Interview

Fit-Star-Geschäftsführer Markus Giegold über die Zukunft von Fitnessstudios

23.9.2021, 05:55 Uhr
In den Fitnessstudios ist endlich wieder mehr los: Richtig voll aber wird es im neu eröffneten „Fit Star“ in Erlangen nicht. Noch immer fehlen viele neue Mitglieder.

In den Fitnessstudios ist endlich wieder mehr los: Richtig voll aber wird es im neu eröffneten „Fit Star“ in Erlangen nicht. Noch immer fehlen viele neue Mitglieder. © Foto: Harald Sippel

Kehrt in den Fitnessstudios langsam Normalbetrieb ein, Herr Giegold?

Nein. Wir sind weit weg von Normalität. Bei uns herrschen immer noch Einschränkungen, zum Beispiel gibt es Zugangskontrollen zur Einhaltung der 3G-Regel und auch der administrative Aufwand im Hintergrund ist enorm. Beim Training aber gibt es keine Probleme, die Kunden fühlen sich sehr wohl. Zur Vollauslastung fehlen 20 Prozent.

Haben Sie während der Corona-Pandemie Mitglieder verloren?

Natürlich. Einer Branche, die vom Abo-Modell lebt und jährlich eine 30-prozentige Fluktuation hat, fehlen 30 Prozent. Momentan haben wir wieder Zuwächse, es fehlen aber noch 20 Prozent, um das vorherige Niveau zu erreichen. Wir haben keinerlei Chance, Kosten einzusparen. Stattdessen haben wir Mehrkosten, um die Herausforderungen durch Corona zu bewältigen.

Wie können Sie das stemmen?

Das ist nur aus einer guten Substanz heraus zu schaffen. Alle, die neu gestartet sind, stehen sofort mit dem Rücken zu Wand. Die extrem hohe Loyalität der Kunden ist der einzige Grund, warum die Fitnessbranche überhaupt fortbesteht. Ohne sie wäre kein Fitnessstudio mehr da.

Haben viele Betreiber ihre Studios schließen müssen?

Es gibt noch keine verlässliche Zahlen. Was wir wissen: Von den vormals zwölf Millionen Mitgliedern in Deutschland sind zum 1. Januar 2021 noch zehn Millionen übrig gewesen, danach hatten wir noch fünf weitere Monate geschlossen. Ich gehe daher davon aus, dass die Anzahl weiter gesunken ist.

Wie sieht das bei Ihnen aus? Sie haben in Erlangen ein neues Studio eröffnet.

Wir sind in der Metropolregion sehr glücklich. Für das Erlanger Publikum haben wir das richtige Produkt gefunden, in Nürnberg eröffnen wir bald ein zweites Studio an der Fürther Straße.

Wie Krisenmodus wirkt das nicht.

Wir glauben an das stationäre Fitnesstraining und wir trauen uns, umsichtig zu wachsen. Mit der Ist-Situation hat das nichts zu tun. Ich bin gespannt, ob irgendein Studio in diesem Jahr einen Gewinn ausweisen kann. Man weiß nicht, wie sich 2G- oder 3G-Regeln auswirken. Die schwarze Null ist eine Riesenherausforderung. Das wird man auch 2022 noch sehen. Mit erfreulichen Bilanzen rechne ich erst 2023, wenn alle ihre Mitglieder zurückgewonnen haben. Das hängt aber von den Rahmenbedinungen ab.

Markus Giegold (53) ist Geschäftsführer von Fit Star. Studios betreibt er in Nürnberg, Fürth, Erlangen und zum Großteil in Bayern, und House of Sports. In Zusammenarbeit mit dem Deutschen Industrieverband für Fitness- und Gesundheitsanlagen setzt er sich für politische Unterstützung der Branche ein.

Markus Giegold (53) ist Geschäftsführer von Fit Star. Studios betreibt er in Nürnberg, Fürth, Erlangen und zum Großteil in Bayern, und House of Sports. In Zusammenarbeit mit dem Deutschen Industrieverband für Fitness- und Gesundheitsanlagen setzt er sich für politische Unterstützung der Branche ein. © Foto: Harald Sippel

Müssen Fitnessstudios ihre Beiträge erhöhen, um rentabel zu bleiben?

Die Nummer zwei am Markt hat schon erhöht. Generell kommt es darauf an, wie lange es dauern wird, bis man die Mitgliederbestände erreicht, auf die man seine Immobilie ausgelegt hat. Nur weil statt 1000 nur 500 Mitglieder da sind, kannst du nicht Mitarbeiter und Fläche reduzieren. Unsere Branche hatte in den vergangenen zehn Jahren fünf Prozent Wachstum, viele haben investiert. Und die Entschädigungszahlen richten sich nur nach der Zeit im Lockdown, es fehlt der Bezug zu unserem Abo-Geschäft. Deshalb hat die Branche einen Zukunftsschaden.

Finanziell könnte sich der Lockdown also erst noch bemerkbar machen. Als Lösung schlagen Sie die Herabsetzung der Mehrwertsteuer vor, wie bei der Gastronomie. Wieso?

Das wäre eine Anerkennung der Branche und eine sinnvolle Investition für das Gesundheitssystem. Aktuell aber ist die Entwicklung gegenläufig, die Betreiber sind frustriert. Wenn wir ein flächendeckendes Fitness-Angebot haben, dann führt das dazu, dass sich der Verbraucher das auch gut leisten kann. Jetzt kommen stattdessen die ersten Preiserhöhungen. Das führt nicht dazu, dass sich mehr Menschen um ihre Fitness kümmern. Dabei ist gezieltes Training Teil der Lösung.

Zeigen das auch die Begegnungen mit den Mitgliedern in Ihrem Studio?

Die sozialen Kontakte in den Fitnessstudios sind für Ältere und Jüngere wichtig. Dazu kommt der Trainingseffekt. Wir haben Kunden mit Rückenproblemen, die standen mit Tränen in den Augen vor uns, so glücklich sind sie, dass sie wieder trainieren können. Nicht jeder kann mit entsprechenden Geräten zu Hause ein Rückentraining machen.Es geht um gestütztes Gerätetraining, das ist nicht ersetzbar durch Heimtraining oder Wandern, das ist orthopädisch und medizinisch klar nachgewiesen. Physiotherapien haben gerade einen extrem hohen Zulauf, darüber muss man sich nicht wundern.

Was befürchten Sie für den Herbst?

Eigentlich kommt jetzt unsere Hauptsaison, darauf freue ich mich. 80 Prozent der Kunden sind wiedergekommen. Und ich habe große Hoffnung, dass es durch den Impffortschritt zu keinen weiteren Einschnitten kommt.