodell werden könnte.

Und ein Gespür für die Situation hat Köpke in seiner imponierenden Laufbahn schon immer ausgezeichnet. Etwa, als er im Januar 2001 während eines Trainingslagers in Portugal verkündete, nach der Saison die Handschuhe an den Nagel hängen zu wollen. Sollte der Club das Ziel Aufstieg erreichen, wäre das "der richtige Zeitpunkt und der optimale Abschluss meiner Karriere", sagte der damals fast 39-Jährige, der nach Stationen bei Eintracht Frankfurt und Olympique Marseille im Winter 1998 noch einmal als Hoffnungsträger nach Nürnberg zurückgekehrt war, den Sturz in die Zweite Liga aber nicht mehr verhindern konnte.

Der FCN stieg wieder auf, Köpke ging endgültig als Legende. Einen Status, den er sich vor allem in seiner ersten Ära am Valznerweiher verdient hatte, obwohl der Start sehr holprig verlief. Gleich in seinen ersten beiden Bundesliga-Spielen musste der gelernte KfZ-Mechaniker, den Heinz Höher 1986 von Hertha BSC zum Club geholt hatte, achtmal hinter sich greifen. Höher aber stärkte dem jungen Vertreter des verletzten Herbert Heider den Rücken: "Ich stehe voll hinter ihm und glaube, dass er seine Sache gut machen wird."

"Andy, wink amol!"

Das tat er. Die für einen Torhüter eher geringe Körpergröße von 1,82 Metern kompensierte Köpke durch enorme Sprungkraft, ausgeprägte Athletik, überragende Reflexe und eine hochprofessionelle Einstellung zum Beruf. Bald wurde der Ex-Berliner zum Publikumsliebling und zur Identifikationsfigur, das "Andy wink amol!" zum festen Ritual vor der Nordkurve. Und recht schnell hatten die Club-Fans erkannt, dass Nürnbergs Nummer eins auch Deutschlands Nummer eins sein sollte. Nach dem Rücktritt von Eike Immel war Köpke zwar in die Nationalelf berufen worden, den WM-Triumph 1990 in Italien durfte er aber nur als Nummer drei hinter Bodo Illgner und Raimond Aumann miterleben.

Die jahrelange Rivalität mit Illgner erlebte 1992 einen kuriosen Höhepunkt, als Köpke unter ekstatischem Jubel der Fans den direkten Konkurrenten im Kölner Tor mit einem souverän verwandelten Elfmeter düpierte. 1993 kürten Deutschlands Sportjournalisten Köpke als ersten und bislang einzigen Club-Profi zum Fußballer des Jahres. Irgendwann ließ sich auch Bundestrainer Berti Vogts überzeugen. 1996 führte ein überragender Köpke die DFB-Elf in England zum EM-Titel.

Ironie des Schicksals, dass just an der Stätte seines größten Triumphs 2021 auch Köpkes DFB-Karriere enden sollte, im EM-Achtelfinale gegen England in Wembley (0:2). Trotzdem ist da keine Wehmut. "Ich schaue schon mit einem gewissen Stolz zurück", sagte Köpke, der 2014 in Brasilien immerhin Weltmeister geworden ist, der dpa. Ob er noch einmal einen Job im Profigeschäft übernimmt, ist offen, er sei, sagt Köpke, "nicht unbedingt im Wartestand".

Ganz ohne Fußball geht es aber natürlich nicht. Seitdem Sohn Pascal von der Hertha nach Nürnberg zurückgekehrt ist, verfolgt Köpke, der auch noch zwei Töchter hat, den Club noch intensiver, "ich fiebere da mit wie verrückt". Gut, dass Köpke Junior erst am Sonntag in Hannover Tore schießen muss.

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