Abermals unfassbar: Überlegener Club verliert in Gladbach

9.11.2013, 20:27 Uhr
Da geht's dahin: Niklas Stark befördert den Ball zum 1:2 ins eigene Netz.

© Sportfoto Zink Da geht's dahin: Niklas Stark befördert den Ball zum 1:2 ins eigene Netz.

Gertjan Verbeek nahm gegenüber der bitteren 0:3-Pleite gegen Freiburg zwei Veränderungen in seiner Startelf vor. Für den verletzten Robert Mak (Fußprellung) erhielt Markus Feulner das Mandat auf der rechten Seite, ins zentrale Mittelfeld rückte Mike Frantz für Niklas Stark.

Bemerkenswertes passierte schon vor dem Anpfiff: Kapitän Raphael Schäfer wurde von den 2500 mitgereisten Fans nach den Geschehnissen der letzten Tage mit Applaus begrüßt. Alles schien angerichtet für den ersten Sieg der laufenden Saison.

Die Hausherren übernahmen mit ihrer makellosen Heimbilanz im Rücken (fünf Spiele, fünf Siege) zunächst die Initiative und drängten auf das Nürnberger Tor. Doch die erste Torchance der Partie hatten die Rot-Schwarzen. Drmic wurde nach acht Minuten per Steilpass sehenswert freispielt, brachte den Ball sogar an Marc-André ter Stegen vorbei, doch dem Versuch des Schweizers aus ungünstigem Winkel fehlte der letzte Punch. Drei Minuten später konterte der Club mit Tempo. Am Ende des Konters landete der Ball bei Hiroshi Kiyotake, der zentral im gegnerischen Sechzehner zum Schuss kam, der Versuch war jedoch leichte Beute für ter Stegen.

Drmic eiskalt

In der 15. Minute hatte der Borussen-Schlussmann Glück, dass Kiyotake nach einem weiteren Gegenstoß den Schnittstellenpass auf Feulner ein wenig zu schlampig spielte und der rechte Mittelfeldmann des FCN das Leder nicht richtig kontrollieren konnte. Es lag in der Luft, es war hochverdient und - anders als gegen Freiburg - es fiel, das Nürnberger Führungstor: Mike Frantz erkämpfte im Mittelfeld den Ball, nach Zwischenstation Feulner landete der Ball bei Kiyotake, der mit einem sehenswerten Pass Drmic in Szene setzte, der diesmal eiskalt blieb und das Sportgerät zur Nürnberger Führung in die Maschen schob.

Die Hausherren waren im Anschluss sichtlich geschockt. Die Offensivbemühungen blieben in Ansätzen stecken, auch durch das disziplinierte und zügige Umschaltverhalten der Verbeek-Elf. Lucien Favre, ausgewiesener Stratege und Taktikfuchs, malträtierte auf der Gladbacher Bank seinen Notizblock mit allerlei Kritikpunkten für die Halbzeitansprache. Vorher meldeten sich seine Fohlen aber nochmal im gegnerischen Strafraum zu Wort. Raffael narrte in der 42. Minute Timothy Chandler, legte auf Juan Arango ab, doch Raphael Schäfer bewies mit einer Glanztat ein weiteres Mal, dass sein Wert für den FCN nach wie vor immens ist. Zwei Minuten später zischte ein Flachschuss von Borussen-Shootingstar Max Kruse knapp an Schäfers Gehäuse vorbei.

Auf der Gegenseite gelangte Kiyotake im Strafraum an den Ball, bekam aber Rücklage und drosch das Leder in Richtung Gladbacher Fanblock. Knapp drüber zielte in der ersten Minute der Nachspielzeit auch Feulner, der eine Plattenhardt-Flanke über die Latte köpfte. Mit 1:0 ging es in die Pause. Der FCN hätte durchaus höher führen können, war offensiv das klar bessere Team und ließ defensiv so gut wie nichts anbrennen. Alle Unkenrufe, die Niederlage nebst Begleiterscheinungen der Vorwoche hätten die FCN-Akteure mutlos und verzweifelt werden lassen, bewahrheiteten sich nicht im geringsten. 

Drmic zu Fall gebracht

Wer nach dem Pausentee mit einem Sturmlauf der Fohlen gerechnet hatte, wurde herb enttäuscht. Wie in Halbzeit eins waren die meisten Angriffsbemühungen schnödes Stückwerk. Der Club suchte trotz Vorsprung weiter die Offensive, in der 53. Minute wurde es darüberhinaus auch noch brenzlig. Drmic lief in den Gladbacher Strafraum, Granit Xhaka grätschte beherzt dazwischen, traf Drmic deutlich und den Ball in homöpathischer Dosis, Referee Christian Dingert ließ jedoch weiterlaufen. Für solche Abwehraktionen hat es in der reichhaltigen Geschichte des Fußballsports durchaus schon Strafstöße gegeben.

