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"Eiserner Franke": Nürnberger will 66 Ironmen in einem Jahr absolvieren

Damit würde der 58-jährige Bernhard Nuss einen Weltrekord aufstellen - 30.06.2019 15:30 Uhr

Bernhard Nuss (r.) zusammen mit Mark Hohe-Dorst, dem Präsidenten der International Ultra Triathlon Association (IUTA), nach dem Double Ultra Triathlon Emsdetten in diesem Jahr. Nuss beendete diesen Wettkampf in knapp 33 Stunden, ohne vorher richtig Nahrung zu sich genommen zu haben - er litt unter Magen-Darm-Problemen. © Foto: privat.


Wahnsinnig. Besessen. Waghalsig. Wenn Menschen von diesem Vorhaben hören, fallen ihnen diese Begriffe wohl als Erstes ein. Doch wenn man Bernhard Nuss so zuhört, fällt auf, dass er eigentlich nur eines ist: sehr, sehr sportbegeistert. Der 58-jährige Franke arbeitet in diesem Jahr an dem Ziel 66 Ironman (3,86 Kilometer Schwimmen, 180,2 Kilometer Rad und 42,2 Kilometer Laufen) innerhalb eines Jahres zu beenden. "66" deshalb, weil der Personal Trainer findet, dass 66 thematisch ein "schönes Ziel" ergeben, so der Nürnberger. Zwölf davon liegen bereits hinter ihm. Auch bei der Challenge Roth wird er an den Start gehen.

In Aktion: Berndhard Nuss (mitte) läuft hier im Jahr 2016 auf der Wöhrder Wiese die deutsche Meisterschaft im Ultramarathon. © Michael Müller


Die Idee hat ihn erstmals so richtig im Jahr 2007 gepackt. In diesem Jahr lernte er den Arzt und Ausdauerathlet Beat Knechtle kennen, dessen Ambitionen und Kampfgeist Nuss sofort begeisterten. Mittlerweile ist Knechtle Mitglied in Nuss' Läufergruppe "Never walk alone Nürnberg", die Nürnberger zum Laufen motivieren will. Bernhard Nuss selbst muss sich nicht wirklich motivieren. Die tägliche Bewegung gehört zu seinem Leben, wie für andere das Feierabendbier. Dabei hat der Ausdauersportler seine Regenerationszeit über die Jahre hinweg verkürzt. Powernaps und viele Kalorien (in Wettkampfzeiten sind es bis zu 8000 am Tag), helfen ihm dabei, seine Form zu halten.

Von Österreich nach Mexiko

"Ich war geflasht", sagt Nuss heute, wenn er über das Kennenlernen mit Knechtle spricht. Er habe sich anschließend sofort ein Buch zum Thema "Ultratriathlon" gekauft. Von einem "Ultratriathlon" spricht man, wenn die Ironmen-Distanzen mehrfach und hintereinander ausgetragen werden. Hierbei gibt es zwei Varianten: Nuss wird dieses Jahr in Mexiko die "continuous"-Variante begehen, eine bei der die drei Disziplinen gestaffelt nacheinander innerhalb von 28 Tagen absolviert werden. Dabei können die Teilnehmer ihrem eigenen Plan folgen und sich die Zeit für die Disziplinen nach dem eigenen Biorhythmus einteilen.

Die "day"-Variante sieht vor, dass die Teilnehmer alle drei Sportarten an einem Tag finishen und am nächsten Tag eben gleich nochmal. "Continuous ist die leichtere Variante", so Nuss, der in zwei Wochen seine Zeitplanung für Mexiko im Herbst in Österreich antesten wird. Tritt man jeden Tag aufs neue einen Triathlon in der Volldistanz an, würden die Beine irgendwann zwangsläufig langsamer werden, erklärt der Fitness-Coach.

"Eiserner Franke" - Ein Spitzname, der passt

Vor ein paar Jahren wurde medial zum ersten Mal der Spitzname "Eiserner Franke" verwendet, hat man über den Nürnberger Triathlet geschrieben. Dieser Titel ist aus mehreren Gründen passend. Erstens bedeutet "Ironman" so viel wie "Eisen-Mann", zum anderen muss jeder Finisher extreme Disziplin und eiserne Nervenstärke an den Tag legen. Der Spitzname passt aber schlussendlich deshalb so gut, weil Nuss seit 2017 dreimal vom Rad gefallen ist. "Die Fahrradstürze haben mich verfolgt," erzählt der 58-Jährige. 2016 wurde er sogar von einem Auto angefahren, als er gerade mit dem Rad unterwegs war. Die Folge der Sturz-Serie: Schlüsselbeinbrüche und Metallplatten im Körper. Doch auch in dieser Phase denkt Nuss nicht einmal ans Aufgeben.

Ein Vorbild für jung und alt

Bernhard Nuss zeigt durch seine sportliche Leistung, dass es keine Altersgrenze für Leistungssport gibt. Er will aber genauso jüngere Menschen zum Laufen und Sport allgemein motivieren. Die Entwicklung, dass immer mehr Menschen, auch Kinder, übergewichtig sind und sich ungesund ernähren, sieht er kritisch. "Es geht nicht darum, perfekt zu laufen, es geht darum, sich überhaupt zu bewegen." Jeder Mensch, der sich im Alltag bewege und Sport treibe, egal wie kurz oder lang, tue mehr für seine Gesundheit, als die Person, die nur auf dem Sofa liege, meint der Extremsportler.

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Sportlicher Nachwuchs: Kinder und Jugendliche starten beim Rothsee Triathlon

Am Samstag gingen beim 31. Memmert Rothsee Triathlon nicht nur die Erwachsenen an den Start, sondern auch der mindestens genauso ehrgeizige Nachwuchs. Kinder und Jugendliche schwangen sich auf die Räder, stürzten sich in die Fluten und liefen um die Wette. Bei so viel Kampfgeist haben viele der jungen Sportler sicher noch eine große Karriere vor sich.


Wer jetzt Motivation verspürt, es dem Sportler gleich zu tun, wird leider ein wenig ausgebremst: Sich für eben jene Events anzumelden, ist nämlich gar nicht so einfach. Weltweit sind nur etwa 30 bis 40 Menschen überhaupt dazu in der Lage, diese sportliche Leistung über Tage hinweg zu bringen, weswegen nicht jedes Wochenende ein anderer Wettkampf stattfindet. Aber da laut Nuss "Anfangen das Wichtigste ist", reicht für den Beginn ja auch der klassische Stadtlauf. Das Sofa kann erstmal warten.

  

Milena Kühnlein

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