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Ersatz für Skiurlaub: Erlanger läuft sieben Marathons in sieben Tagen

Sebastian Fahsold vom Team Schamel Running hat "jeden Tag genossen" - 28.01.2021 14:21 Uhr

Freude am Ende einer ganz besonderen Woche – Sebastian Fahsold nach sieben Marathons in sieben Tagen.

22.01.2021 © Foto: Johannes Hendel


Er gilt als die Königsdisziplin der Langstrecke, für viele Läufer ist er das große Ziel, das sie einmal schaffen wollen: der Marathon. 42,195 Kilometer, auf denen viel passieren kann, die sich ziehen und garantiert irgendwann wehtun, auf die Hobbysportler in der Regel monatelang hintrainieren. Nicht einen, sondern sieben Marathonläufe binnen einer Woche absolvierte Sebastian Fahsold kürzlich.

Eigentlich wollte Fahsold seinen Urlaub zum Skifahren in Österreich nutzen. Doch die Corona-Beschränkungen machten dem Frauenauracher einen Strich durch die Rechnung. Die freien Tage einfach ungenutzt verstreichen lassen, wollte er aber auch nicht. Als ambitionierter Trail-Läufer, der seit 2019 zum Baiersdorfer Team Schamel Running gehört, hat er schnell eine Idee zur Hand: Eine Woche lang jeden Tag einen Marathon laufen. "Also bin ich am Montag raus und einen Marathon im Tennenloher Forst gelaufen." Und weil es sich gut anfühlt, "habe ich das am Dienstag wiederholt."

Keine großen Töne

Am Kanal geht es von Frauenaurach bis Hausen und mit ein paar Extrakilometern wieder zurück. Die Strecke ist "verschneit, teilweise habe ich die ersten Spuren im lockeren Pulverschnee gezogen. Das war eine sehr schöne Atmosphäre", blickt der 36-Jährige zurück. Wieder zuhause steht für ihn fest, dass er das Projekt "7 Tage, 7 Marathons" jetzt ernsthaft anpacken will. Seinen Plan behält der gelernte Koch jedoch zunächst bewusst für sich: "Ich wollte keine großen Sprüche reißen." Laute Töne sind nicht seine Art. Und auch den Druck braucht er nicht.

Die Ahnung: Da kommt etwas Großes

Doch weil er seit Kurzem seine Läufe auf der bei Ausdauersportlern beliebten Tracking-App Strava dokumentiert, dauert es nicht lange, bis seine Team-Kollegen und befreundete Sportler ahnen, dass da etwas Großes geplant ist. Erste positive Sticheleien und Gerüchte kommen auf, geben ihm Rückenwind. Mitte der Woche ist es ein offenes Geheimnis, und Sebastian Fahsold mittendrin in seinem Projekt. Laufen gehört seit 25 Jahren zu Fahsolds Leben: "Das ist schon immer mein Ding Man braucht wenig Ausrüstung, kann einfach von daheim losstarten. Du suchst dir ein schönes Ziel, läufst hin, kommst an, läufst wieder zurück – und freust dich." Anfangs dreht er aus Spaß mit seinem Vater kurze Runden, doch mit der Zeit werden die Läufe länger und die Ziele ehrgeiziger. Wirklich leistungsorientiert betreibt er den Laufsport seit etwa zehn Jahren.

Den ersten Marathon musste er abbrechen

Bei seinem ersten Marathon steht er 2002 am Start – und muss nach 25 Kilometern abbrechen, weil er viel zu schnell losgerannt ist. Trotzdem ist er angefixt, will das nicht auf sich sitzen lassen. Zwei Jahre später läuft er beim nächsten Versuch über die Finishline. Seitdem faszinieren ihn die langen Distanzen. Neben etlichen Marathons im Training hat er bereits rund 25 Wettkämpfe über diese Strecke bestritten. Seine Bestzeit von 2:57:58 stellt er 2017 beim Fränkische-Schweiz-Marathon auf. Und im Rahmen der "5-to-9-Aktion", bei der das Team Schamel Running-Team im Dezember vergangenen Jahres für einen guten Zweck Spenden erläuft, rennt der gebürtige Erlanger sogar zwei an einem Tag, einen morgens und einen abends.

