Der Fall Jatta: HSV ist "erstaunt" über Club-Einspruch

Bakery Jatta und Tim Handwerker im Zweikampf: Dieses Spiel wird die Vereine wohl noch länger beschäftigen.

Bakery Jatta und Tim Handwerker im Zweikampf: Dieses Spiel wird die Vereine wohl noch länger beschäftigen. © Sportfoto Zink / DaMa

Am späten Donnerstagnachmittag bewiesen sie beim SV Darmstadt 98, dass nun auch sie den Überblick in einer eigentlich gar nicht so komplizierten Angelegenheit verloren haben. In einer Mitteilung verkündete der Fußball-Zweitligist: "Der SV 98 wird keinen Einspruch gegen die Wertung der Partie beim Hamburger SV einlegen." Offensichtlich fühlten sich die Darmstädter zu dieser Stellungnahme unter anderem vom 1. FC Nürnberg provoziert, der einen Tag zuvor Einspruch gegen die Wertung der Partie gegen den Hamburger SV eingelegt hatte. Getan hatten das die Nürnberger, weil in den Tagen nach der krachenden 0:4-Heimniederlage gegen die Hamburger eine Geschichte der Sport-Bild publik geworden war.

In der ging es um den Hamburger Spieler Bakery Jatta, der am Montag im Max-Morlock-Stadion 65 Minuten lang für den HSV auf dem Platz gestanden war. Dass das aber wirklich Bakery Jatta war, der da auf dem Platz stand, daran formulierte die Sport-Bild Zweifel. Jatta könnte laut des Berichts einen anderen Namen haben und älter als – wie nach seiner Flucht aus Gambia angegeben – 21 Jahre sein.


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Würden die Vorwürfe zutreffen, könnte das zunächst einmal für Jatta selbst schwerwiegende Konsequenzen haben. Jatta, der in Deutschland zwar nie einen Asylantrag gestellt hat, aber zunächst geduldet war und nun wegen seiner Anstellung beim HSV eine Aufenthaltserlaubnis hat, könnte im für ihn schlimmsten Fall abgeschoben werden.

"Die Gründe für die damalige Duldung sind ja dann weggefallen, und dann wird auch der Aufenthalt rückwirkend verwirkt", sagte Falko Droßmann, Bezirksamtsleiter Hamburg-Mitte, am Mittwochabend im "Hamburg-Journal" des NDR -Fernsehens, "das ist eine sehr harte Möglichkeit, aber sie würde natürlich in der letzten Konsequenz zu einer Abschiebung führen können." Angesichts dieser möglichen Konsequenzen geriet der 1. FC Nürnberg sehr schnell nach seinem Einspruch in die Kritik – gerade so, als würde man so aktiv die Abschiebung Jattas betreiben.


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Ebenfalls am Donnerstag reagierte deshalb der Club mit einem sehr trocken gehaltenen Statement: "Sofern die in den Medien kursierenden Aussagen zutreffen, besteht die Möglichkeit, dass der Einspruchsgrund des Einsatzes eines nicht spielberechtigten Spielers erfüllt ist." Deshalb hatte man sich zu dem Einspruch entschlossen, es könnte ja sein, dass da einer mitgespielt hat, der das nach den Regularien nicht durfte.

Hätte man nicht tun sollen, meinten unter anderem die Verantwortlichen bei Darmstadt 98 – die in ihrer Mitteilung aber den Umstand unterschlagen hatten, dass ein Einspruch nur in den 48 Stunden nach einer Partie möglich ist, ihr 1:1 in Hamburg aber schon vor einer Woche und lange vor Veröffentlichung der Jatta-Spekulationen stattgefunden hatte. Verwirrung und Verwunderung allerorten also.

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Geht es nach dem Hamburger SV, wäre das überhaupt nicht notwendig, weil es nach Ansicht des Vereins überhaupt keine Konsequenzen geben wird. "Baka hat uns gegenüber die Korrektheit seiner Passangaben noch einmal bestätigt", sagt Jonas Boldt, der Sportvorstand des HSV. Der Pass war außerdem vorab schon von zuständigen Behörden geprüft und als gültig betrachtet worden. Zudem hatten sich die Hamburger vor dem Spiel in Nürnberg bei der DFL erkundigt, ob sie Jatta einsetzen dürfen. Die Antwort: Ja. Eine Einschätzung, die die DFL am Donnerstag wiederholte, Jattas Spielberechtigung behalte ihre Gültigkeit, teilte die Liga mit. Die Erfolgsaussichten des Nürnberger Einspruchs sind deshalb tatsächlich sehr gering. Nürnbergs Sportvorstand Robert Palikuca wollte sich auf Nachfrage nicht zum Verfahren äußern.

Dass es die Nürnberger trotzdem versuchen, erstaunt die HSV-Verantwortlichen. "Wir sind sehr verwundert, dass der 1. FC Nürnberg Einspruch gegen die Wertung unseres 4:0-Sieges eingelegt hat", lässt Boldt mitteilen. Verwundert ist nach dieser Geschichte aber wohl nicht nur der Hamburger Sport-Verein.

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