Havard Nielsen: "Wenn ich clean esse, fühle ich mich leichter"

27.12.2019, 06:00 Uhr
Verletzungsmisere adé: Havard Nielsen wirkte bei allen 18 bisherigen Kleeblatt-Spielen mit und jubelt hier nach seinem Treffer zum zwischenzeitlichen 4:1 für die SpVgg beim Karlsruher SC.

Verletzungsmisere adé: Havard Nielsen wirkte bei allen 18 bisherigen Kleeblatt-Spielen mit und jubelt hier nach seinem Treffer zum zwischenzeitlichen 4:1 für die SpVgg beim Karlsruher SC. © Foto: Melanie Zink

Herr Nielsen, was kommt in Norwegen an Weihnachten auf den Tisch?

Bei uns gibt es immer Salzfleisch vom Lamm, das man 24 Stunden so stehen lassen muss, damit es seinen Geschmack bekommt. Und eine eigene Art Bratwurst. Ein bisschen deutsch also.

Und, werden Sie auch davon essen?

Ja, das esse ich seit meiner Jugend und ich werde es auch dieses Jahr wieder tun.

Wie oft essen Sie noch Fleisch?

Nicht mehr so häufig wie früher, in der Regel nicht mehr als einmal pro Woche. Wenn ich Fleisch oder Fisch esse, achte ich sehr auf die Qualität. An der Tankstelle zum Beispiel, wenn ich nach einem Snack suche, verzichte ich lieber.

Wie kam es dazu?

Schon in meiner Zeit in Braunschweig (2014/15, Anm. d. Red.) hatte ich viele Muskelverletzungen. Ich habe nicht verstanden, warum das immer wieder passiert ist. Aber ich habe gemerkt, dass sich mein Bauch nach dem Training oder nach Spielen oft komisch anfühlt.

Und daran war das Essen schuld?

Wir haben bei Fortuna Düsseldorf (2017, Anm. d. Red.) einen großen Bluttest gemacht. Die Werte waren schlecht. Ich hatte Pilze im Darm und zu niedrige Werte von Magnesium, Calcium oder Eisen. Ich habe dann eine Diät gemacht und auf Pasta, Milchprodukte und solche Sachen verzichtet. Und nach und nach habe ich immer mehr tierische Produkte sowie Gluten weggelassen.

 

Und das hat geholfen?

Ich hatte danach keine Muskelverletzungen mehr. Vorher waren es viele Faserrisse, Entzündungen, Achillessehnenprobleme. Seit mein Bauch funktioniert, ist das alles weg. Ich bin auch nach den Spielen nicht mehr so kaputt und habe das Gefühl, in der Trainingswoche mehr machen zu können.

Haben Sie dafür eine Erklärung?

Ich kenne mich bei dem Thema nur auf niedrigem Level aus. Aber durch den Pilz hat man eine schlechte Darmflora und dann kann der Körper sich nicht gut erholen. Wenn man mit niedrigen Werten bei Magnesium oder Eisen Profisport macht, braucht man nach jedem Spiel länger, um sich zu erholen. Und dann kommt es irgendwann zu Schäden an den Muskeln.

Haben Sie auch versucht, sich komplett vegan zu ernähren?

Nur für ein paar Wochen. Aber die Allergie-Tests haben klar gesagt, dass ich Gluten, Ei und Milchprodukte nicht gut vertrage. Deshalb lasse ich das komplett weg. Ich habe das Gefühl, wenn ich clean esse, fühle ich mich leichter und nicht so schwer im Bauch.

Zwei Treffer, drei Vorlagen: Nielsen zählt längst zu den wichtigen Offensivkräften des Kleeblatts.

Zwei Treffer, drei Vorlagen: Nielsen zählt längst zu den wichtigen Offensivkräften des Kleeblatts. © Sportfoto Zink / Wolfgang Zink

Lässt sich das an Daten festmachen?

Das weiß ich nicht. Aber ich gehe davon aus, dass meine Werte in den Laktat-Tests seitdem nicht schlechter geworden sind.

Und Fleisch essen Sie noch, weil es Ihnen schmeckt oder weil Sie auf bestimmte Nährstoffe nicht verzichten wollen?

Es ist eine Mischung aus beidem. Ich fürchte schon, wenn man es komplett weglässt, fehlt einem vielleicht etwas. Ich habe zuletzt aber viele Dokumentarfilme gesehen, die aussagen, dass man das, was der Körper durch Fleisch erhält, auch durch andere Sachen bekommt. Aber ich mag Fleisch, ab und zu schmeckt es mir.

Spielen auch ethische Gründe eine Rolle bei Ihrer Ernährung?

