Konstante beim FCN

Club-Aufsichtsratsboss Grethlein: "Der Preis wäre zu hoch gewesen"

Foto: Eduard Weigert Datum: 27.3.19..Wolfgang Laass....Mitarbeiterportrait
Wolfgang Laaß

NN-Sportredaktion

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30.11.2022, 06:00 Uhr
Geht in sein neuntes Jahr als Aufsichtsratsvorsitzender des 1. FC Nürnberg: Dr. Thomas Grethlein.

© Sportfoto Zink / Daniel Marr, Sportfoto Zink / Daniel Marr Geht in sein neuntes Jahr als Aufsichtsratsvorsitzender des 1. FC Nürnberg: Dr. Thomas Grethlein.

Herr Grethlein, sie gehen in ihr neuntes Jahr als Vorsitzender des Aufsichtsrates – verraten Sie uns ihr Erfolgsgeheimnis?

Erfolge liegen nicht in Ämtern. Obwohl es mich außerordentlich ehrt und freut, dass mir das Gremium wieder das Vertrauen schenkt. Erfolge strebe ich mit meiner Arbeit als Vorsitzender an.

Woher nehmen Sie nach wie vor die Zeit und vor allem die Motivation für den ehrenamtlichen Posten, der Sie wieviele Stunden pro Wochen kostet?

Das Amt ist in der Tat sehr zeitintensiv. Gelegentliche Fulltime-Job-Wochen wechseln sich aber auch mit ruhigeren Wochen ab. Die Motivation nehme ich aus der professionellen, hervorragenden Zusammenarbeit, auch mit dem Vorstand. Und natürlich daraus, dass wir immer wieder Entscheidendes und Richtungsweisendes auf den Weg bringen.

Es droht dem Club eine saftige DFL-Strafe wegen des Verstoßes gegen die Eigenkapital-Auflage – hat der Aufsichtsrat, obwohl es seine Aufgabe ist, seinen Kaufmännischen Vorstand etwa nicht präzise genug kontrolliert? Wäre die DFL-Strafe zu verhindern gewesen?

Die Entscheidung zur Eigenvermarktung hat uns zunächst viel Geld gekostet, wurde vom Aufsichtsrat aber durchaus mehr als nur mitgetragen. Auch wenn sich die Steigerung auf der Ertragsseite sehen lassen kann, gibt es auf der Aufwandsseite noch Potential. Allerdings gibt es hier Grenzen, denn wir müssen im Spielbetrieb darauf achten, wettbewerbsfähig zu bleiben. Ebenso wollen wir ein leistungsfähiges NLZ, da es für die Zukunft des 1. FC Nürnberg strategisch entscheidend ist.

"Wir wollen soziale Härten vermeiden"

Freilich sind die Gesamtaufwendungen weiter zu reduzieren, weil sie den Gegebenheiten der Zweiten Liga angepasst werden müssen. Das ist, wie ich auf der Mitgliederversammlung gesagt habe, eine Herkulesaufgabe für den Vorstand. Wir wollen soziale Härten bei den MitarbeiterInnen vermeiden. Unter dieser Prämisse lässt sich ein ausgeglichener Haushalt nicht von heute auf morgen umsetzen – insbesondere wenn wir sportlich hinter den Erwartungen zurückbleiben. Der Preis in Form eines Verzichts auf Eigenvermarktung oder eine dramatische Kürzung im Spieleretat, der für eine sichere Vermeidung der DFL-Strafe erforderlich gewesen wäre, wäre uns allen zu hoch gewesen.

Sie wollten trotz des enttäuschenden Saisonverlaufs unbedingt mit Sportvorstand Dieter Hecking verlängern. Gab es auch andere Pläne? Andere Kandidaten?

Nicht unbedingt, aber aus Überzeugung. Selbstverständlich wägt der Aufsichtsrat eine derart weitreichende Entscheidung sorgfältig ab. Und allein schon weil Herr Hecking seine privaten und beruflichen Perspektiven ausloten wollte, wäre es fahrlässig gewesen, wenn sich der Aufsichtsrat nicht auch mit Alternativen beschäftigt hätte. Dennoch waren und sind wir von der Arbeit von Herrn Hecking, die sich ja nicht nur in der Tabellensituation niederschlägt, überzeugt und haben uns aus mittel- und längerfristigen strategischen Erwägungen für eine Verlängerung entschieden.

Sandra Hummel - die erste Frau im Aufsichtsrat

Mit Blick auf die anstehenden Projekte wie die Gründung von Tochtergesellschaften und deren Beaufsichtigung – kann man sagen, dass der Aufsichtsrat noch nie so wichtig war wie jetzt?

Mit der zunehmenden Professionalisierung des Aufsichtsrats, die wir seit meinem Amtsantritt erreicht haben, hat die Bedeutung des Aufsichtsrats im Verein ohnehin zugenommen. Und ja, mit jeder potenziellen Ausweitung unserer Geschäftstätigkeit wird der Aufsichtsrat wichtiger.

Mit Sandra Hummel ist erstmals in der Vereinsgeschichte eine Frau in den Aufsichtsrat eingezogen – welche Erwartungen verbinden Sie mit ihrer Wahl?

Meine Kollegen und ich freuen uns sehr darüber, dass wir nun eine erste weibliche Stimme im Gremium haben. Gemischte Teams, das belegen zahlreiche Studien, arbeiten erfolgreicher. Außerdem ist eine Stimme mit intensivem Fan-Hintergrund sicherlich auch ein Gewinn – zumal Sandra Hummel ja darüber hinaus zahlreiche hilfreiche Kompetenzen für die Arbeit im Gremium aufzuweisen hat. Mit ihr kommen sicher ein anderer Blick und frische Ideen in den Aufsichtsrat.

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