Der fränkische Abstiegskandidat zeigte den niederrheinischen Europacup-Anwärtern weiter die Grenzen auf. Die Angriffe der Nürnberger waren zielstrebig und kreativ, in letzter Konsequenz aber nicht durchschlagskräftig genug, erneut mangelte es an der Chancenverwertung.

Ab der 60. Minute erhöhte die Borussia dann die Schlagzahl. Erstes Resultat dieser Bemühungen war die Großchance von Raffael in Minute 63. Nach sehenswertem Doppelpass legte Granit Xhaka quer auf den Brasilianer, der jedoch - durchaus kurios - am Kopf von Schäfer scheiterte. Nun hatten die Gladbacher Lunte gerochen. Angepeitscht von ihren Fans fuhren die Hausherren nun Angriff für Angriff, Nürnberg suchte nach dem verletzungsbedingten Ausscheiden von Per Nilsson noch um Orientierung. Sowohl die Defensive als auch Club-Keeper Schäfer waren in der 72. Minute machtlos, als Juan Arango zentral aus rund 18 Metern mit seiner linken Klebe abzog und das Leder in den rechten Nürnberger Winkel jagte.

Doch nicht genug der Hiobsbotschaften aus Sicht der Gäste: In der 75. Minute segelte eine Freistoßflanke von links durch den Nürnberger Sechzehner bis Niklas Stark die Kugel ungelenk ins eigene Netz bugsierte. Innerhalb von 180 Sekunden war der FCN von der Siegesstraße in das Dornenfeld des sportlichen Peins gerutscht. Verbeek brachte mit Daniel Ginczek eine frische Offensivkraft, der Club suchte sofort wieder den Vorwärtsgang. Fünf Minuten nach dem 1:2 tauchte Drmic im Gladbacher Strafraum auf, nagelte das Leder an die Unterkante der Latte. Zwar sprang der Ball wieder zurück ins Feld, schlug aber wohl hinter der Linie auf. Die Phrase mit fehlendem Glück und anschließendem Pech heftete sich nun endgültig an Nürnbergs Fersen.

Effizienz eines Spitzenteams

Schon fünf Minuten vor Spielende drängte sich dem interessierten Beobachter die Erkenntnis auf, dass man als Spitzenteam manchmal nur wenige gute Minuten braucht, um ertragsreiche Ernte einzufahren, während ein Kellerkind sich zwar den Großteil einer Partie redlich mühen kann, danach aber mit leeren Händen weiter die rote Laterne mit sich herumtragen muss. Beweis gefällig: In der 87. Minute steckte Christoph Kramer auf Patrick Herrmann durch und der wieselflinke Offensivakteur der Gladbacher drosch das Leder humorlos in die rot-schwarzen Maschen. Schäfer berührte den Ball zwar noch, konnte das Unheil aber nicht verhindern.

Der Rest war niederrheinische Party und fränkisches Keller-Grummeln. Wieder einmal schaffte es ein durchaus ansprechend auftretender Club nicht, sich für Mut und Überlegenheit zu belohnen und ist nun Letzter der Bundesliga. In der anstehenden Länderspielpause heißt es nun Wunden lecken und in zwei Wochen kommt Dieter Hecking mit seinen Wolfsburgern nach Nürnberg. Dass man Teams mit europäischen Ambitionen gefährlich werden kann, zeigte der Club mehrmals, der Druck endlich zu punkten wird indes nicht geringer.

Mönchengladbach: ter Stegen - Korb, Jantschke, Stranzl, Wendt - Kramer, Xhaka - Herrmann (88. Hrgota), Arango (90+1. Daems) - Raffael (84. de Jong) - Kruse

Nürnberg: Schäfer - Chandler, Nilsson (62. Stark), Pogatetz, Plattenhardt - Hasebe - Feulner, Frantz (83. Pekhart), Kiyotake, Hlousek (77. Ginczek) - Drmic

Schiedsrichter: Dingert (Lebecksmühle) | Zuschauer: 53.500 | Tore: 0:1 Drmic (21.), 1:1 Arango (72.), 2:1 Stark (Eigentor, 75.), 3:1 Herrmann (87.) | Gelbe Karten: Xhaka, Arango - Feulner, Pogatetz

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