Bezirkschef zu 2G-Regeln

"Der Handball-Nachwuchs macht mir die meisten Sorgen"

Holger Peter
Holger Peter

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18.11.2021, 14:38 Uhr
Balanceakt: Der Spielbetrieb im Handball lief bis vor kurzem reibungslos, aber nun nehmen auch hier die Corona-Fälle zu und führen zu vielen Absagen.
 

Balanceakt: Der Spielbetrieb im Handball lief bis vor kurzem reibungslos, aber nun nehmen auch hier die Corona-Fälle zu und führen zu vielen Absagen.   © Sportfoto Zink / Wolfgang Zink, NN

Der Handball hatte – als einziger Verband im bayerischen Hallensport – wirklich auf die anhaltende Pandemie-Lage reagiert, seine Ligen halbiert und damit die Zahl der Spiele reduziert, um auch eine größere Zahl an Absagen auffangen zu können. Lothar Rauscher hofft, dass der Plan angesichts steigender Inzidenzen weiterhin aufgeht.

Herr Rauscher, angefangen hat die Saison eigentlich gut...

Lothar Rauscher: Ja, das war ein ganz normaler Spielbetrieb. Mal davon abgesehen, dass die Vereine für jedes Heimspiel zwei zusätzliche Helfer finden mussten, um die wechselnden Eintrittsvorgaben zu kontrollieren.

Wann ist das Ganze eskaliert?

Lothar Rauscher: Nach den Herbstferien kam es zu den ersten corona-bedingten Spielabsagen, am vergangenen Wochenende waren dann bayernweit ein Viertel aller Spiele betroffen.

Darunter auch Ihr eigener Verein.

Lothar Rauscher: Ja, aber das zeigt auch gleich die ganze Bandbreite an Gründen. Bei unseren Bayernliga-B-Mädchen gab es drei aktuelle Corona-Fälle, bei den C-Mädchen, die auf den gleichen Verein aus Ebersberg treffen sollten, hatte es die Gäste erwischt. Und die Gegnerinnen unserer Damen von der HSG Mainfranken haben ohne Angaben von Gründen ihre nächsten vier Spiele abgesagt. Da ist anzunehmen, dass im Team noch viele ungeimpfte Spielerinnen stehen und man auf Zeit spielt. Das finde ich sportlich nicht ganz fair.

Wie wird es denn weitergehen?

Lothar Rauscher: Wir wissen alle, dass es sich um eine Momentaufnahme handelt. Die Staatsregierung tagt ständig, die Ministerpräsidentenkonferenz auch, das Präsidium des Bayerischen Handballverbands an diesem Wochenende, wir im Bezirk am kommenden Montag – das hat zurzeit schon eine atemberaubende Dynamik. Und keiner kann vorhersagen, was die Pandemie bringt und die Politik beschließt. Aber ich bin relativ guter Dinge, dass wir die Saison bei den Erwachsenen einigermaßen über die Runden bringen können. Da haben wir beim HC Forchheim eine 100-prozentige Impfquote, und von anderen Vereinen habe ich ähnlich Zahlen gehört. Und wenn es ungeimpfte Spieler gibt, fallen die halt aus, andere Vereine haben ja auch Langzeitverletzte. Schließlich haben wir bis 30. Juni Zeit, um Auf- und Absteiger zu ermitteln.

Welche Vorgaben gibt es vom Verband?

Lothar Rauscher: Wir sind relativ kulant. Aber es ist klar: Wer beispielsweise aufsteigen will oder nicht absteigen möchte, muss seine Spiele irgendwann austragen. In den untersten Klassen oder bei den Alten Herren kann man frei entscheiden. Wirklich Sorgen macht mir der Nachwuchs.

Warum denn das?

Lothar Rauscher: Da sind natürlich viel weniger Aktive geimpft, und umso jünger die Kinder werden, desto niedriger ist die Quote. Bis zum Jahreswechsel gilt ja dankenswerterweise die Ausnahmeregelung, wonach auch die über Zwölfjährigen von der Impfpflicht noch ausgenommen sind.

Aber was passiert danach? Reißt es da Mannschaften auseinander?

Lothar Rauscher: Das halte ich für durchaus möglich. Wenn ich da an unsere wunderbaren Mädchenteams denke, tut mir das in der Seele weh, die habe ich ja alle selbst beim Kinderhandball betreut. Ganz schwierig ist es auch für die D-Jugendmannschaften: Da geht diese Altersgrenze zum Thema mittendurch - ab dem neuen Jahr ist dann ja auch das Training betroffen.

Lothar Rauscher

Lothar Rauscher © e-nn-for-20190502_154624-1.jpg, NN

Und bei den ganz Kleinen?

Lothar Rauscher: Da gibt es einen freiwilligen Spielbetrieb, da haben wir die Entscheidung, ob die Minis oder die E-Jugend überhaupt spielen sollen, komplett der Eltern überlassen. Meine Minis haben beispielsweise noch kein einziges Spiel bestritten.

Mit welchem Gefühl gehen Sie persönlich in die nächsten Wochen?

Lothar Rauscher: Es ist ja wohl klar, dass die Zahlen zunächst noch steigen werden. Aber ich zerbreche mir nicht einmal mehr den Kopf, wir müssen einfach abwarten. Ich glaube, wir sind von Verbandsseite ganz gut auf alle Szenarien vorbereitet. Und wenn es noch schlimmer kommt, können wir auch nichts ändern.