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Ansturm auf den Fürther Golfplatz

Termine im Acht-Minuten-Takt: Der 1. Golf Club Fürth durfte am Montag öffnen - 09.03.2021 10:06 Uhr

Die Golfer auf dem Golfplatz Atzenhof legen wieder los. Dirk Schäffer hat sich einen der begehrten Termine geschnappt. Der leidenschaftliche Golfer steht seit November erstmals wieder auf dem Grün.

08.03.2021 © Foto: Hans-Joachim Winckler


Es war vielleicht nicht die cleverste Idee, einen Telefontermin mit Dietmar Strunz am Montag zu vereinbaren. Schließlich ist der 58-Jährige der Clubmanager des 1. Golf Clubs Fürth und am Montag sehr gefragt. Schließlich war es der erste Tag, an dem die Mitglieder seit dem Lockdown wieder Golf spielen durften.


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Womit die erste Feinheit schon erwähnt ist: Es durften nur Mitglieder auf die Anlage in Atzenhof, Gäste müssen wegen des großen Ansturms erst einmal zurückstehen. Und diejenigen, die spielen wollten, durften nur in sogenannten Zweier-Flights antreten, also zu zweit. Damit umgehen Strunz und die anderen Aufpasser die umständliche Kontrolle, ob Menschen aus nur zwei Haushalten kommen (siehe Bericht am Textende).

Seit Freitag um 14 Uhr war es möglich, sich für Startzeiten einzutragen. Was ebenfalls am Freitag geschah, verfolgte Strunz höchst aufmerksam: "Die Inzidenzzahlen sind hochgeschossen." Sollte also Mitte der Woche der Spaß wieder vorbei sein? Der Clubmanager las alles, was er dazu im Internet finden konnte, dazu kamen die zahlreichen Mails. Er fühlte sich an den ersten Lockdown vor einem Jahr erinnert: "Es war eine Informationsflut."

Das Aufatmen ist groß

Entwarnung folgte schon am Samstag auf dem Fuße. Der Bayerische Golfverband durfte verkünden, dass seine Sportart unabhängig von der Inzidenz betrieben werden darf. Das Aufatmen in der Szene ist groß, "in anderen Bundesländern war es ja vorher schon klar, damit ist Bayern nun auch dabei", freut sich Strunz, fügt aber hinzu: "Das ist momentan der Stand der Dinge. Aber wenn sich die Zahlen exorbitant erhöhen, wird eh wieder alles heruntergefahren." Alles ist im Fluss, das weiß auch er.

Dietmar Strunz hatte trotz des Stresses am ersten Tag nach dem Lockdown noch Zeit für den FN-Fotografen. Er ist erst seit Januar Clubmanager des 1. GC Fürth.

08.03.2021 © Foto: Hans-Joachim Winckler


Den Golfern vom Montag war’s wurscht, ab 10 Uhr traten sie im Acht-Minuten-Takt an den Abschlagpunkt. Um 17.06 Uhr starteten die letzten beiden. Mindestens bis einschließlich Donnerstag geht es in dieser Schlagzahl weiter, alle Zeitfenster sind ausgebucht. Zum Start gab es Kaffee, "Drei im Weggla" und anlässlich des Weltfrauentags ein Glas Sekt für die Damen. "Chongs Golfrestaurant" ist ohnehin zu, da es einen Wasserrohrbruch gab. Nach 18 Löchern mussten die Leute das Gelände zügig verlassen, "es sollte ja keinen Stau geben".

Geselligkeit sollte auch nicht aufkommen, denn Strunz als Clubmanager musste den Spagat hinbekommen. "Die Leute sind happy, wir sind auch froh, dass wir wieder sozialen Kontakt haben", berichtet er. Die Spieler holten sich ihre Jahres-Pässe bei ihm im Büro ab, die Sehnsucht nach Smalltalk durfte er aber nur bedingt befriedigen, es musste ja geordnet und schnell weitergehen.

