EMS-Training in Neumarkt wieder erlaubt

11.3.2021, 16:52 Uhr
Das EMS-Studio Bodystreet im Neuen Markt darf seit dem 8. März auf Vorlage eines ärztlichen Attest wieder Muskeln stimulieren.

Das EMS-Studio Bodystreet im Neuen Markt darf seit dem 8. März auf Vorlage eines ärztlichen Attest wieder Muskeln stimulieren. © Foto: André de Geare

Am Mangel an Desinfektionsmitteln scheitert die Wiedereröffnung garantiert nicht. Ware für mehrere tausend Euro ist bezahlt und liegt im Zwischenlager zur Auslieferung bereit, berichtet Andrea Paulus-Distler, die stellvertretende Studioleiterin des "Zeitlos" in Neumarkt. Räumlichkeiten und Geräte seien überdies blitzblank geputzt und betriebsbereit. Doch so richtig optimistisch, die Türen schon in wenigen Tagen aufsperren zu können, ist Paulus-Distler beim Blick auf den aktualisierten Fahrplan zum Infektionsschutz nicht. "In den vergangenen Monaten wurde vieles angekündigt und dann ganz anders umgesetzt."


Darf ich kündigen, wenn das Studio wegen Corona geschlossen hat?


Tatsächlich lässt der von der bayerischen Staatsregierung neu gesteckte Rahmen Spielraum für Interpretationen. Fest steht: Frühestens ab 22. März darf in Fitnesseinrichtungen, analog zur Regelung für kontaktlosen Indoorsport, geschwitzt werden. Voraussetzung ist allerdings, dass sich die Inzidenz in den 14 Tagen vorher unter 50 bewegt – der Landkreis Neumarkt dürfte diesen Wert knapp verpassen. Bei einer Inzidenz von 50 bis 100 sollen die Trainingsgäste einen negativen Schnelltest vorweisen.

"Ich kann mir nicht vorstellen, wie das praktikabel sein soll. Wenn wir uns die Tests erst am Eingang zeigen lassen würden, startet jeder Kurs mit einer Stunde Verspätung", erklärt Andrea Paulus-Distler, die seit über 30 Jahren in der Branche tätig ist und auf der Zielgerade Richtung Rente plötzlich um ihre Altersrücklagen bangen muss. "Wir haben als Familienbetrieb immer gut gewirtschaftet, jetzt können wir uns gerade so über Wasser halten. Die Überbrückungshilfen fließen unzuverlässig und sind in der Höhe ein einziger Witz."

Immerhin ihr privates Nebengewerbe mit Fokus auf Figurberatung ist seit kurzem wieder erlaubt. Die wertvollste Stütze in der Krise, betont Paulus-Distler, sei wiederum die überwältigende Solidarität der rund 1300 Zeitlos-Mitglieder. "Im Herbst hatten wir sogar einen Zulauf." Eben jene Kundschaft will die Unternehmerin indes nicht durch einen Schnellschuss enttäuschen. "Es ist ja zu befürchten, dass die Zahlen nach Ostern ansteigen. Dann müssten wir nach den Bestimmungen wieder schließen", so Paulus-Distler. Um zusätzlicher Miss-Stimmung aus dem Weg zu gehen, verzichtet das Zeitlos auch auf die Möglichkeit, mit einem ausgewählten Angebot im Außenbereich an den Start zu gehen. Die Kette McFit hatte dies in Nürnberg auf ihrem Parkplatz vorgemacht und die finanziell wenig lukrative Aktion in der Öffentlichkeit bewusst als Protest in Szene gesetzt.

Andrea Paulus-Distler hingegen gibt sich stur, verweist auf das nach dem ersten Lockdown akribisch eingehaltene Hygienekonzept. "Unsere Räume bestehen fast hauptsächlich aus Fenstern. Da wird ständig gelüftet. Die geforderten Abstände sind auf unseren 1200 Quadratmetern überhaupt kein Problem. Die maximale Grenze von 120 Personen haben wir schon vor Corona nie überschritten. Mehr können wir nicht tun." Persönlich findet Paulus-Distler etwas Ausgleich in der Bewegung mit Hund, "aber so viel kann ich nicht laufen, wie ich Frust rausschütteln möchte".


Fitness-Studio macht hinter verdunkelten Scheiben Geschäfte


Im wahrsten Sinne des Wortes unter Spannung stehen Christian und Martin Helmreich. In ihrem EMS-Studio Bodystreet im Neuen Markt dienen elektrische Stromimpulse einem effizienten Ganzkörper- und Muskelaufbautraining. Die individuelle Betreuung zu festen Terminen bedeutet eigentlich einen entscheidenden Vorteil gegenüber den konventionellen Studios, schließlich treffen inklusive Trainer nicht mehr als zwei Haushalte zusammen. Faktisch wurde diese Sonderrolle Mitte November durch das Verwaltungsgericht außer Kraft gesetzt, bis zum vergangenen Montag.

Seit dem 8. März sind EMS-Behandlungen zulässig, wenn ein ärztliches Attest vorliegt. "Wir sehen ein Licht am Ende des Tunnels", konstatiert Christian Helmreich. Knapp ein Fünftel der circa 100 regelmäßigen Gäste kommen somit vorzeitig zum Zug. Vom Rest "kriegen wir durch Nachrichten und Nachfragen enormen Zuspruch", freut sich Helmreich. Man könne sich mit Blick auf den 22. März vorstellen, ein eigenes Kontingent an Selbsttests zur Verfügung zu stellen und suche in Detailfragen den Austausch mit dem Gesundheitsamt. In Sachen Hygienekonzept bedarf es wenig Umstellung. Unabhängig von der Pandemie sind separate Umkleiden und Desinfektion der Ausrüstung seit jeher Standard.

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