Unschöne Serie

"Lange darf das nicht dauern": Der Club im ständigen Verletzungspech

Fadi Keblawi
Fadi Keblawi

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30.8.2022, 15:37 Uhr
Manchmal tun sie sich auch gegenseitig weh: James Lawrence und Christian Mathenia nach einem Zusammenprall am Samstagabend.

© Sportfoto Zink / Daniel Marr, Sportfoto Zink / Daniel Marr Manchmal tun sie sich auch gegenseitig weh: James Lawrence und Christian Mathenia nach einem Zusammenprall am Samstagabend.

Es war schon spät am Samstagabend, als Robert Klauß noch einmal lächelte. Also nicht so ein strahlendes Lächeln, eher eines, das in Richtung süß-sauer geht. Für das strahlende Lächeln gab es auch keinen Grund, der 1. FC Nürnberg und damit auch sein Trainer Robert Klauß hatten ja gerade 0:2 gegen den Hamburger SV verloren.

Für das süß-sauere Lächeln gab es schon einen Grund, schon wieder einen mehr. Klauß war gefragt worden, warum er in der Halbzeitpause Fabian Nürnberger vom Platz genommen hatte. Also, lächeln und die gesprochene Antwort: "Der war schlecht heute, deswegen habe ich ihn rausgenommen."

Das erstaunte ein wenig, weil Nürnberger tatsächlich auffällig war im ersten Durchgang. Nicht auffällig gut, aber noch weniger auffällig schlecht. Dann verschwand das Lächeln und Klauß erzählte vom nächsten Verletzten in einer doch schon langen Reihe beim FCN in dieser Saison. Nürnberger sei "richtig gut gewesen", sagte Klauß, nur eben war Nürnberger bei einem Zweikampf auch auf den Arm gefallen und musste ins Krankenhaus gebracht werden. Am Sonntag sah man den Mittelfeldspieler dann mit einer Schiene am Rand des Trainingsplatzes stehen.

Eine genaue Diagnose erwartet der Verein für den Dienstag, Klauß konnte immerhin am Sonntag schon ausschließen, dass etwas gebrochen ist. Selbst wenn es also nichts dramatisches ist, passt Nürnberger Verletzung zu einer schlechten Serie des Clubs in dieser Spielzeit. Schon am ersten Spieltag beim FC Sankt Pauli hatten sie kurzfristig umbauen müssen, weil Johannes Geis über Nacht krank geworden war. Seitdem muss Klauß ständig irgendwo Lücken füllen.

Klauß klagt

Vor dem Spiel gegen den HSV hatte sich im Abschlusstraining Taylan Duman verletzt, er fehlt jetzt auch erst einmal mit seiner Außenbandsverletzung. Lino Tempelmann musste ebenso passen, bei Christopher Schindler reichte die Kraft nach seiner Verletzungspause noch nicht für 90 Minuten und Mats Möller Daehli hatte zuletzt das erste Mal seit langer Zeit eine komplette Trainingswoche absolvieren können. Zu allem Überfluss mussten sie auch Innenverteidiger James Lawrence gegen den HSV verletzt vom Platz holen.

"Es ist auffällig, dass wir immer wieder kleinere Verletzungen haben", sagte nach dem Spiel Klauß zur Misere, "Verletzungen, für die wir nichts können." Er meint damit, dass es zumindest vordergründig keine Verletzungen, die durch zu hohe Belastung im Training begründet sind. Mal knickt einer um, mal wird einer gefoult - ständig fehlt jemand. Und dann kommen zu den kleinen noch die großen Verletzungen: Pascal Köpke, Lukas Schleimer und Tim Handwerker fehlen oder fehlten lange Zeit.

Es leidet die Eingespieltheit

Die Konsequenz: "Wir müssen auch Spieler mal auf Positionen stellen, wo sie noch nicht so häufig gespielt haben", sagt Klauß. Eine weitere Folge: Spieler, die eher nicht zur ersten Elf gehören, bekommen viel Spielzeit - Jens Castrop oder Sadik Fofana zum Beispiel. Das Problem: Auch die "Eingespieltheit" (Klauß) leidet unter den ständigen personellen Wechseln - auch das ein Grund für nur sieben Punkte aus sechs Spielen.

Zwar hat Sportvorstand Dieter Hecking in der vergangenen Woche angemahnt, dass genug Spieler da sind, um das Pech zu kompensieren, "allzu lang", sagte jetzt Klauß geht das allerdings nicht.

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