Montag, 11.11.2019

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Fürther Holztribüne: Ein Paradies für Groundhopper

Manche nehmen weite Reisen auf sich, um beim ASV Fürth Platz zu nehmen - 14.10.2019 11:00 Uhr

Bis zu 5000 Fußballfans fanden früher Platz auf der Holztribüne des ASV. Heute sitzen dort deutlich weniger Menschen, manche kommen dafür aber von weit her. © Foto: Frank Kreuzer


Die Halbzeitshows der Profis sind gefüllt mit Gewinnspielen und Aktionen. Ins Max-Morlock-Stadion passen rund 50.000 Menschen, im Ronhof bei der SpVgg Greuther Fürth finden 18.000 Zuschauer Platz.

Das ist einer der Hauptgründe, weshalb manche "Groundhopper" – Fans, denen es darum geht, so viele Fußballstadien wie möglich zu sehen – inzwischen lieber kleine Plätze und Amateurfußball erleben wollen. Zu sehen ist das immer wieder auch beim ASV Fürth – zuletzt bei der Partie gegen den TSV Buch II, wo Micha aus Cottbus vorbeischaut. Er ist leidenschaftlicher Groundhopper und extra aus der Lausitz angereist, um den ASV spielen zu sehen. Wobei, nicht ganz: Vor allem treibt Micha, wie er sagt, "die große Sammelleidenschaft von Sportstätten" an.

Und obwohl viele Fürther das nicht vermuten würden, ist der Platz des ASV in der Südstadt tatsächlich etwas ganz Besonderes: Die historische Holztribüne aus dem Jahr 1924 ist ein Überbleibsel aus einer fast vergessenen Zeit, als dort bis zu 5000 Zuschauer Platz fanden, wo heute nur noch 20 sitzen.

 

Damals, als der VfR Fürth noch erstklassig in der Bezirksliga kickte, galt die Magazinstraße als ein Ort für hochwertigen Fußball. Heute spielt der ASV in der achtklassigen Kreisliga, aber ihren Flair und ihren Charme hat die Spielstätte nicht verloren.

Selbstgebackener Kuchen, verkauft meist von Vereinsmitgliedern oder Angehörigen der Spieler: Beim Amateurfußball, wie hier beim BSC Woffenbach - ASV Neumarkt, erleben Zuschauer eben ein anderes Gesicht des Sports. © Sportfoto Zink / Wolfgang Zink


Und genau darauf haben es Groundhopper wie Micha abgesehen. "Für mich ist das ein echtes Highlight", sagt er. Fast andächtig inspiziert der Cottbusser das ganze Gelände. Schaut sich um, macht Fotos und notiert immer wieder etwas in einem kleinen Buch. "Schick", lautet sein Fazit.

"Keine Show. Keine Spielchen."

Damit meint er vor allem die alte Holztribüne, auf der heute selbstverständlich Rauchverbot herrscht. Von dort aus hat er auch einen guten Überblick über das Kreisligaspiel zwischen dem ASV Fürth und dem TSV Buch II.

Die Partie ist zwar kein fußballerischer Leckerbissen, findet bei Micha aber trotzdem Anklang: "Das ist ehrlicher Fußball. Keine Show. Keine Spielchen. Der Sport steht hier noch im Vordergrund." Auf der Suche nach genau diesem Gefühl zieht der glühende Anhänger des Regionalligisten Energie Cottbus durch die Lande und besucht eher unscheinbare Spielstätten.

Das "Familiäre" als Antrieb 

Dabei schätzt er vor allem "das Familiäre". Mit seinen Cottbusern hat er schon fast alle großen Stadien Deutschlands gesehen. Davon hatte er aber irgendwann die Nase voll, 2005 kam er über einen Freund zum Groundhopping. "Fast jedes große Stadion schaut von innen irgendwie gleich aus. Außerdem wollte ich nicht immer nur den FC Energie sehen. Davon war ich satt."

Seine Fußball-Reisen führten ihn auch schon nach Polen, Tschechien und Österreich. Besonders im Fokus steht für ihn dabei "alles, was eine schöne Holztribüne hat". Wie zum Beispiel auch der FSV Kali Werra Tiefenort im südwestlichen Thüringen, von dem er schwärmt. Die schönsten Sportstätten sind für Micha diejenigen, die von der Natur umrahmt werden. "Wenn das Stadion zum Beispiel direkt am Berg liegt, ist das etwas ganz Besonderes."

Wohin es ihn als nächstes verschlägt, weiß Micha noch nicht: "Ich entscheide immer spontan, worauf ich gerade Lust habe." Seine Leidenschaft fürs Groundhopping hat ihn schon an manchen Ort gebracht, den viele Fußballfans nicht unbedingt auf dem Zettel haben – wie die alte Holztribüne in der Fürther Magazinstraße.

Max Fischer

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