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Corona bringt Ehrenamtliche im Amateursport an Grenzen

Spaß macht es so nicht: Der TSV Roßtal hat sogar alle Teams abgemeldet - 16.10.2020 16:28 Uhr

Schulter an Schulter in der Halle: Was vor Corona einfach möglich war, kann nun zur Gefahr werden. Die Roßtaler Handballer treten deshalb in dieser Saison nicht an.

© Foto: Oliver Gold/Zink


Auch Gernot Winkler hatte diesen Traum. Seit 20 Jahren schon engagiert er sich in der Handball-Abteilung des TSV Roßtal. Im Frühjahr ist das Herren-Team aus dem Landkreis Fürth erstmals in die Bayernliga aufgestiegen. "Das war mein Traum und der Traum unserer Spieler", sagt der 47-Jährige. Am Ende aber musste er den Traum zerstören. Der TSV Roßtal hat alle Mannschaften vom Spielbetrieb abgemeldet.

Der Bayernliga-Traum ist vorbei, doch die Alternative wäre verheerend

"Das ist uns schwer gefallen", sagt Winkler, doch es war vernünftig. Trotz aller Konsequenzen. Die Roßtaler stehen mit all ihren Teams bereits als Absteiger fest. Der Bayernliga-Traum ist vorbei, noch ehe er begonnen hat. Die Alternative aber wäre verheerend, glaubt Winkler. "Unter den Voraussetzungen macht es keinen Sinn", sagt er. Die Corona-Auflagen des Bayerischen Handballverbands kann und will der TSV nicht erfüllen.

"Der Verband wälzt die Verantwortung auf die Vereine ab", sagt der Abteilungsleiter. "Wir müssten eine Person bestimmen, die für alle Corona-Auflagen haftet." Was bei einem Profi-Klub sinnvoll ist, funktioniert im Amateursport nicht. Dieser lebt von Ehrenamtlichen, engagierten Menschen wie Gernot Winkler, die viel Freizeit in ihren Verein investieren. Irgendwann aber kommen auch sie an ihre Grenzen kommen. Als der Verband die Auflagen bekannt gab, hat Winkler jeden Tag nach der Arbeit viele Stunden am Schreibtisch verbracht. "20 Stunden waren das in einer Woche", sagt er, "wir hätten mehr Zeit gebraucht." Doch alles musste schnell gehen.

"Man weiß Freitagabend nicht, ob man Samstag spielt"

Mittlerweile sind in der Bayernliga schon zwei Spieltage vergangen. Immer wieder aber müssen Partien verschoben werden, weil Handballer krank sind und aus Vorsicht vor Corona zu Hause bleiben. Da reicht schon ein Schnupfen. Das macht es auch für den TV 1861 Erlangen-Bruck so schwierig. Die Mannschaft hat sich zwar dafür entschieden, die Saison zu spielen, "doch nicht um jeden Preis", sagt Abteilungsleiter Philipp Hirning. "Wir sollen am Wochenende in Friedberg antreten, dort steigen die Infektionszahlen. Man weiß Freitagabend nicht, ob man Samstag spielt." Kurzfristige Absagen sind die neue Normalität.


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Dazu gehen die Spieler bei jeder Auswärtsfahrt das Risiko ein, möglicherweise zwei Wochen in Quarantäne zu müssen. "Wir stellen deshalb jedem frei, ob er spielt oder nicht", sagt Hirning. Nicht jeder Arbeitgeber akzeptiert, dass man wegen eines Handballspiels zwei Wochen nicht ins Büro gehen kann. Nicht zu melden, sei für die Brucker aber keine Option gewesen. Sie wollen ja auch nicht absteigen.

"Man fragt sich: Wofür?"

Die Volleyballer des ASV Neumarkt starten am Samstag in die neue Bezirksliga-Runde. "Wenn wir spielen", sagt Spielertrainer Manuel Künecke. Er ist mit seinem Verein bis in die zweite Liga aufgestiegen. "Seit 20 Jahren spiele ich Volleyball, doch jetzt habe ich zum ersten Mal das Gefühl, dass ich spielen muss." Das Hobby macht so keinen Spaß mehr.

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In bayerischen Regionen mit hohen Corona-Zahlen gelten künftig strikte Beschränkungen für private Kontakte. Zudem wird die Maskenpflicht in den betroffenen Städten und Landkreisen deutlich ausgeweitet. Das hat das Kabinett am 15. Oktober 2020 beschlossen und eine Woche später um eine weitere Warnstufe erweitert. Mit den Gegenmaßnahmen geht die Staatsregierung zum Teil über einen gemeinsamen Beschluss von Bund und Länder hinaus. Eine Übersicht.


"Manche Sporthallen sind so klein, dort passt nicht einmal eine ordentliche Auswechselbank hinein." Abstandhalten sei da unmöglich. "Man fragt sich: Wofür?" Der 37-Jährige würde lieber mehr Zeit mit seiner Oma verbringen, als in der Halle mit 20 anderen schwitzenden Männern. Künecke aber wird trotzdem mitspielen, seine Mannschaft kann er nicht hängen lassen.

Gernot Winkler hat entschieden, dass kein Roßtaler Trainer diese Verantwortung tragen muss. "Am meisten Sorgen machen mir die Spieler, die den Verein verlassen", niemand weiß, ob sie nach der Pandemie zum TSV zurückkehren. "Es kann uns passieren, dass wir viel kaputt machen und wieder von vorne beginnen müssen", sagt Winkler. Das Risiko geht er ein. Nicht aber das durch Corona.


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