Früher nicht. Aber meine Freundin liebt Tiere sehr und isst wenig Fleisch. Von ihr bekomme ich viel mit, wie schlecht Tiere behandelt werden. Das ist nicht schön. Und ein bisschen ist das schon Teil der Entscheidung.

Proteine gelten für Sportler als wichtig – und tierische Produkte als gute Quelle. Wie versorgen Sie sich damit?

Ich versuche, eine ausgeglichene Kost zu essen. Nicht immer die gleichen Sachen. Wenn man die Pasta weglässt, dann isst man zum Beispiel mehr Quinoa, Hirse oder Amaranth. Es können auch Süßkartoffeln oder Bohnen sein. Man denkt immer, man bekommt Proteine nur aus Fleisch. Aber pflanzenbasierte Produkte bieten oft auch genug. Teilweise isst man sowieso zu viele davon.

Im Alltag dürfte das kompliziert sein. Wie schwer war die Umstellung?

Am Anfang natürlich sehr schwer. Das fing beim Frühstück an. Man trinkt eben seinen Cappuccino mit Milch, isst ein Brötchen mit Ei oder einen Joghurt. Es wurde aber aus einem Grund schnell ganz einfach: wenn man weiß, dass es seinem Körper gut tut. Das ist mein Job, für mich ist es wichtig, immer auf einem hohen Level Leistungen zu bringen.

Und was frühstücken Sie jetzt?

Ich mache mir oft Smoothie-Bowls, zum Beispiel mit Mandelmus oder Kokosjoghurt. Auch verschiedene Öle, Hanföl, Leinöl, Kokosöl, kommen rein. Oben drauf mache ich Obst und verschiedene Nüsse, die ich in kleinen Bechern vorbereitet habe: Cashew-Nüsse, Kürbiskerne, Pinienkerne und so weiter. Das schmeckt sehr lecker.

Haben Sie beim Teamessen viele Sonderwünsche?

Eigentlich nicht. Ich lasse eben manches weg und esse Kartoffeln, Reis, Salat oder Kichererbsen. Aber letztens gab es zum Beispiel eine eigene vegane Soße. Die war sehr schnell weg. Es gibt schon noch andere Spieler, die darauf achten.

Das heißt, Sie müssen sich selten Sprüche von Teamkollegen anhören?

Doch, schon. Ich habe bei uns den Spitznamen "Tofu", Vor allem Tobias Mohr und Branimir Hrgota sagen das häufiger. Aber das ist nur Spaß, alles gut (grinst).

"Man denkt immer, man bekommt Proteine nur aus Fleisch. Aber pflanzenbasierte Produkte bieten oft auch genug", sagt Nielsen. © Sportfoto Zink / Wolfgang Zink

In der Öffentlichkeit ist vegane Ernährung bei Sportlern gerade ein großes Thema. Merkt man das auch in Fürth?

Gefühlt kommen jeden Monat Bücher oder Dokumentarfilme raus, wie "Game Changers" auf Netflix. Der war bei uns auch Thema. Es denken manche darüber nach, ob es mit Fleisch und Fisch vielleicht doch nicht immer so gut ist. Aber man muss am Ende immer selbst aussuchen, was gut für einen ist.

Als Profisportler ist man aber nicht frei in der Entscheidung, wie man sich ernährt. Sie müssen auf Ihre Leistung achten.

Deshalb ist es für mich so ein wichtiges Thema. Wenn ich lese, dass Profisportler vegan essen und erzählen, sie erholen sich schneller, ist das interessant. Natürlich muss es zum Profi-Alltag passen. Wenn es einen nur ein bisschen nach vorne bringen kann, ist es wichtig.

Haben Sie ein veganes Lieblingsgericht?

Das ist unterschiedlich. Zuhause mache ich meist etwas Frisches. Gestern habe ich mir ein Süßkartoffel-Püree mit Pilzen und Brokkoli gekocht. Das sieht vielleicht nicht spannend aus, aber schmeckt einfach gut. Man spürt, dass keine Extras wie fette Soßen oder Butter darauf sind. Es ist clean, danach fühlt man sich gut.

Ergänzungsmittel brauchen Sie nicht?

Nein. Wir haben immer wieder Bluttests. Wenn man zu wenig Eisen oder Calcium hat, bekommt man eine eigene Zusammenstellung an Ergänzungsmitteln. Das kam bislang aber nur einmal vor.

Und sonst steht bei "Tofu" viel Tofu auf dem Speiseplan?

Eigentlich gar nicht so oft (lacht). Aber letztens war ich mit den Jungs essen. Die bestellen dann eine Bowl mit Hähnchen und ich eben mit Tofu. Na ja, da höre ich den Spitznamen wieder. Aber als Fleischersatz ist es gar nicht so schlecht.

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