Diener seines Vereins: Hacks Rücktritt ist eine tiefe Zäsur

24.5.2018, 12:43 Uhr
Bei seiner Arbeit ging es Helmut Hack nie ums Geschäft - 22 Jahre lang engagierte er sich ehrenamtlich für den Verein.

Bei seiner Arbeit ging es Helmut Hack nie ums Geschäft - 22 Jahre lang engagierte er sich ehrenamtlich für den Verein. © dpa

Als dieses aus England importierte Spiel begann, laufen zu lernen und die Menschen zu begeistern wie kein anderer Sport, sah man früh vollendete Fußball-Kunst in: Fürth. Sechs Jahre vor dem 1. FC Nürnberg holte die Spielvereinigung Fürth 1914 ihren ersten deutschen Meistertitel, vor allem aber war der Fürther Fußball ein stilistisches Vorbild im Land. Fürth machte Schule wie viel später Ajax Amsterdam oder der FC Barcelona. Es verbietet sich, die Zeiten zu vergleichen, aber auch das gehört ganz wesentlich zum Fußball: seine Geschichte, sie verbindet Generationen über die Leidenschaft für das Spiel.

Je professioneller der Fußball wurde, desto schwerer taten sich viele der frühen Größen. Fast drei Dutzend deutsche Traditionsvereine sind entweder in der Anonymität der Unterklassigkeit verschwunden oder existieren nicht mehr, das Geschäft haben erst Fußball-Unternehmen, dann Konzerne übernommen, das Geld regiert auch diese Welt.

Der Visionär aus Vestenbergsgreuth

Die Spielvereinigung Fürth wäre heute längst vergessen, das Kleeblatt, in den 1980er Jahren erstmals in die Viertklassigkeit versunken, stand zehn Jahre später vor dem Konkurs. Nichts würde mehr erinnern an glänzende Zeiten, in denen Fürth, tatsächlich, in Weltmetropolen vorspielte, als Attraktion aus Franken – nichts, hätte es nicht einen Visionär namens Helmut Hack gegeben.

Den Unternehmer aus Vestenbergsgreuth trieb aber nicht die Sehnsucht nach alter fränkischer Fußball-Herrlichkeit an und erst recht nicht der Wunsch, sich oder sein Geschäft über den Fußball zu positionieren – gerade das unterschied Hack von Beginn an von den unzähligen Wirtschafts-, Finanz- oder Showgrößen, die dieses Spiel in der Moderne anzog. Hack sah zwei Vereine, den maroden in Fürth und den groß gewordenen Provinzklub in Vestenbergsgreuth – und entwickelte die Idee, daraus ein gemeinsames Projekt zu machen.

Fürther Tradition und Greuther Aufbruchstimmung ergänzten sich tatsächlich beinahe ideal, und einen besseren Frontmann hätte sich dieser auf seine Weise einzigartige Klub nicht wünschen können. An Hack wuchs die Spielvereinigung Greuther Fürth, heute – da der Fußball eine gigantische Kommerzialisierung erlebt – gehört sie immer noch zum Profibetrieb, schon das ist eine außerordentliche Leistung für einen Verein, der immer mit vergleichsweise sehr geringen Einnahmen wirtschaften musste.

22 Jahre im Ehrenamt

Nicht mitzumachen bei diesem schwindelerregenden Millionenspiel, war dabei Fürths große Stärke. Vernünftig bleiben in Zeiten der Verlockungen, nicht anfällig für Fußball-Populismus, sich nicht beeindrucken lassen vom Beifall für all die Hasardeure: Dafür stand – in besonderer Verlässlichkeit auch für Sponsoren und Geschäftspartner – Helmut Hack, der nicht nur Präsident, sondern vor allem Diener seines Vereins war, für den er 22 Jahre lang unentgeltlich arbeitete. Zu dieser kaufmännischen Nüchternheit gehörte immer mehr Mut, als ihn Spekulanten haben, die heute hier und morgen da ihre Fußball-Pokerspiele inszenieren.

Nachhaltigkeit vor schnellem Erfolg: So führte der ligaweit hochgeschätzte Hack, ein besonnener, reflektierter und sehr zugänglicher Mensch, diesen Betrieb, immer in der Überzeugung, dass es in Fürth keine Garantie für Profifußball gibt. Aber es entstanden die Voraussetzungen dafür, mit dem wunderbar gelungenen neuen Ronhof, dem Trainingsgelände, dem Nachwuchsleistungszentrum. Fürth hat – mit einem modernen Klub – seine gute alte Spielvereinigung zurückbekommen, den Stolz aufs Kleeblatt, ein starkes Stück Fußball-Kultur. Der Verein lebt, ganz in der Neuzeit, und Hacks Rücktritt ist jetzt eine tiefe Zäsur – denn wohin diese Neuzeit noch führt, lässt sich allenfalls erahnen. Aber es lohnt sich, um Helmut Hacks Erbe zu kämpfen.

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