Verletzungssorgen

Baustelle Viererkette: Zwei Startelf-Debütanten springen beim Club in die Bresche

Uli Digmayer
Uli Digmayer

Sportredaktion

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10.8.2022, 06:00 Uhr
Club-Keeper Christian Mathenia (links) konnte seinem neuen Innenverteidiger James Lawrence nach dem 0:0 in Regensburg zu einer gelungenen Premiere gratulieren.

© Sportfoto Zink / Daniel Marr, Sportfoto Zink / Daniel Marr Club-Keeper Christian Mathenia (links) konnte seinem neuen Innenverteidiger James Lawrence nach dem 0:0 in Regensburg zu einer gelungenen Premiere gratulieren.

Der Abwehr-Viererkette zählte vergangene Saison zu den großen Konstanten beim 1. FC Nürnberg. Linksverteidiger Tim Handwerker stand in allen 34 Spielen auf dem Platz, zentral waren Asger Sörensen und Christopher Schindler (je 32 Einsätze) gesetzt, rechts räumte Enrico Valentini (30) ab, bis ihn in der Rückrunde der junge Kilian Fischer (20) verdrängte.

Nach drei Spieltagen ist von dieser eingespielten Defensivreihe nichts mehr übriggeblieben. Fischer (VfL Wolfsburg) und Sörensen (Sparta Prag) sind weg, Handwerker (Kreuzbandriss) und Schindler (Muskelverletzung) fallen mehr oder weniger lang aus. „So schnell kann es im Fußball gehen“, sagt Trainer Robert Klauß mit dem ihm eigenen Pragmatismus. Der 37-Jährige ist keiner, der lange hadert, sondern sich lieber mit den Realitäten arrangiert und stets lösungsorientiert denkt.

Beim 0:0 in Regensburg, wo vor allem die linken Kettenglieder neu aufgereiht werden mussten, hat das schon mal recht ordentlich funktioniert. Vor allem Debütant James Lawrence imponierte an der Seite von Florian Hübner mit einer souveränen Leistung. Die relativ kurze Eingewöhnungszeit war dem zuletzt vereinslosen und erst vor zwei Wochen als Sörensen-Ersatz nachverpflichteten Waliser kaum anzumerken.

„Die letzten zehn Minuten waren anstrengend, aber ich habe es geschafft. Das war wichtig für mich“, sagte Lawrence. Mit zunehmender Spieldauer wirkte der 29-Jährige, der in der Zweiten Liga 51 Mal für den FC St. Pauli auflief, immer sicherer und wagte auch den einen oder anderen öffnenden Pass.

Intensives Videostudium

„Man merkt einfach seine Erfahrung“, befand Torhüter Christian Mathenia und erwähnte lobend, dass sich Lawrence während der Woche im intensiven Videostudium mit Co-
Trainer Tobias Schweinsteiger „viel Mühe gegeben“ habe, die Abläufe zu verinnerlichen. „Wir sind froh, dass er hier ist“, schwärmte Johannes Geis vom neuen Kollegen, der am Dienstag wegen einer Adduktorenverhärtung allerdings nur individuell trainieren konnte. „Nach dem ersten Spiel nach langer Zeit über 90 Minuten ist das normal,“ beruhigte Klauß, bis zum Heimspiel am Freitag (18.30 Uhr) gegen den 1. FC Heidenheim sollte Lawrence wieder voll belastbar sein.

Von der Ruhe und Routine des Nationalspielers profitierte auch Nebenmann Erik Wekesser. „Es hat Spaß gemacht mit ihm. Und ich konnte auf dem Platz mein Englisch ein bisschen verbessern“, berichtete der 25-Jährige schmunzelnd. Wekesser selbst hatte an alter Wirkungsstätte einen eher turbulenten Arbeitstag erlebt.

Erst wenige Minuten vor dem Anpfiff war er durch den kurzfristigen Ausfall von Mats Möller Daehli erstmals in die Startelf gerutscht, wo er auf der linken Außenbahn Druck machen sollte. Nach fünf Minuten rotierte er dann nach hinten, um den maladen Handwerker zu ersetzen. Kein Problem, sagt Wekesser, „es wird ja von uns verlangt, dass man auf Knopfdruck da ist. Und ich habe immer gesagt, dass ich auf verschiedenen Positionen spielen kann.“

Vom Stürmer zum Linksverteidiger

Dass der Allrounder, der erst beim Jahn vom Stürmer zum Linksverteidiger umfunktioniert worden war, die Rolle etwas offensiver interpretieren dürfte, sieht sein Trainer nicht als Nachteil. „Wir haben ihn ja geholt, um da eine andere Alternative zu haben.“ Und gerade in Sachen Defensivarbeit habe Wekesser schon „richtig gute Schritte gemacht“ und auch in Regensburg überzeugt, lobte Klauß.

Auf das 0:0 lasse sich aufbauen, findet Wekesser, „es ist extrem wichtig in dieser Liga, dass man stabil steht. Da sind wir auf einem guten Weg.“ Auch gegen ähnlich unbequeme Heidenheimer sei „die richtige Einstellung die Basis. Bringen wir unsere Grundtugenden auf den Platz, haben wir so viel Qualität im Kader, dass wir jeden schlagen können.“ Sogar mit neuformierter Viererkette.

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