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Challenge-Champion Dreitz: "Der Sieg in Roth war wie ein Befreiungsschlag"

Triathlet beschreibt die besonderen Momente seines Erfolgs - 11.07.2019 13:42 Uhr

Für Triathlet Andreas Dreitz ging am vergangenen Sonntag mit dem Sieg beim Challenge Roth ein Traum in Erfüllung. © Salvatore Giurdanella, NN


Wenige Tage sind nach Ihrem Sieg beim Challenge in Roth vergangen, wo zwickt's im Körper am meisten?

Andreas Dreitz: "Ich merke die Strapazen auf jeden Fall noch. Es ist aber immer wieder erstaunlich, dass man durch das Adrenalin, das durch so einen Sieg freigesetzt wird, weniger Schmerzen hat als andere Athleten. Der Sieg hat sich für mich wie ein Befreiungsschlag angefühlt."

Warum?

Dreitz: "Wenn in so einem Wettkampf alles aufgeht, dann ist man einfach nur überglücklich. Man arbeitet jahrelang auf so ein großes Ziel hin, setzt sich immer wieder höhere Ziele und dann hat man eines Tages die Chance, bei einem der größten Triathlon-Events, das auch noch in der Heimat stattfindet, zu gewinnen."

Wie fühlt sich das an, wenn man überall liest, dass man als erster Franke den Challenge Roth gewonnen hat?

Dreitz: "Das ist immer noch Wahnsinn, ich habe mir die Siegerliste der vergangenen Jahre noch einmal angeschaut. Dass da mein Name jetzt drinsteht, ist unglaublich. Der Challenge in Roth ist ja nicht nur irgendein Triathlon, sondern in vielen Bereichen der größte der Welt."

Was macht Roth so besonders?

Dreitz: "Die Atmosphäre ist gigantisch, jeder Triathlet sollte sie mal erlebt haben. Vom sportlichen Wert ist Hawaii zwar nochmal um einiges wichtiger, die Stimmung in Roth ist aber einzigartig. Ich kenne inzwischen einige Topveranstaltungen auf der Welt, so familiär und mit so viel Leidenschaft geht es aber nirgends zu."

Wer hat Ihnen gratuliert und wie viele Glückwünsche sind seit Sonntag auf Ihrem Smartphone eingegangen?

Dreitz: "Mein Trainingspartner Patrick Lange (Anm. d. Red.: Aktueller Ironman-Weltmeister) war einer der ersten Gratulanten. Ich bin gerade dabei alle Nachrichten zu lesen, bin aber noch nicht ganz durch und habe noch nicht alles beantwortet."

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Nachdem Sie die Ziellinie überquert hatten, lagen Sie erst mal teilnahmslos vor einer Werbebande. Was ging Ihnen da durch den Kopf?

Dreitz: "Ich bin noch nie so fertig ins Ziel gekommen. Ich war mir gegen Ende des Marathons auch gar nicht mehr sicher, ob ich es überhaupt schaffe. Ich hatte die Szenen vom Ironman in Frankfurt im Kopf, wo Sarah True als führende Frau kurz vor dem Ziel zusammengebrochen ist. Ohne die Unterstützung der Zuschauer hätte ich wahrscheinlich keinen Schritt mehr voraus machen können. Ich war froh, dass mich der Rennleiter nach der Ziellinie in den Arm genommen hat und mir Halt gab."

Wann war der Zeitpunkt, als Sie zum ersten Mal an einen möglichen Sieg dachten?

Dreitz: "Nach dem Schwimmen hatte ich eine ideale Ausgangsposition. Auf dem Rad habe ich mich recht gut gefühlt und hatte das Rennen im Griff. Doch so ein Triathlon ist lang, da muss man ruhig bleiben und seinen Plan bis zum Ende durchziehen. Im letzten Jahr hatte ich ein konstant gutes Gefühl, dieses Jahr war das anders, da hatte ich viele Höhen und Tiefen, mein Ziel war aber auch ein höheres."

Auffällig war vor allem Ihr mutiger Start in den Marathon. Sie sind ja teilweise Kilometerzeiten um dreieinhalb Minuten gelaufen. War das Ihr Plan?

Dreitz: "Auf den ersten zehn Kilometern habe ich mich blendend gefühlt, da musste ich etwas auf die Bremse drücken, um nicht die ganzen Körner zu verschießen, damit es hinten raus noch reicht. Zum Glück hat es ja dann auch geklappt."

Haben Sie sich mittlerweile von den Strapazen und dem ganzen Trubel erholt?

Dreitz: "Die Regeneration steht nach so einer Langdistanz im Vordergrund, aber immer mit leichter Bewegung. Deshalb bietet sich jetzt auch mein Wanderurlaub in Norwegen an, vielleicht springe ich zur Abkühlung dann auch mal in einen See. Das ist schön für die seelische und mentale Erholung, um von dem ganzen Trubel der letzten Tage abzuschalten."

Sie haben sich ja ein Schäufele als Belohnung gewünscht, wer hat Ihnen diesen Wunsch erfüllt?

Dreitz: "Nein, ein Schäufele hatte ich leider noch nicht, aber wir waren schon im Biergarten, da hatte ich immerhin ein Schnitzel. Das Schäufele muss aber auf jeden Fall noch nachgeholt werden."

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Als Roth-Sieger zählt man ja auch automatisch zu den Favoriten bei der Ironman-WM auf Hawaii. Wie schätzen Sie Ihre Chancen ein, die Top-Stars um Jan Frodeno, Sebastian Kienle und Patrick Lange zu schlagen?

Dreitz: "Ich werde versuchen, meine Chancen zu nutzen. Man muss aber sagen, dass die drei deutlich mehr im Fokus stehen als ich. Mit meiner Außenseiterposition bin ich deshalb gar nicht so unglücklich, aber ich bin mir sicher, dass mich die Jungs auf dem Radar haben werden. Was dann am Ende dabei herauskommt, hängt auch immer ein bisschen von den Wetterbedingungen auf Hawaii ab." 

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