Trainerwechsel

Alberto Méndez verlässt die TSG 08 Roth

Trainer Alberto Méndez (links) verlässt die TSG 08 Roth zum Wochenende. Am 25. September wird gegen die Sportfreunde Dinkelsbühl sein vorerst letztes Spiel als Trainer an der Seitenlinie sein.

Trainer Alberto Méndez (links) verlässt die TSG 08 Roth zum Wochenende. Am 25. September wird gegen die Sportfreunde Dinkelsbühl sein vorerst letztes Spiel als Trainer an der Seitenlinie sein. © Salvatore Giurdanella

"Es ist schwierig zu erklären, ich habe mir die letzten Wochen viele Gedanken gemacht. Es gibt einige Gründe, die zu der jetzigen Konstellation geführt haben", sagt Méndez. Einer dieser Gründe, und auch der gewichtigste: "Ich hatte zuletzt immer mehr das Gefühl, dass ich für die Jungs zu viel Ballast bin. Ich versuche ihnen Hilfestellungen zu geben, aber ihre Entscheidungen müssen sie auf dem Platz selbst treffen."

"Es geht um die Mannschaft"

Die Mannschaft hätte sich in den vergangenen Wochen zu viele Gedanken gemacht, sich viel vorgenommen, es aber auf dem Platz nicht umsetzen können. "Da haben sich Spieler hinterher bei mir entschuldigt. Ich habe ihnen dann immer nur gesagt, es geht doch nicht um mich, es geht um die Mannschaft."

Klingt nach zu viel Harmonie? Méndez: "Würde ich nicht sagen, es hat auch mal gerumst, wie es manchmal im Sport eben auch sein muss. Aber es war immer ein top Umgang untereinander, die Mannschaft ist auch völlig intakt, ich mache niemandem einen Vorwurf", entgegnet Méndez.

Aber sie geriet nach einem ordentlichen Auftakt mit zwei Siegen aus drei Spielen eben auch in einen Abwärtssog. Zählt man das verlorene Pokal-Viertelfinale gegen Unterreichenbach hinzu, mussten die Rother zuletzt sieben Pflichtspielniederlagen am Stück hinnehmen und stehen damit auf dem unschönen vorletzten Platz.

Im Tabellenkeller hat Alberto Méndez die TSG im vergangenen Jahr ja auch übernommen, gemeinsam kletterten sie aber bis zum Corona-bedingten Saisonabbruch noch auf einen Nichtabstiegsplatz. Dass das in dieser Saison noch gelingt, daran glaubt der 46-Jährige Ex-Profi auch. "Die Jungs haben viel mehr Qualität, als es der Tabellenplatz aussagt."

Die sportliche Talfahrt hat laut Méndez auch damit zu tun, dass wegen Verletzungen und Urlaubern – er selbst nutzte im August ebenfalls die Möglichkeit der wieder gewonnen "Reisefreiheiten" – selten die gleiche Elf auf dem Platz stand. Der Coach konnte daher nicht so agieren, wie er es manchmal gerne getan hätte. Ein Problem, dass viele Trainer in den zurückliegenden Wochen thematisiert haben. Und dann reihen sich die Kleinigkeiten aneinander – und die Niederlagen.

"Das macht auch mental müde", sagt Méndez, dem die sinkenden Köpfe im Verlauf eines Spiels freilich auch aufgefallen sind, "es greift vieles ineinander und jedes Negativerlebnis kostet Kraft und Energie." Und sorgt für Unruhe, wie der Trainer bemerkt hat. "Nicht in der Mannschaft und auch nicht bei den Entscheidungsträgern in der Abteilung", betont Méndez, "aber Drumherum nimmt man das schon wahr. Ich weiß doch, wie sowas funktioniert, irgendwann wird es immer schwieriger."

Eine Gemengelage, die letztlich dazu geführt hat, dass am Dienstag das Telefon von TSG-Fußballabteilungsleiter Nico Gelev geklingelt hat. Der kennt Méndez seit vielen Jahren und hatte so etwas insgeheim schon befürchtet, aber trotzdem noch auf die Wende gehofft. "Weil ich von Alberto als Trainer und als Mensch überzeugt bin", sagt Gelev, "aber ich kann ihn verstehen." Nach vielen Trainerwechseln in den vergangenen Jahren hatten sie bei der TSG 08 eigentlich gehofft, nun wieder Kontinuität auf diesem wichtigen Posten zu schaffen. Eine Hoffnung, die sich nicht erfüllt hat, "und das ist enttäuschend", wie Gelev ohne Umschweife einräumt.

Vor dem Training am Dienstagabend hat Alberto Méndez der Mannschaft schließlich seinen Entschluss mitgeteilt. "Das war hart, dieses Gespräch hat mich mitgenommen. Ich habe vieles lange mit mir rumgeschleppt, es hat ja keiner was falsch gemacht", berichtet Méndez, "ich wollte meinen Entschluss aber sauber begründen."

Sauberer Abschied

Die Gespräche nach dem intern verkündeten Rücktritt haben nun folgendes, durchaus ungewöhnliches Ergebnis gebracht: um den Verantwortlichen etwas Zeit auf der Suche nach einem Nachfolger zu verschaffen und auf Wunsch der Mannschaft hat Méndez seinen Rücktritt aufgeschoben. Das Heimspiel morgen gegen Dinkelsbühl wird sozusagen das Abschiedsspiel für Alberto Méndez bei der TSG 08 als Trainer. Es soll freilich ein erfolgreiches werden, bedeutender ist für ihn aber etwas anderes: "Mir ist es wichtig, dass man sich weiter in die Augen schauen kann."

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