Obwohl er mittlerweile sogar bei so spektakulären Ultratrail-Rennen wie der Zugspitz-Umrundung (für die 102 Kilometer mit 5500 Höhenmetern benötigte er 16:49 Stunden) mitmischt, muss er bei Marathon Nummer drei und vier seines "7-in-7-Projekts" kämpfen. Zumindest das Aufstehen und Loslaufen seien am Mittwoch und Donnerstag "schon schwer gewesen", räumt er ein. Doch nach den ersten Kilometern ist "wieder alles voll easy", schiebt er lachend hinterher. "Ein echtes Tief hatte ich tatsächlich die ganze Woche nicht. Ich habe jeden Tag genossen."

Erfolgreich beim Ultratrail

Dass die Knie irgendwann zwicken, zum Ende hin die linke Wade immer mehr dicht macht und er mit Schnee, Minusgraden, Glätte, gefrorenen Böden und Wind zu kämpfen hat, sind die einzigen Probleme. Dabei hat sich der 36-Jährige nicht gezielt auf diese Woche vorbereitet. Überhaupt ist er kein Trainingsweltmeister. "Im Schnitt laufe ich nur 30 bis 50 Kilometer die Woche." Während einige seiner Team-Kollegen jährlich um die 4000 absolvieren, freut Fahsold sich, wenn er über 1000 kommt. Angesichts der Tatsache, dass er erfolgreich im Ultratrail-Bereich unterwegs ist, "eigentlich ein Witz", gibt er zu. Er beschreibt sich selbst als "Frei-Schnauze-Läufer": kein Pulsmesser, kein Coach, kein Trainingsplan, keine ausgefeilte Ernährungsstrategie.

Auch in seiner Marathon-Woche bleibt er sich treu. Kein Firlefanz, einfach laufen. Ein wenig Trinken, dazu ein paar Gels und Riegel eingepackt, los geht’s. Keine aufwendige Streckenplanung, ganz spontan mal links, mal rechts und immer alleine. Ebenso unspektakulär fällt die Regeneration aus: Heimkommen, heiß duschen, warm einpacken, Energiespeicher auffüllen und ausruhen. Später vielleicht noch eine kleine Runde mit Freundin und Tochter im Schnee drehen. Und am nächsten Vormittag dasselbe von vorne.

An die Grenzen gegangen

Mittwochs geht es nach Herzogenaurach und Veitsbronn, am Donnerstag läuft Sebastian Fahsold sternförmig von Frauenaurach einmal in alle Himmelsrichtungen, am Freitag ist die Nürnberger Burg der Wendepunkt, samstags stattet er dem Team-Sponsor Schamel in Baiersdorf einen Besuch ab. Ein besonderer Lauf ist der Marathon am Sonntag. Zusammen mit seinem Freund und Team-Kapitän Johannes Hendel bricht Sebastian Fahsold zum siebten und letzten Marathon seines Projekts auf. Gemeinsam spulen sie Kilometer um Kilometer ab, Sebastian lässt die vergangenen Tage nochmal Revue passieren, der Erfolg ist zum Greifen nah. "Die letzten 10 Kilometer gingen relativ locker flockig", erinnert sich der Frauenauracher.

Als er schließlich in seine Straße einbiegt, ist er einfach nur "sehr froh, glücklich und erleichtert", aber auch stolz auf seine Leistung. "Ich bin definitiv über meine Grenzen gegangen!"

Wie fordernd das Ganze war, lässt ein Detail erahnen: Normalerweise macht Sebastian Fahsold seine Schuhe nach dem Laufen sofort sauber und räumt sie auf. "Am Sonntag habe ich sie einfach ausgezogen und stehen gelassen." Pause!

ANDREAS REGLER

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