Zengers Taktiktafel: der SV Sandhausen

Stabiler Alois-Schwartz-Fußball

22.4.2022, 13:42 Uhr
Ein 1:1 in Bremen? Das hat der Ex-Nürnberger Dennis Diekmeier (Zweiter von links) mit seinem SV Sandhausen kürzlich auch geschafft.

© Carmen Jaspersen, dpa Ein 1:1 in Bremen? Das hat der Ex-Nürnberger Dennis Diekmeier (Zweiter von links) mit seinem SV Sandhausen kürzlich auch geschafft.

Wie war das Hinspiel?

Wenn der Trainer der siegreichen Mannschaft sich nach der Partie bei den Einwechselspielern bedankt und „während des Spiels mit der Art und Weise, wie wir gespielt haben, nicht zufrieden“ war, ist schon vieles gesagt. Robert Klauß vom 1. FC Nürnberg war trotz des Last-Minute-Sieges in Sandhausen wenig erfreut: „Wir haben in der ersten Halbzeit mit zu wenig Tempo gespielt, haben zu viele technische Fehler gemacht.“ Dabei spielte Sandhausen mehr oder weniger genau das, was man von einer Mannschaft von Alois Schwartz erwarten konnte.

Sandhausen stand tief, überließ dem FCN den Ball – 73 Prozent Ballbesitz standen am Ende des Spiels zu Buche – und setzte auf Konter. So hatten die Kurpfälzer eine ganze Reihe von Gelegenheiten nach Nürnberger Ballverlusten. Am Ende der Partie standen für Sandhausen sogar mehr expected Goals zu Buche, die Chancenqualität der Gastgeber war also höher.
Der Club tat sich derweil schwer, mit seinem 4-4-2 mit Raute in den Strafraum einzudringen.

Nach 75 Minuten wechselte Klauß, sorgte mit seinem Wechsel auf ein 4-3-3 dafür, dass der Strafraum besser besetzt war und brachte fünf neue Spieler. Zwei von ihnen – Nürnberger und Shuranov – trafen in den letzten zehn Minuten, zwei andere – Schäffler und Borkowski – waren auch am Siegtor in der dritten Minute der Nachspielzeit beteiligt. Am Ende verlor Sandhausen im ersten Spiel nach einer Corona-Quarantäne nicht nur wegen der Umstellungen des FCN, sondern auch, weil am Ende einfach die Kraft fehlte.

Was ist seitdem anders?

In Sachen Spielweise nicht allzu viel. Wer Alois Schwartz als Trainer verpflichtet, der bekommt Alois-Schwartz-Fußball. Der ist defensiv solide und offensiv einfach, geradlinig und auf Konter ausgerichtet. So überrascht es nicht, dass Sandhausen die Mannschaft mit dem geringsten Ballbesitz in der Zweiten Liga ist und auch in Sachen eigene Tore weit hinten liegt.

Allerdings ist der SVS in Sachen Qualität der Chancen überraschend gut unterwegs: Betrachtet man die expected Goals pro Schuss, so sind die Kurpfälzer sogar die zweitbeste Mannschaft in der Zweiten Liga. Das Problem: Niemand schießt seltener aufs gegnerische Tor. Nur 8,4 Schüsse pro 90 Minuten liefert Sandhausen ab. Das sind vier weniger als der FCN und fast sieben weniger als Tabellenführer Werder Bremen.

Obwohl die Grundprinzipien des Schwartz’schen Fußballs auch in Nürnberg wohlbekannt sind, so hat der 55-Jährige tatsächlich über die Winterpause einige Dinge verändert. Statt im 4-1-4-1 spielt Sandhausen nun meist im 4-2-3-1. Das Zentrum wurde durch Innenverteidiger Dumic und Sechser Trybull deutlich gestärkt. Das alles hat zur Folge, dass Sandhausen in der Rückrundentabelle auf Rang vier liegt und von allen Zweitligisten die wenigsten Gegentore kassiert hat, lediglich elf Mal musste Patrick Drewes ab dem 18. Spieltag hinter sich greifen.

Wer sind die Top 2 unter 23?

War in der Vorwoche mit Bremen eine Mannschaft Gegner, die wie der Club verstärkt jungen Spielern Einsatzzeiten gibt, trifft Nürnberg am Sonntag auf einen Gegner, der den gegensätzlichen Ansatz verfolgt. Gerade einmal dreieinhalb Prozent aller Einsatzminuten entfielen auf U23-Spieler. Zwei der eingesetzten U23-Spieler – Ouahim und Conteh – haben den Verein im Winter sogar verlassen, so dass derzeit überhaupt nur vier Spieler im Kader stehen, die jünger als 24 sind: Winterneuzugang Alou Kuol und Torwart Benedikt Grawe haben noch keine Minute gespielt. Ahmed Kutucu, im Januar von Istanbul Başakşehir ausgeliehen, stand direkt nach seiner Verpflichtung beim 0:3 gegen Jahn Regensburg in der Startelf und hatte seitdem nur sporadische Kurzeinsätze.

Auch der vierte im Bunde, Christian Kinsombi, kommt auf die Saison gesehen nur auf wenige Einsatzminuten – nicht einmal ein Viertel der möglichen Einsatzzeit. Doch in vier der letzten sechs Spiele stand der Bruder von HSV-Profi David Kinsombi in der Startelf, agierte als linker Mittelfeldspieler im 4-2-3-1 und verdrängte Wintertransfer Erich Berko. Dabei kommt Kinsombi zugute, dass er in den Zweikämpfen etwas stärker ist und so noch mehr zur Absicherung beitragen kann. Etwas, das bei Alois Schwartz immer gut ankommt. Am Samstag gegen St. Pauli setzte Schwartz deshalb auch auf den aus Fürth ausgeliehenen Nils Seufert als linken Mittelfeldspieler. Kinsombi kam erst in der Schlussphase.

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