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Überhaupt wollen die Fürther Golfer ihn erst einmal kennenlernen, denn der 58-Jährige ist neu in der Kleeblattstadt. Erst im Januar trat er seinen Posten an. Sein Dialekt verrät: Er ist Niederbayer. Was hat ihn nach Mittelfranken verschlagen? "Ich habe ein bissl bewegtes Leben", beginnt er seine Kurzbiografie. Anfang der 90er-Jahre begann er als stellvertretender Sportlicher Leiter im "Hartl Golf Resort" in Bad Griesbach im Rottal, seiner Heimat. "Das war der Einstieg in die Droge Golf."

Dauergast im Hotel

Der Liebe wegen zog er ins oberbayerische Ingolstadt, wo seine beiden Teenager-Kinder derzeit ins Gymnasium gehen, pendelte von dort aus eine Weile nach München und stellte sich mit 58 Jahren die Frage, ob er nicht noch eine letzte berufliche Herausforderung angehen wolle, "noch einmal einen Schritt machen". Weg von daheim.


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Der 1. Golf Club Fürth suchte jemanden, Strunz bewarb sich erfolgreich. Seither absolviert er "drei bis vier lange Arbeitstage pro Woche" in Fürth, schläft im Hotel und fährt dann heim. "Ich kann auch mal Homeoffice einlegen, aber die Leute wollen dich sehen, du bist der neue Manager", beschreibt er seinen Job.

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Die Aufgabe ist komplex. Der Clubmanager ist das Gesicht des Vereins, er ist Ansprechpartner für Sponsoren genauso wie für Spieler und Vorstand. Er führt den Turnierkalender, geht zum Steuerberater, muss zusehen, dass die Gastronomie, der Laden für die Ausrüstung und die Golfschule laufen. Er ist der Büroleiter, der die bald neue Internetseite und den ausbaufähigen Social-Media-Bereich verantwortet.

Mehr Breitensport statt Premium-Anstrich

Anpacken will er auch das Imageproblem. Klar sei der Mitgliedsbeitrag nicht vergleichbar mit dem bei einem Fußballverein, doch es sei ihm wichtig, "den Golfsport nach außen zu zeigen, um mehr Interessenten anzuziehen. Er hat immer noch so einen leichten Premium-Anstrich". Er wolle den Verein Richtung Breitensport lenken.

Die Damenmannschaft in der ersten Bundesliga, die seit sechs Wochen wieder trainieren darf, ist dabei ein Aushängeschild. Nicht nur am Montag habe er viele junge Leute auf dem Platz gesehen, das spreche für sich, findet Strunz.


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Ebensowenig habe der 1. GC Fürth im Jahr 2020 Mitglieder verloren. Es seien stabil weiterhin fast 1400, das Interesse an Schnuppermitgliedschaften sei auffallend hoch, war sein erster Eindruck. "Ich will die Kursvermarktung verbessern", erklärt Strunz, "denn am Ende des Tages geht es auch hier ums Geld. Ein Golfclub ist wie ein mittelständisches Unternehmen und der Fürther ist gesund, das kann ich jetzt schon sagen."

Mail vom Verband

In einer Mail vom Samstag informierte der Bayerische Golfverband seine Mitgliedsvereine über die gesetzliche Regelung.

In der 12. Infektionsschutzmaßnahmenverordnung heißt es, dass Golf unabhängig der Inzidenz gespielt werden darf. Das bedeutet, dass "auch in Landkreisen mit einer Inzidenz von über 100 und damit in ganz Bayern (. . .) ab 8. März Golf gespielt werden" darf.

Wichtig seien die Gruppengrößen:

Sieben-Tage-Inzidenz über 100: Golf darf alleine, zu zweit oder mit Angehörigen des eigenen Hausstandes gespielt werden.

Sieben-Tage-Inzidenz zwischen 50 und 100: In einem Flight dürfen dann maximal zwei Haushalte spielen.

Sieben-Tage-Inzidenz unter 50: Vierer-Flights ohne Beschränkungen.

Gruppengrößen beim Training:

Inzidenz über 100: Einzeltraining.

Inzidenz 50 bis 100: Gruppengröße bis maximal fünf Personen, Gruppengröße bei Kindern bis 14 Jahre bis zu 20 Personen.

Inzidenz unter 50: Gruppengröße bis maximal zehn Personen, Gruppengröße bei Kindern bis 14 Jahre bis zu 20 Personen.

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