Testspiel gegen die Gunners

Zehn Dinge, die Club-Fans über den FC Arsenal wissen sollten

Uli Digmayer
Uli Digmayer

Sportredaktion

E-Mail zur Autorenseite

8.7.2022, 12:17 Uhr
Ein bekanntes Gesicht aus der Bundesliga: Der frühere Gladbacher Granit Xhaka kommt mit dem FC Arsenal ins Max-Morlock-Stadion.

© Julian Finney, dpa Ein bekanntes Gesicht aus der Bundesliga: Der frühere Gladbacher Granit Xhaka kommt mit dem FC Arsenal ins Max-Morlock-Stadion.

Was hat dieses Arsenal denn so zu bieten?

Allerhand. Der 1886 in Woolwich in den Docklands im Südosten Londons von Arbeitern des Rüstungsfabrikanten "Royal Arsenal" zunächst unter dem Namen Dial Square gegründete Verein, der später in den Stadtteil Holloway umzog, gehört mit 13 englischen Meisterschaften und 14 FA-Cup-Siegen (Rekord!), zwei Erfolgen im Liga-Pokal und 16 Supercup-Siegen zu den erfolgreichsten Fußballclubs auf der Insel. 1970 gewannen die Gunners zudem den Messepokal (Vorläufer des UEFA-Cups) und 1994 den Europapokal der Pokalsieger.

Warum sollte man nicht Arsenal London sagen?

Die Bezeichnung ist im deutschsprachigen Raum zwar recht verbreitet, aber eigentlich ebenso falsch wie etwa Chelsea London, Benfica Lissabon oder Hertha BSC Berlin. Besser: FC Arsenal, Arsenal FC, (The) Arsenal oder eben The Gunners - der Spitzname spielt auf die Kanone im Vereinswappen an.

Welche aktuellen Spieler sollte man denn kennen?

Mit einem Marktwert von 65 Millionen Euro ist Bukayo Saka aktuell der wertvollste Profi im Kader (Gesamtwert rund 698,2 Millionen). Das 20-jährige Eigengewächs erzielte bislang in 97 Premier-League-Spielen 17 Tore und bereitete 16 weitere vor. Im EM-Finale 2021 versagten Saka ebenso wie zuvor Jadon Sancho und Marcus Rashford im Elfmeterschießen gegen Italien die Nerven. Dass sich das Trio danach rassistischen Beleidigungen und Anfeindungen ausgesetzt sah, löste in England eine Welle der Solidarität aus.

Auf immerhin 45 Millionen Marktwert bringt es der Norweger Martin Odegaard, der einst als Fußball-Wunderkind galt und bereits mit 16 Jahren einen Profivertrag bei Real Madrid unterschrieb. Ebenfalls nicht ganz billig zu haben: Innenverteidiger Ben White, Mittelfeldmann Emile Smith Rowe und Linksaußen Gabriel Martinelli (je 40 Millionen), Innenverteidiger Gabriel und der ghanaische Defensivstratege Thomas Partey (je 38 Millionen) sowie Linksverteidiger Kieran Tierney (32 Millionen).

Wer sind die neuen Hoffnungsträger?

52 Millionen Euro Ablöse hat Arsenal jüngst für Mittelstürmer Gabriel Jesus an Manchester City überwiesen, obwohl der 25-Jährige beim amtierenden Meister oft nur Ergänzungsspieler war. Der Brasilianer ist nach Marquinhos (São Paulo, 3,5 Millionen), Torwart Matt Turner (New England Revolution, 6,3 Millionen) und dem portugiesischen U21-Nationalspieler Fábio Vieira (FC Porto, 35 Millionen) der bislang vierte Neuzugang und soll die durch die Abgänge von Pierre-Emerick Aubameyang (FC Barcelona) und Alexandre Lacazette (Olympique Lyon) entstandene Lücke im Angriff schließen.

Wen kennt man aus der Bundesliga?

Knapp drei Jahre lang war Bernd Leno dem FC Arsenal in über 100 Einsätzen in der Premier League meist ein verlässlicher Rückhalt. Im September 2021 verlor der frühere Leverkusener, der auch neunmal das Tor der deutschen Nationalmannschaft hütete, plötzlich seinen Stammplatz an Aaron Ramsdale und trägt sich seitdem mit Abwanderungsgedanken. "Ich will nicht sagen, dass ich ein Bauernopfer war, aber wenn die Ergebnisse nicht stimmen, geht es im Fußball manchmal schnell", sagte der 30-Jährige, dessen Vertrag noch bis 2023 läuft, in einem Interview von "Spox" und "Goal".

