Keine Ausstiegsklausel

Beerbt Hecking in Gladbach Eberl? Club-Chef Grethlein bleibt gelassen

Uli Digmayer

Sportredaktion

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28.1.2022, 16:20 Uhr

Sein Handy hatte Dieter Hecking am Freitag ausgeschaltet, auch die Mailbox war deaktiviert. Man kann natürlich annehmen, dass der Sportvorstand des 1. FC Nürnberg das spielfreie Wochenende einfach mal ungestört genießen wollte, fern der Aufgeregtheiten des Fußballgeschäfts, wahrscheinlich sogar daheim auf dem Bauernhof in Bad Nenndorf, im Kreise der Familie. Vielleicht ahnte Hecking aber auch einfach, welche Flut an Anrufen auf ihn an diesem Freitag einprasseln würde. Mit Fragen, auf die er aktuell entweder keine Antworten geben kann oder möchte.

Hecking, so hat es jedenfalls die "Bild-Zeitung" berichtet, soll bei Borussia Mönchengladbach ein sehr ernsthafter Kandidat für die Nachfolge von Max Eberl sein, der am Freitag in einer emotionalen Pressekonferenz seinen freiwilligen Abschied vom Bökelberg nach 23 Jahren bestätigt hat. Eine reflexhafte, aber nicht ganz unlogische Spekulation, weil Hecking beim fünfmaligen deutschen Meister ja bekanntlich von Januar 2017 bis Mai 2019 sehr erfolgreich als Trainer tätig gewesen ist und trotz seines nicht ganz freiwilligen Abschieds nach wie vor gute Kontakte nach Gladbach gepflegt haben soll, insbesondere zu: Max Eberl. „Ich weiß, dass der Verein auf einem sehr, sehr guten Weg ist, einen Nachfolger zu finden“, orakelte Eberl.

Vertrag noch bis 2023

Insofern liegt der Gedanke nahe, dass Hecking seinen ehemaligen Weggefährten und Vorgesetzten nun beerben könnte. Der Umstand, dass der 57-Jährige seit 2020 ja eigentlich als Sportvorstand in Nürnberg arbeitet und sein Vertrag am Valznerweiher auch noch bis zum Sommer 2023 läuft, dürfte aus dem Blickwinkel eines Bundesligisten, der für seinen Wunschtrainer mal eben 7,5 Millionen Euro an Eintracht Frankfurt überwiesen hat, eine überwindbare Hürde darstellen.

Nicht zuletzt ist Hecking auch nicht dafür bekannt, reizvollen neuen Aufgaben prinzipiell ablehnend gegenüberzustehen. Das musste man 2006 bei Alemannia Aachen erfahren, wo der frühere Profi als Trainer eine Ausstiegsklausel nutzte, um sich zu Hannover 96 zu verabschieden. Das gleiche wiederholte sich kurz vor Weihnachten 2012 in Nürnberg, als Hecking in einer Nacht- und Nebelaktion dem Werben des VfL Wolfsburg nachgab – und den Club schmählich im Stich ließ, wie nicht wenige Fans noch heute finden.

Keine Ausstiegsklausel

Nur: Diesmal gibt es keine Ausstiegsklausel, das hatte Hecking bei seiner Rückkehr auf Nachfrage auch schmunzelnd bestätigt. Und deshalb ist Thomas Grethlein auch „sehr gelassen“, was ein Deja-vu mit seinem leitenden Angestellten betrifft. „Ich halte das lediglich für ein Gerücht und kann mir das nicht vorstellen“, sagt der Aufsichtsratsvorsitzende, Gespräche mit Hecking oder gar konkrete Verhandlungen habe es in dieser Angelegenheit bislang nicht gegeben. Grethlein ist überzeugt, dass Hecking die am Valznerweiher begonnene Aufbauarbeit gemeinsam mit Sportdirektor Olaf Rebbe und Cheftrainer Robert Klauß fortführen will.

Heißen muss das freilich nicht viel. Gerade in wirtschaftlich herausfordernden Pandemie-Zeiten dürfte das Schildchen „unverkäuflich“ beim klammen Club weder auf Spielern noch Trainern noch Sportvorständen pappen. Sollte sich Grethlein also täuschen, könnte der Verein zumindest auf eine stattliche Ablösesumme in Millionenhöhe pochen. Man darf gespannt sein, wann Dieter Heckings Handy wieder eingeschaltet ist.

Kehrt Sportvorstand Dieter Hecking dem Club bald wieder den Rücken?

Kehrt Sportvorstand Dieter Hecking dem Club bald wieder den Rücken? © Sportfoto Zink / Daniel Marr, Sportfoto Zink / Daniel Marr

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