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BMX-Fahrerin Nadja Pries eröffnet Crossfit-Box "District 18"

Katharina Taubeneder
Katharina Taubeneder

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1.11.2021, 17:30 Uhr
Ihr neues Home-Gym: Olympia-Teilnehmerin Nadja Pries eröffnet in Nürnberg ihre eigene Crossfit-Box "Disctrict 18".

© Eduard Weigert, NNZ Ihr neues Home-Gym: Olympia-Teilnehmerin Nadja Pries eröffnet in Nürnberg ihre eigene Crossfit-Box "Disctrict 18".

Nadja Pries hat schon immer hart gearbeitet. Als Leistungssportlerin hatte ihr Leben einen festen Plan. Ohne den würde man es auch niemals ganz nach oben schaffen. Pries hat es geschafft. Sie hat das Größte erreicht, was für eine Sportlerin möglich ist. 2016 hat sich die gebürtige Erlangerin als erste deutsche BMX-Fahrerin für die Olympischen Spielen qualifiziert. Später hat sie auch noch einen Bachelor in Psychologie gemacht.

Und doch sagt Pries erst jetzt: "Am Montag habe ich meinen ersten richtigen Arbeitstag." Die 27-Jährige geht den nächsten riesengroßen Schritt. Nach all den Jahren im Leistungssport, den Rückschlägen, schlimmen Verletzungen und zwölf Titeln bei Deutschen Meisterschaften hat Pries zu Beginn des Jahres ihre Karriere offiziell beendet. Wenige Monate vor Olympia.

Doch Pries hatte genug vom Kampf um Anerkennung und Unterstützung, die gerade finanziell in einer Randsportart wie BMX selbst auf höchsten Niveau miserabel ist. Pries hatte neue Pläne. Und auch wenn es hier ebenfalls hohe Hürden gab, hat sie sich nun ihren nächsten Lebenstraum erfüllt.

Am Montag hat Nadja Pries zusammen mit ihrem Freund Richard Bartolschitz und ihrer Mutter Heike eine eigene Crossfit-Box eröffnet. Für die ehemalige BMX-Fahrerin ist es schon jetzt ihr neues Zuhause. "Ich habe vorher mein Hobby zum Beruf gemacht, und nun wieder. Doch jetzt fühlt es sich so an, als würde ich mir ein Leben aufbauen." Eines mit mehr Perspektive.

In Eigenleistung hat das junge Familie-Unternehmen eine alte Lagerhalle im Nürnberger Stadtteil Sandreuth umgebaut. Sieben Jahre lang war das Gebäude leer gestanden, zuvor war es an einen Getränkehändler vermietet. Betritt man die 700 Quadratmeter große Halle jetzt, hat sie den Industriecharme nicht verloren, aber einiges an Atmosphäre gewonnen. Eine Lounge mit großen Ledersesseln lädt die Sportler ein, nach dem Training noch ein bisschen zu bleiben. "Crossfit", sagt Nadja Pries, "ist ein Community-Sport". Dafür wollten sie unbedingt einen geeigneten Raum schaffen.

Industriecharme und eine gemütliche Lounge

In der Halle bleibt es dann eher spärlich. Viel brauchen die Athleten hier nicht. Ein paar Ringe hängen von der Decke, Gewichte sind in der Ecke sauber aufgereiht, aus einer Anlage dröhnt Musik. Doch auch hier ist der Charme der alten Halle zu sehen, was vor allem an den rustikalen Türen und Holzbalken liegt. "Die hat Rich drei Wochen lang per Hand abgeschliffen", sagt Nadja Pries. Die Umkleiden und Sanitäranlagen sind komplett erneuert und modern eingerichtet.

Vor eineinhalb Jahren haben Pries und Bartolschitz die Immobilien in Sandreuth entdeckt. Im August 2020 haben sie bei der Stadt die Nutzungsänderung eingereicht. Seit Februar arbeiten sie vor Ort an ihrem eigenen Fitness-Traum. "Für zehn bis zwölf Leute haben wir einen Klassen-Bereich", sagt Pries. Der ist typisch für Crossfit-Boxen, von denen es in Nürnberg schon ein paar gibt. Dort trainieren die Sportler mit einem Coach. "Irgendwann können wir das verdoppeln", Platz gibt es genug.

"Einzigartig ist unser Open-Gym-Bereich." Den hätte sich die Leistungssportlerin früher selbst gewünscht. "Das ist eine separate Halle für Sportler, die nicht in den Klassen trainieren wollen, die ihren eigenen Trainingsplan haben." Über ein Online-Portal kann man vorab seinen Platz reservieren.

Crossfit will "Fitness zu einer Sportart zu machen"

Richard Bartolschitz ist ein ambitionierter Crossfit-Athlet und hat als Soldat in Vollzeit gearbeitet, das Paar hat sich sogar über diesen Sport kennengelernt. Mittlerweile sind beide ausgebildete Crossfit-Coaches. Als solche erklärt Pries, was "Crossfit" eigentlich ist: "Der Gedanke dahinter ist, Fitness zu einer Sportart zu machen. Egal, welche Aufgaben dir gestellt werden, du möchtest es bestmöglich bewältigen", sagt Nadja Pries. Im Leistungsbereich gibt es sogar Weltmeisterschaften.

Das Training eignet sich aber auch sehr gut für Breitensportler. "Es setzt sich zu zusammen aus turnerischen Elementen, olympischen Gewichtheben und Ausdauer." Die Sportler trainieren ohne Geräte, nur mit freien Gewichten. Umso wichtiger ist, die Technik zu beherrschen. "Bei den Klassen korrigiert der Coach permanent die Übungen." Das unterscheidet das Training auch von einigen Fitnessstudios, in denen es anonymer zugeht.

"Egal ob Anfänger oder Übergewichtige, Crossfit ist für jeden etwas"

"Wenn man eine Crossfit-Übung so nicht umsetzen kann, dann passt man die Übung an", sagt Nadja Pries. "Egal ob Anfänger oder Übergewichtige, ob man Verletzungen oder körperliche Einschränkungen hat - Crossfit ist für jeden etwas." Im "District18", benannt nach dem Stadtteil Sandreuth, der 18. in Nürnberg, kann man Einsteigerkurse buchen oder sich für eine Monats- und Jahresmitgliedschaft anmelden. Es gilt die 3G-Plus-Regel. Seit Montag hat das "District18" geöffnet. Es war Nadja Pries' erster offizieller Arbeitstag.

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