Auch um den Schweizer Mittelfeldspieler Granit Xhaka, der 2016 von Borussia Mönchengladbach nach London gewechselt war, gibt es immer wieder einmal Transfergerüchte. Der Ex-Kapitän hat bei vielen Fans einen schweren Stand. "Es ist nicht einfach so, dass sie mich nicht mögen. Es ist Hass, purer Hass. Dieses Level an Hass und Respektlosigkeit wünsche ich meinem ärgsten Feind nicht", sagte Xhaka gegenüber "The Players Tribune" und gestand: "Ich weiß, dass wir nicht mehr beste Freunde werden, aber ich hoffe, wir können uns mit Ehrlichkeit und Respekt behandeln."

Wer sitzt auf der Trainerbank?

Im Dezember 2019 kehrte der frühere Arsenal-Kapitän Mikael Arteta zu den Gunners zurück, um nach der Entlassung von Unai Emery und einem Intermezzo von Interimscoach Freddie Ljungberg seine erste Stelle als Cheftrainer anzutreten. Erste Erfahrungen hatte der Spanier zuvor als Assistent von Pep Guardiola bei Manchester City gesammelt.

Wie lief die letzte Saison so?

Weil sich der Tabellenvierte Tottenham am letzten Spieltag in Norwich (0:5) keine Blöße mehr gab, sollte Arsenal auch eine 5:1-Gala gegen Everton nichts mehr nützen. Als Tabellenfünfter verpassten die Londoner mit zwei Punkten Rückstand auf den Lokalrivalen die angestrebte Champions-League-Teilnahme.

Wieso spielt Arsenal überhaupt gegen den Club?

Unter normalen Umständen wäre ein solch hochkarätiger Testgegner für den 1. FC Nürnberg wohl kaum finanzierbar. Weil die Londoner derzeit aber auf dem Home Ground des Herzogenauracher Sportartikelherstellers adidas ihr Trainingslager bezogen haben, bot sich der Ausflug ins nahe Nürnberg an. Der Kaufmännische Vorstand Niels Rossow spricht von einem "richtigen Schmankerl" und hofft auf mindestens 35 000 Zuschauer. Bis Montag waren rund 17 000 Tickets verkauft, noch sind Karten in allen Kategorien und Preisklassen erhältlich (Haupttribüne 35 Euro, Gegengerade 25 Euro, Sitzplatz Nordkurve 20 Euro, Stehplatz Nordkurve zehn Euro). Wer es sich leisten möchte, kann auch das VIP-Paket für 160 Euro buchen.

Gibt es Spieler, die schon für Arsenal und den FCN aufliefen?

In der Saison 2009/10 hatten die Londoner den talentierten Norweger Havard Nordtveit für ein Jahr nach Nürnberg verliehen. Im Januar 2020 kam Konstantinos Mavropanos ebenfalls auf Leihbasis bis Saisonende zum Club, wo sich der kantige Innenverteidiger mit starken Auftritten für ein Bundesliga-Engagement beim VfB Stuttgart empfahl. Legendär ist die Geschichte von Alberto Méndez, der einst in der Jugend des FCN gespielt hatte und 1996 bei einem Landesliga-Spiel des SC Feucht gegen den ESV Rangierbahnhof von Arsenals Trainerikone Arsene Wenger höchstpersönlich beobachtet wurde. Im Jahr darauf wechselte der technisch versierte Offensivspieler tatsächlich für eine Ablöse von 600 000 Mark zu den Gunners, wo er sich zwar nie durchsetzen konnte, aber immerhin in der Champions League gegen Panathinaikos Athen traf.

Wie sollte man sich auf dieses Spiel vorbereiten?

Falls nicht schon geschehen, am besten noch schnell "Fever Pitch" von Nick Hornby lesen. Im vielleicht besten Fußballbuch der Welt erklärte der englische Kultautor 1992 seine mitunter bizarre Leidenschaft für diesen Sport und einen Verein, der ihn schon so oft enttäuscht hat. "Ich verliebte mich in den Fußball, wie ich mich später in Frauen verlieben sollte: plötzlich, unerklärlich, unkritisch und ohne einen Gedanken an den Schmerz und die Zerrissenheit zu verschwenden, die damit verbunden sein würden", schreibt Hornby. Ein Gefühl, das gerade Club-Fans irgendwie seltsam vertraut vorkommen dürfte.

Verwandte Themen


1 Kommentar