Erlanger Fitnessstudio-Betreiber: "Das ist schon sehr ärgerlich"

13.5.2021, 06:02 Uhr
Am Mittwochnachmittag wurde im neuen Fit Star in der Erlanger Innenstadt noch trainiert. Ab Donnerstag ist es damit vorbei.

Am Mittwochnachmittag wurde im neuen Fit Star in der Erlanger Innenstadt noch trainiert. Ab Donnerstag ist es damit vorbei. © Harald Sippel, NN

Am Mittwochvormittag war die Stimmung in der „Fitnesslounge“ in der Erlanger Vierzigmannstraße noch blendend. Viele Kundinnen und Kunden nutzen die Gelegenheit und trainierten zum ersten Mal seit Monaten an den Geräten. „Heute Nachmittag war die Stimmung eher traurig“, beschreibt Mitinhaberin Stefanie Weid. Manche, die vormittags da waren, seien nachmittags gleich noch einmal zum vorerst letzten Training gekommen. Denn da hatten die Menschen erfahren, dass die Fitnessstudios in Erlangen nach nur drei Tagen wieder schließen müssen.

Freizeit, kein Sport?

Das Bayerische Gesundheitsministerium hatte über die Regierung von Mittelfranken mitgeteilt, dass die Studios in ganz Bayern geschlossen bleiben. Und das, obwohl kontaktfreier Indoor-Sport seit Montag in Erlangen dank einer stabilen Inzidenz unter 100 wieder erlaubt ist. Auch die Ämter der Stadt waren davon ausgegangen, dass die Studios darunter fallen. Doch Fitnessstudios werden in der Erweiterung des Infektionsschutzgesetzes vom April, der sogenannten „Bundes-Notbremse“, unter Freizeiteinrichtungen gezählt – und nicht mehr unter den Bereich „Sport“. Und die müssen in Bayern geschlossen bleiben.

Bei den Fitnessstudio-Betreibern sorgt diese Einstufung für Unverständnis. „Wirklich nachvollziehbar ist das nicht. Die meisten kommen zu uns, um sich fit und gesund zu halten“, sagt Stefanie Weid. Ihr Studio ist auf Gesundheits- und Präventionstraining ausgerichtet. „Wir haben viele Mitglieder, die im Klinikum arbeiten und einen Ausgleich für ihre schwere Arbeit brauchen. Wir haben aber auch Senioren über 70, deren Muskeln abbauen, weil sie sich nicht mehr richtig fit halten können.“

Gesundheits-, nicht Freizeitmanager

Auch Markus Giegold, Geschäftsführer des Unternehmens Fit Star, das erst am Montag sein Studio in der Erlanger Innenstadt eröffnet hat, kann die Einstufung nicht nachvollziehen: „Bei den Ausbildungsberufen in unserer Branche geht es um Gesundheitsmanager. Und nicht um Freizeitmanager.“ Giegold betont, er habe Verständnis, dass die Politik versuche, die Infektionszahlen niedrig zu halten. „Das in Verordnungen zu gießen ist nicht leicht. Ich hätte mir aber gewünscht, dass die Fitness- und Gesundheitsbranche einen anderen Stellenwert hat“, sagt er.

Schließlich würden die Studiobetreiber viel Geld in Schutzmaßnahmen investieren. Bei Fit Star habe man neben neuen Lüftungsanlagen und Virenfiltern sogar einen Anti-Virenlack für die Stellen angeschafft, die von den Kunden berührt werden. Doch geholfen hat das nicht.


Die Regierung von Mittelfranken habe in ihrem Schreiben darauf hingewiesen, dass die Infektionsgefahr in Fitnessstudios wohl höher sei als in anderen Sportanlagen, weil sie von vielen Personen gleichzeitig genutzt würden und die Fluktuation der Personen im Raum hoch sei.

Auch Studios im Landkreis bleiben geschlossen

Auswirkungen hat die Stellungnahme des Gesundheitsministeriums auch auf die Fitnessstudios im Landkreis, die ebenfalls auf Lockerungen gehofft hatten. So wollte etwa das Fitnesscenter Schardt in Herzogenaurach am Donnerstag eigentlich öffnen. Das amtliche Okay lag bereits vor.

Doch die Öffnung muss nun ausfallen. „Auf einmal sind wir eine Freizeiteinrichtung. Wir sind nicht vergleichbar mit Schwimmbädern, die werden kommerziell unterstützt und haben einen anderen Steuersatz. Bei den Steuern sind wir nie Freizeiteinrichtungen“, kritisiert Inhaberin Dora Schardt.

Nun müssen die Betreiber weiter warten. Anderthalb Jahre habe man darauf hingearbeitet, das Studio im April oder Mai eröffnen zu können, sagt Fit-Star-Geschäftsführer Giegold. „Dass das zurückgeworfen wird, ist schon sehr ärgerlich und enttäuschend.“ Doch das Interesse in den wenigen Tagen sei trotz des monatelangen Lockdowns zufriedenstellend gewesen. „Wir waren glücklich, wie das Angebot in Erlangen angenommen wurde.“ Immerhin, ein Hoffnungsschimmer.